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·2. September 2026
Fünf Tore, 21 Millionen: Union Berlin rechnet bei Ilyas Ansah richtig

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·2. September 2026

Nach einem Jahr in Köpenick geht der 21-Jährige nach England. Der Preis sagt weniger über seine Bilanz als über das Handwerk der Verkäufer.
Fünf Tore in 37 Pflichtspielen. Das ist die Ausbeute, die Ilyas Ansah nach einem Jahr bei Union Berlin hinterlässt – und der Preis, den Hull City dafür zahlt, liegt laut Medienberichten bei mindestens 21 Millionen Euro. Der Vertrag beim neuen Klub läuft bis 2031.
Dazwischen liegen keine Torserie und kein Titel, sondern ein Geschäftsmodell, das funktioniert. Im Sommer 2025 kam der U21-Nationalspieler für kolportierte vier Millionen Euro vom SC Paderborn. Ein Jahr später übertrifft die Summe mit mindestens 21 Millionen Euro den bisherigen Rekordverkauf der Köpenicker, Taiwo Awoniyi, der 2022 für rund 20,5 Millionen Euro zu Nottingham Forest ging. Union verkauft hier keine Statistik, Union verkauft Entwicklungspotenzial – und das teuer.
Horst Heldt, Geschäftsführer Profifußball, formuliert es geschäftsmäßig: „Das Interesse aus England und das Angebot von Hull City waren sowohl für den Spieler als auch für uns als Verein sehr attraktiv.“ Kein Bedauern, keine Beschwörung von Vereinstreue. Nach konstruktiven Gesprächen mit allen Beteiligten habe man Ansahs Wechselwunsch in die Premier League nachkommen wollen. Man kann das kühl nennen. Man kann es auch professionell nennen.
Ein Angreifer, der 37 Pflichtspiele in den Beinen hat und in dieser Zeit fünfmal getroffen hat, ist mit 21 Jahren kein fertiges Produkt, sondern ein Versprechen. Wer solche Versprechen verkauft, gibt Substanz ab, die er selbst gebraucht hätte. Der eigene Sturm wird dadurch nicht besser, und die 21 Millionen Euro schießen keine Tore.
Nur: Diese Rechnung setzt voraus, dass Ansah bei Union die Tore geschossen hätte, die er in einem Jahr eben nicht geschossen hat. Fünf sind fünf. Und ein Klub, der einen Spieler für vier Millionen holt, ihn – so Heldt – „in der vergangenen Saison in der Bundesliga einen guten Entwicklungsschritt“ nehmen lässt und ihn dann für mehr als das Fünffache abgibt, hat nichts verschleudert. Er hat den Markt gelesen, bevor der Markt ihn liest.
Bemerkenswert ist ja, dass der Wechselwunsch beim Spieler lag. Union hat ihn nicht abgewehrt, sondern verhandelt – und dabei einen Wert erzielt, der über dem Awoniyi-Deal von 2022 liegt. Wer in Köpenick unterschreibt, weiß seit diesem Dienstag noch etwas genauer, dass die Premier League nicht ausgeschlossen, sondern eingeplant ist.
Die Kritik am Verkauf wäre schlüssig, wenn Union ein Klub wäre, der sich Verlustgeschäfte leisten kann. Vier Millionen investiert, mindestens 21 Millionen eingenommen, dazwischen ein Jahr Bundesliga für einen 21-Jährigen: Diese Bilanz muss man in Deutschland erst einmal hinlegen.
Und genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Klub, der Spieler verliert, und einem, der Spieler verkauft. Der eine reagiert auf Angebote, der andere erzeugt sie. Heldt nennt Ansah einen „jungen, talentierten Spieler“, der „seine Qualitäten auf hohem Niveau nachgewiesen“ habe – das ist die Sprache eines Verkäufers, der weiß, was seine Ware wert ist, und der sie zum richtigen Zeitpunkt abgibt.
Der richtige Zeitpunkt ist übrigens nie der, an dem alle einen Spieler für unverkäuflich halten. Er ist der, an dem ein anderer mehr zahlt, als die eigene Bilanz hergibt. Ansah hat in Berlin fünf Tore erzielt – und Union 21 Millionen Euro eingebracht. Das ist kein Verlust, das ist Handwerk.
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