FC Bayern München
·29. September 2026
Sarah Zadrazil & der Schritt ins Estádio da Luz

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·29. September 2026

348 Tage musste José Barcala auf sie verzichten. Ausgerechnet auf jene Spielerin, die auf dem Fußballplatz dort aufräumt, wo andere noch das Chaos sehen. Sie sortiert, verschiebt, dirigiert und setzt die richtigen Zeichen, bevor ein Spiel aus dem Takt gerät. Fast ein Jahr lang musste sie nun selbst mit dem Ungeordneten leben: mit Warten, Ungewissheit und einem Fußballplatz, der zunächst nur hinter einer unsichtbaren Glasscheibe lag.
Nun ist Sarah Zadrazil nach ihrem Kreuzbandriss zurück. Nicht mit großem Knall, sondern so, wie sie auch ein Spiel gestaltet: Schritt für Schritt, Pass für Pass. Freiburg, Köln, Champions League – jede Minute in den letzten Wochen war ein weiterer Stein auf dem langen Weg zurück. Am Mittwochabend führt ihre Route mit den Münchnerinnen einmal mehr nach Lissabon, zu Benfica, zu jenem Gegner, gegen den Bayern 2022 einen Abend erlebte, der jedes Drehbuch sprengte (ab 21 Uhr im Liveticker auf fcbayern.com & in der FC Bayern App). Doch um diese Reise anzutreten, ging die Österreicherin einen langen Weg.
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Zadrazil war bei Bayern nie diejenige, die zwangsläufig im Rampenlicht steht. Sie ist eher der stille Mittelpunkt, um den sich vieles dreht. Ihre Arbeit ist dort am wertvollsten, wo sie kaum auffällt: wenn sie eine Lücke schließt, einen gegnerischen Angriff beruhigt. Andere schreiben die Schlagzeilen, Zadrazil setzt oft die Satzzeichen. Mit ihr kehrt deshalb nicht nur eine erfahrene Akteurin zurück. Es kehrt eine bestimmte Ordnung zurück: das Organisieren und Kümmern um die Statik des Teams. Die Österreicherin ist das Metronom, das den Puls eines Spiels spürt, bevor es schneller schlägt. Während ihrer Reha musste sie diese Fähigkeit ungewohnt gegen sich selbst richten. Auch ihre eigene Rückkehr brauchte Struktur, einen Plan und Geduld.
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„Ich bin aus der Reha so fit zurückgekommen, wie ich davor nicht war“, sagt sie. Ein Jahr ohne Spiele und Zweikämpfe, und doch kam sie körperlich in einer Verfassung zurück, die sie selbst überraschte. Sie war lange raus, aber nicht aus dem Training. Nur das Knie erinnert sie im Alltag gelegentlich noch an das, was hinter ihr liegt. Es könne manchmal noch etwas steif sein, manchmal etwas anschwellen, erzählt sie. Schmerzen habe sie aber keine, Einschränkungen ebenfalls nicht. „Mittlerweile ist das überhaupt gar kein Thema mehr.“ Das Knie spielt wieder mit.
Sie spricht heute anders über Fußball als vor ihrer Verletzung. Vor dem Kreuzbandriss war er ihr gewohnter, seit Jahren bestehender Alltag, war sie doch nie länger verletzt. Training, Spiel, Regeneration, Reisen. Ein eng getakteter Kreislauf, der kaum Raum lässt, darüber nachzudenken, wie besonders dieses Leben eigentlich ist. Dann war sie plötzlich draußen. Die Reha begann morgens gegen acht Uhr und endete am Nachmittag.
