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·20. Mai 2026

Giulia Gwinn beim FC Bayern: Droht ihr bald das Schüller-Schicksal?

Artikelbild:Giulia Gwinn beim FC Bayern: Droht ihr bald das Schüller-Schicksal?

Giulia Gwinn hat mit den FC Bayern Frauen zwar erneut das Double gewonnen, die zuletzt gezeigten Leistungen der DFB-Kapitänin geben aber Rätsel auf.

Seit knapp sieben Jahren spielt Giulia Gwinn für den FC Bayern. Aus dem einstigen Talent ist eine gestandene Spielerin, Führungspersönlichkeit und Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft geworden.


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Und auch abseits des Platzes hat Gwinn einen großen Stellenwert für den FCB: Die 26-jährige Außenverteidigerin, noch bis 2027 an den Double-Sieger gebunden, ist eines der Gesichter der Münchnerinnen und entsprechend beliebt bei Fans und begehrt bei den Medien.

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Gwinn, die unlängst auch eine Biografie auf den Markt brachte, hat dabei in München eine sportliche Wandlung vollzogen. Wurde sie beim SC Freiburg hauptsächlich im rechten Mittelfeld eingesetzt, positionierte sie Ex-Coach Jens Scheuer als rechte Verteidigerin. Eine fußballerische Weiterbildung, die auch Franziska Kett jüngst genießen durfte.

Doch Gwinns Weg ging nicht nur steil nach oben. Viele schwere Verletzungen begleiten ihre Karriere. Rückschläge, die auch sportlich die Frage aufgeworfen haben, ob sie das ganz hohe Niveau, für das sie einst bestimmt war, noch erreichen kann.

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Giulia Gwinn beim FC Bayern: Defensive Wackler in der Königsklasse

Beim FC Bayern passt sie mit ihrer Schnelligkeit gut ins System. Sie und Kett können für offensive Akzente sorgen. Der dominante Spielstil von Ex-Trainer Alexander Straus und seinem Nachfolger José Barcala mit vielen Ballzirkulationen und Positionswechseln tut sein Übriges dafür, dass das Spiel für die Gegnerinnen immer schwieriger auszurechnen ist.

Doch bei all dem Lob, bei all den Titeln, die Gwinn und der FC Bayern zuletzt eingefahren haben, gibt es dennoch Verbesserungspotenzial im Spiel des Deutschen Meisters. Ein Fakt, den auch Barcala selbst herausstellt, wenn er nach dem siegreichen Duell im Pokalfinale von Dingen spricht, die die Münchnerinnen, insbesondere im Bezug auf die Königsklasse, verbessern müssen.

Dort war in dieser Saison im Halbfinale gegen den FC Barcelona Schluss. Keine Schande, ist Barça doch das Nonplusultra im europäischen Fußball. In den direkten Duellen mit Top-Teams sind es die Kleinigkeiten, die über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Und genau hier kommt die Personalie Gwinn ins Spiel, die gegen die Spanierinnen in beiden Spielen defensiv keinen guten Tag erwischte und im Hinspiel maßgeblich am 1:0 von Barça beteiligt war, als ihr ein Stellungsfehler unterlief. Und auch beim Aus gegen Lyon (4:1) ein Jahr zuvor unterlief ihr kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit ein kapitaler Fehler, der auf diesem Niveau nicht passieren darf. Der Auftakt einer hohen Niederlage, die so nicht nötig gewesen wäre.

Fußball ist ein Fehlersport und bei Abwehrspielerinnen und Torhüterinnen bleiben solche Szenen wie jene in der Allianz Arena stärker im Gedächtnis als wenn eine Stürmerin frei vor dem Tor eine Großchance vergibt. Doch Gwinns defensive Probleme häufen sich zuletzt. Auch im Pokalfinale hatte sie Glück, dass ein uncleveres Foul von ihr im eigenen Strafraum wegen einer Abseitsposition abgepfiffen wurde.

