Glaube an Union wiederhergestellt | OneFootball

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Textilvergehen

·29. August 2026

Glaube an Union wiederhergestellt

Artikelbild:Glaube an Union wiederhergestellt

Ihr kennt diese Momente, in denen wir das Stadion einfach nicht verlassen wollen. Weil wir alles festhalten wollen, was wir gerade erlebt haben. Weil wir uns das alles noch einmal erzählen müssen, obwohl wir es doch eben noch mit den eigenen Augen gesehen haben. Obwohl unsere Haare noch nass sind vom teuersten Bier der Männer-Bundesliga.

Nach dem 3:3 gegen Eintracht Frankfurt gab es aber vielleicht noch einen Grund, warum wir einfach am Stadion bleiben mussten: Wir haben den Glauben wiedergefunden. Den Glauben daran, dass alle Veränderungen nach der abgelaufenen Saison Sinn ergeben, und wir das schaffen können: den Klassenerhalt in der Männer-Bundesliga. Die Sache mit dem Glauben ist etwas Besonderes. Wir können uns gegenseitig im Glauben bestärken. Unsere Gemeinschaft und der Austausch von Erfahrungen gibt uns Halt und Zuversicht.


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Tim Skarke jubelt nach seinem Tor zum 3:3, Foto: Matthias Koch

Die Handgeste zu „Ohhhh, FC Union“ zum Ende des Spiels wirkte so, als würden wir all die bösen Geister des Zweifels wegschieben wollen. Diese Geister, die uns immer zugeraunt haben, dass Unions Männer in der Bundesliga nicht mehr konkurrenzfähig seien. Und seien wir ehrlich, diese Geister hatten uns im Spiel ganz schön im Griff. Eine eigentlich verunsicherte Frankfurter Mannschaft war ganz verwirrt ob des vielen Platzes, den Mauro Lustrinellis Team angeboten hatte. Flippertore und Aussetzer haben wir bei den Gegentoren gesehen.

Doch sich damit herauszureden, würde bedeuten, dass wir uns anlügen. Dass wir beschönigen. Ein schneller Flankenwechsel oder Diagonalball reichte, um Unions Ordnung komplett aufzureißen. Kompaktheit? Ein Begriff aus lange vergessenen Zeiten, der vielleicht bald im Intro zur Hymne Erwähnung finden würde. So machte es in der ersten Hälfte lange den Anschein. Tom Rothe sah sich auf seiner linken Seite öfter gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Dazu ein Frankfurter Pressing, das Unions Aufbau so konsequent kaputt machte, dass wir nach 30 Minuten festhalten mussten: Defensiv ist Union enorm wackelig und offensiv sehen wir dasselbe wie in der vergangenen Saison – unpräzise lange Bälle und ab und zu mal Standards.

Die Geisterstimmen schienen sich auch auf die Spieler zu legen. Leo Querfelds versprungener Ball als direkte Folge des Anstoßes nach dem 1:1. Ob ihm so etwas Absurdes schon einmal passiert ist? Und schon führte Frankfurt mit 1:2. Livan Burcus Klärungsaktion im eigenen Strafraum, als er erst keinen Stand zum Ball bekommt und ihn anschließend direkt in Frankfurter Beine klärt, statt ihn zur Seite rauszuschlagen. Da stand es dann 1:3. Das waren Aktionen, die uns in unserem Glauben erschüttern sollten. Und ich lüge nicht: Sie haben ihre Wirkung nicht verfehlt.

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Ernüchterung nach dem 1:3: Rani Khedira beschwert sich bei Schiedsrichter Bastian Dankert, Foto: Matthias Koch

Mit Joschi zwischen den beiden Innenverteidigern sah es so aus, als würde Union wieder Dreierkette spielen. Das Problem war aber dann dort, wo Joschi nicht war. Es tat sich ein großes Loch im Zentrum auf. Während wir in der 27. Minute dachten, es würde eine Trinkpause geben, weil Gianni Infantino nun auch Werbung in der Bundesliga verkaufen will. Während wir ihm und seinen Kommerzteufeln also zuriefen, sie würden unseren Sport kaputt machen. Während wir verzweifelt riefen „Fußball! Fußball! Fußball!“ (vielleicht auch ein bisschen in Richtung unseres Teams), haben wir das Zeichen nicht gesehen. Weil wir zweifelten und nicht glaubten.