„Performance, Performance, Performance“ sei lange ihre Haltung gewesen, erzählt sie. Immer weiter, immer besser, immer noch ein Prozent mehr. Während der Reha verschob sich der Blick. „Mittlerweile versuche ich, das Ganze ein bisschen anders einzuordnen und einfach viel dankbarer zu sein, dass ich überhaupt spielen kann.“ Denn im Zuge der Reha stand sie zum ersten Mal seit Langem neben der Fußballblase statt mitten in ihr. Und gerade aus dieser Entfernung erkannte sie, wie sehr sie ihr fehlte. „Das Jahr hat mir auch gezeigt, dass ich immer nur Fußball spielen will. Das ist es, was mich erfüllt.“
Die Reha verlief nicht immer wie eine gerade Linie. „Der Anfang war schwer und das Ende“, sagt sie. „Das dazwischen war für mich sehr smooth.“ Zu Beginn war da die Abhängigkeit, die ersten Wochen, in denen selbst einfache Dinge plötzlich Hindernisse wurden. Ganz am Ende kam die Ungeduld. Der Kopf war längst im Ziel, doch der Körper ging weiter seinen eigenen Weg. Er hat keinen Schalter, den man einfach umlegen kann. Und auch keinen Kalender, der sich von großen Zielen beeindrucken lässt.
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Zadrazil musste lernen, nicht nur ihren Körper zu trainieren, sondern auch ihre Erwartungen an ihn. „Man kann es erst so richtig verstehen, wenn man es selber mal durchmacht“, sagt die 33-Jährige. Die Erfahrungen von Teamkolleginnen wie Giulia Gwinn oder auch Lena Oberdorf halfen da. Auch deshalb stand sie während ihrer Reha in engem Kontakt zur Mannschaft. Die letztliche Rückkehr war für sie daher kein einzelner Moment, sondern ein Weg, der aus vielen Schritten bestand: der ersten Trainingseinheit, den ersten Minuten gegen Freiburg. Ausgerechnet gegen jenen Gegner, gegen den sie sich damals das Kreuzband gerissen hatte. „Es war schon skurril und ein besonderer Zufall, dass es genau dieses Spiel geworden ist. Im Nachhinein finde ich es aber auch schön zu sagen: Dieses eine Spiel, das vielleicht ein bisschen mehr zum Nachdenken anregt, habe ich hinter mir.“
Am Mittwoch führt ihr nächster Schritt nunmehr nach Lissabon. Zu Benfica, ins Estádio da Luz. Jene Kathedrale des europäischen Fußballs, in der die Männer 2020 die Champions League gewannen. Auf die Münchnerinnen wartet dort ein schwieriger Abend. Das liegt nicht nur an Benficas Qualität, sondern auch an den Erinnerungen an die letzte Begegnung aus der Saison 2022/23.
🔍 Benfica Lissabon im Gegnercheck:
Damals lagen die Bayern mit 0:2 zurück. Maxi Rall verkürzte erst spät, Georgia Stanway glich aus und traf in der achten Minute der Nachspielzeit sogar noch zum 3:2. Zwischendurch musste Lina Magull nach einem Zusammenprall verletzt vom Platz, Mala Grohs hielt einen Elfmeter. Es war ein Spiel mit offenen Türen, brennenden Sicherungen und einer Schlussphase, in der niemand mehr wusste, welcher Funke als Nächstes überspringen würde. „Es war einfach nur wild“, sagt Zadrazil rückblickend. „In der Partie war Feuer – von Anfang bis zum Ende.“ Nun kommt es zur Neuauflage.
Zadrazil weiß, was Bayern erwartet. Benfica sei „technisch sehr versiert und richtig gut am Ball“, dazu „sehr aggressiv in den Zweikämpfen“. Entsprechend kompliziert werde die Aufgabe. Dafür braucht es 90 Minuten, Konzentration und wahrscheinlich erneut ein wenig Nervenstärke. Bayern hat gegen ManCity gezeigt, dass es über lange Phasen auf höchstem Niveau spielen kann. Nun geht es darum, diese Qualität auch dann zu bewahren, wenn ein Spiel ungemütlich wird, der Gegner Druck macht und aus einem kontrollierten Abend plötzlich wieder ein wilder wird. Vielleicht ist Benfica deshalb der passende Schauplatz für Zadrazils nächste Etappe. Sie, die normalerweise Ordnung in ein Spiel bringt, musste ein Jahr lang lernen, dass sich nicht alles ordnen lässt. Dass eine Reha nicht schneller wird, nur weil man schneller zurück möchte. Und dass Fußball manchmal nicht darin besteht, den nächsten Schritt zu erzwingen, sondern ihn im richtigen Moment zu gehen.
ℹ️ Alle Fan-Infos zum Duell gegen Benfica Lissabon:
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