Gwinn spielte zuletzt zwar mit einer Schulterverletzung, doch ihre Leistungen haben sich nicht wirklich verändert. Fehler wie diese sind ihr auch zuvor unterlaufen.

Bayern asymmetrisch: Giulia Gwinn wird rechts liegen gelassen

Die individuellen Leistungen von Gwinn in den letzten Monaten geben Anlass zur Sorge. Die Nummer 7 des FC Bayern, aktuell geplagt von einer Schulterverletzung, hat dabei nicht nur defensiv Probleme, sondern auch das Offensivspiel hakt etwas. In der Bundesliga kommt Gwinn laut Wyscout in 1.159 Spielminuten auf 0,09 xG pro 90 MInuten, gibt 0,62 Schüsse ab und kommt bei nur 1,48 Dribblings auf eine Erfolgsquote von 58 Prozent.

Zum Vergleich: Carolin Simon, die den FCB nach Ablauf der Saison in Richtung Leverkusen verlässt, kommt in 1.197 Spielminuten auf 0,75 Schüsse (0,04 xG) und 61 Prozent erfolgreicher Dribblings, Kett schießt gar 1,48 Mal pro Spiel auf das gegnerische Tor, hat den höchsten xG-Wert des Trios (0,12) und kann auf 72 Prozent erfolgreicher Dribblings zurückblicken (Anm. der Red.: Die Daten von Kett und Simon sind vor dem letzten Spieltag).

Der Blick auf die Zahlen bestätigt etwas, was den FC Bayern Fans schon länger auffällt: Gwinn wirkt im Offensivspiel der Münchnerinnen isoliert, die rechte Seite teilweise sogar verwaist. Im Pokalfinale wich Dallmann oft sogar auf die linke Seite aus um Überzahl zu schaffen und Ballkontakte zu sammeln.

Die Verlagerung auf die rechte Seite, wo Gwinn, den ganzen Flügel bespielen konnte, blieb allerdings weitestgehend aus. Dallmann bestätigte im Gespräch mit Miasanrot, dass dies durchaus ein taktischer Kniff sei: „Es ist natürlich auch unser Ziel, das Spiel ein bisschen auf eine Seite zu verlagern. Wir wollen ein bisschen mehr in die Halbräume kommen“, erklärte die Nationalspielerin in der Mixed Zone und ergänzte, dass es Teil der Spielphilosophie sei, „nicht so sehr mit zwei Außen (zu) spielen, sondern (…) mit einem und der Rest soll sich im Halbraum bewegen.“

Klara Bühl, die mit Kett ein kongeniales Duo auf der linken Seite bildet, ergänzte: „Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass Franzi und ich einfach viele Spielerinnen auf uns ziehen, was aber gar kein Nachteil für die rechte Seite sein muss. Dadurch committen sich viele Spielerinnen auf unsere linke Seite und wir nutzen häufig den Platz über rechts. Wir haben eine gewisse Breite und einfach die Dynamik und die Flanken, die die Giuli reinbringt. Wir spielen dadurch ein bisschen asymmetrisch. Ich glaube, das hat Vor- und Nachteile.“

FC Bayern braucht mehr Variabilität im Offensivspiel

Für das Spiel der Bayern und Gwinn hat diese Taktik nicht nur Vorteile: Die Bayern schaffen auf der linken Seite zwar Überzahl, verpassen aber oft den Seitenwechsel. Oft sieht man Gwinn allein auf dem rechten Flügel – winkend, bis die Arme taub werden.

Dass die fünffache Deutsche Meisterin offensiv so wenig zum Zug kommt, liegt aber nicht nur an den Mitspielerinnen. Gwinn selbst könnte die Räume, die sie unweigerlich auf „ihrer Seite“ erhält, besser nutzen. Doch die Rechtsverteidigerin zieht selbst gerne (zu) früh ins Zentrum und nimmt sich somit wertvollen Platz. Mit etwas mehr als drei Flanken pro 90 Minuten und einer Erfolgsquote von rund 35 Prozent sind ihre Hereingaben jetzt auch kein Schlüsselelement des Bayern-Spiels.