Es war nicht der furchtbare Kommerz, der im Köpenicker Spätsommer drei Werbespots verkaufen wollte. Es war eine Intervention. Vielleicht von oben? Der Schiedsrichter-Assistent wurde von seinen Muskeln im Stich gelassen und Union konnte die minutenlange Unterbrechung für eine Besprechung nutzen, für eine Anpassung. Ein Hauch mehr Kompaktheit im Zentrum. Und das Beste an der ersten Halbzeit: es stand nur 1:2.

Wie schon in Braunschweig sollten wir den Glauben nicht verlieren in die Ecken von Union. Ein Konter am Anfang des Spiels, aus dem Marin Ljubicic aufgrund zu vieler Gegenspieler noch eine Ecke herausholte. Eine Ecke auf den Kopf von Emmanuel Latte-Lath. Das war das 1:0 für Union nach 3 Minuten. Oben auf seiner Wolke singt Rio: „Halt dich fest, halt dich an deinen Ecken fest.“

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Unerwartet: Union geht früh in Führung. Erwartet: das Tor von Emmanuel Latte Lath fällt nach einer Ecke, Foto: Matthias Koch

Als aber alles dahinzugehen schien in der zweiten Halbzeit mit dem 1:3 von Frankfurt, da kam etwas in Fahrt. Livan Burcu und Jeong Woo-yeong, beide zuvor ins Spiel gekommen, sammelten Bälle ein und dribbelten. Burcu im Doppel mit Rothe und Woo-yeong häufig mit Juranovic. Beide zeigten, was Unions Spiel zuvor gefehlt hatte. Das Zocken und der Weg zum Tor.

„Jetzt, wo das Spiel vorbei ist, spielen sie plötzlich“, flüsterte mir der Zweifel ins Ohr. „Sieht ja ganz gefällig aus, aber Atubolu hält alles“, sagte er etwas lauter. Denn aufgrund der Eisern-Union-Wechselgesänge hatte der Zweifel Schwierigkeiten, sich Gehör zu verschaffen. Josip Juranovic legt sich direkt vor mir an der Alten Anzeigetafel den Ball zurecht. Leo Querfeld läuft ein. „Halt dich fest, halt dich an deinen Ecken fest.“ 2:3.

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Noah Atubolu hielt viel und sehr gut, aber nicht alles Foto: Matthias Koch

„Wir schreien jetzt den Ball ins Tor!“, rief Ali. Er hätte auch sagen können: „Wir schreien jetzt die Zweifel endgültig weg!“ So wie wir in der Relegation gegen die Angst angesungen haben, es im letzten Moment, doch nicht in die Bundesliga zu schaffen. Wir gehören dorthin. Union gehört in die Bundesliga. „Wir sind im achten Jahr in der Bundesliga!“, rief Christian Arbeit vor dem Spiel ins Mikrofon. Das war kein nüchternes Aufzählen eines Faktes. Das war eine Selbstvergewisserung, dass wir uns als 1. FC Union Berlin das verdient haben.

Die Zweifel? Sie waren weg! Auf dem Weg in den Gästeblock. Der Glaube? Der war da. Bei uns auf den Rängen. Bei der Mannschaft auf dem Platz. Bei Livan Burcu. Bei Tom Rothe. Bei Zeno van den Bosch. Bei Leo Querfeld. Und am Ende bei Tim Skarke. Ja, bei diesem Tim Skarke, der zuvor in 58 Partien für Union 1 Treffer erzielt hat als Angreifer. Dieser Tim Skarke kickt den Ball in der Nachspielzeit mit der Hacke ins Tor. Und danach rennen alle. Die Spieler auf dem Rasen rennen Richtung Eckfahne vor Jubel. Die Spieler von der Bank rennen auch dorthin. Und wenn wir auf den Stehplätzen Platz gehabt hätten, wären wir auch gerannt. So musste erst alles nach oben fliegn, um danach auf uns herabzuregnen.

Genau deswegen konnten wir nach Abpfiff nicht einfach nach Hause gehen. Wir glauben wieder.

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