Das bestätigen auch die „Deep Completions“ – eine Statistik, die misst, wie viele Pässe eine Spielerin erfolgreich in einen virtuellen Halbkreis mit 20-Meter-Radius zum gegnerischen Tor spielt. Also direkt in die Gefahrenzone. Gwinn kommt hier auf etwas weniger als eine pro 90 Minuten im normalen Passspiel, auf etwas mehr als eine bei Flanken. Kett (1,5 und 0,6) und auch Simon (2,1 und 1,6) sind hier jeweils vor ihr. Und das, obwohl beide nicht signifikant mehr Ballkontakte im Angriffsdrittel haben als sie.

Ein weiterer Nachteil: Durch die Konzentration auf die linke Seite wirkt das Spiel des FC Bayern, bei aller Qualität, etwas ausrechenbar. Das Offensivspiel hängt, besonders gegen starke Teams, zu sehr an Einzelleistungen von Bühl und Kett.

Barcala ist bekannt dafür, dass er gerne mit zwei klaren Außenspielerinnen agiert. So hat der Spanier in Genf spielen lassen und bei seiner Antrittspräsentation hat er, recht offensiv, den Wunsch nach einem Pendant zu Bühl geäußert. Klar ist: Es kam anders und Linda Dallmann hat ihre Aufgabe auch weitestgehend gut bis sehr gut gelöst.

Giulia Gwinn spielt auch um einen neuen Vertrag beim FC Bayern

Dallmann, die sich selbst im Zentrum und hinter der Spitze am wohlsten fühlt, ist aber keine ausgewiesene Flügelspielerin. Auch Barbara Dunst, die nach Verletzung noch etwas mit dem Münchner Spiel fremdelt, ist auf dieser Position noch kein Upgrade. Die Verantwortlichen des Double-Siegers stehen also vor schwierigen Fragen: Investiert man in eine klare Flügelspielerin für die rechte Seite, ein Pendant zu Bühl oder schafft man es Gwinn, als gelernte Offensivspielerin, stärker in das eigene Angriffsspiel zu integrieren?

Vielleicht hängen beide Fragen auch direkt miteinander zusammen. Gut möglich, dass Gwinn in einer anderen teamtaktischen Ausrichtung besser ins Spiel eingebunden wäre und ihre Fähigkeiten stärker einbringen könnte. Für den Moment aber bleiben bei ihrer Entwicklung in den letzten Monaten große Fragezeichen. Noch nicht groß genug, um bereits jetzt einen klaren Handlungsbedarf zu definieren. Aber doch groß genug, um zumindest mal in die etwas weiter entfernte Zukunft zu schauen.

In München gab es in der Vergangenheit mit Lina Magull, Lea Schüller und weiteren Spielerinnen einige Beispiele dafür, dass man weniger zögerlich geworden ist, Fanlieblinge abzugeben, wenn sie den Schritt auf das höchste Niveau nicht ganz schaffen. Bianca Rech und Co. haben einige härtere Entscheidungen getroffen, die sich am Ende meist als richtig herausstellten.

Gwinn wird in der kommenden Saison einen weiteren Schritt nach vorn machen müssen, so viel steht fest. Die Kapitänin der Nationalmannschaft muss beweisen, dass sie die Balance zwischen Defensive und Offensive auf Champions-League-Halbfinal-Niveau hinbekommt. Zuzutrauen ist es ihr, wenn vollends fit, durchaus. Und ein bisschen Handlungsbedarf ist dann vielleicht doch da.

Ihr im Sommer 2027 auslaufender Vertrag wird in den kommenden Wochen und Monaten gewiss eine Rolle spielen. Will sie ihren Stellenwert im Team behalten und finanziell vielleicht nochmal aufschließen zu den Spielerinnen, die zuletzt ein neues Arbeitspapier unterschrieben haben, ist ihr Auftrag klar: Einen solchen Vertrag muss sie sich sportlich erstmal verdienen.

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