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·8. Februar 2026
Heilsbringer oder Sprücheklopfer - Riera-Ansagen in Frankfurt nur heiße Luft?

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·8. Februar 2026

Die erste Woche als Trainer von Eintracht Frankfurt ist geschafft und Albert Riera kann auf seinen ersten Punkt als neuer Cheftrainer der SGE zurückblicken. Für viele ist das 1:1-Unentschieden bei Union Berlin vom vergangenen Freitagabend allerdings nicht etwa als Punktgewinn, sondern als zweifacher Punktverlust zu werten. Kritiker führen als Grund für diese Sichtweise die großen Töne an, die der Spanier noch vor seinem mit Spannung erwarteten Debüt in der Bundesliga spuckte, wodurch er die Messlatte für dieses Spiel eigenhändig höher als vielleicht nötig gelegt hatte. Nun erntet Riera deshalb bereits ersten Gegenwind und so mancher pingeliger Kritiker bastelt offenbar bereits daran, dem 43-Jährigen als Heilsbringer der Adler schon wieder den Stecker zu ziehen. Zurecht?
Nach seiner Ankunft in Frankfurt hatte Albert Riera durchaus großspurig angekündigt, dass man von nun an eine komplett neue Frankfurter Mannschaft bewundern könne und die neue von Überzeugung geprägte Marschroute der SGE selbst bei kleinsten Details wie einem Einwurf deutlich werden würde.Von dieser Ansage blieben gegen Union am Ende zwar starke 70 Prozent Ballbesitz stehen, doch hinterließen magere vier Torschüsse und eben lediglich ein Unentschieden gegen die Eisernen einen eher unerfüllten Erwartungsrahmen und etwas Enttäuschung.

Albert Riera beim Spiel gegen Union Berlin / picture alliance/GettyImages
Prompt erhielten Rieras Ansagen der Tage zuvor einen komischen Beigeschmack, der so manchen Kritiker aus den Löchern kommen ließ. Die mutigen Worte des Spaniers waren im Nachgang gewissermaßen wie Blutstropfen im Meer auf den die lauernden Haie der Fußballbranche umgehend und ohne zu zögern ansprangen. Doch hat sich der Trainer-Neuzugang tatsächlich übernommen und sich mit seinen mutigen Worten nach Ankunft selbst in die Schusslinie gebracht? Sind die gewagten Aussagen am Ende nur heiße Luft eines Sprücheklopfers?
Es wirkt wie ein in vielen Teilen Deutschlands zu beobachtendes Phänomen einer vermeintlichen Draufhauegesellschaft, die nur darauf zu warten scheint, dass jemand stolpert oder scheitert. Die Wahrheit liegt jedoch vermutlich woanders.
Die ersten Erkenntnisse, die man in Deutschland über Albert Riera gewinnen konnte, zeigen deutlich, dass der spanische Ex-Profi von sich und seiner Spielidee überzeugt ist. Er kommt mit klaren Ansagen, Strukturen und Ideen nach Frankfurt und ist bereit, diese nicht nur großspurig anzukündigen sondern auch umzusetzen. Klarheit und Mut, die das Eintracht-Team dringend gebrauchen kann und eine Linie, an der sich jeder Spieler hochziehen kann.Mal ehrlich: Wie hätte sich der neue Eintracht-Coach auch anders vorstellen sollen, als den Hype um seine Person zu nutzen und dafür zu sorgen, dass der Fokus der deutschen Medienlandschaft auf ihm bleibt? Die mutigen Ankündigungen zu Beginn seiner Amtszeit belegen vermutlich zwei wichtige Aspekte rund um ihn und seinen neuen Verein.
Zum einen sollte man nicht bereits nach dem ersten Spiel den überzogenen Ansatz verfolgen, dass Albert Riera mit seinen Ansagen nur heiße Luft versprüht. Der spanische Coach hat damit aber gleich von Anfang an klargemacht, welcher Wind unter seiner Leitung bei der SGE wehen wird und wie er fußballerische Begeisterung erzeugen will. Ein Blick ins Internet zeigt, dass seine Mannschaft bei NK Celje durchaus angetan von ihm war und Riera das Zeug hat, so manches Fußballerherz zu erobern und von seinem Weg zu begeistern. Eine Einheit zu formen, die für den Trainer durchs Feuer geht. Das geht jedoch nicht von heute auf morgen. Einen Kaltstart bei einem der größten Traditionsklubs der Bundesliga mitten in der Saison hinzulegen, gelingt nicht einfach so. Dennoch wird sich der Frankfurter Spielstil in den kommenden Wochen sicherlich den flotten Sprüchen des Trainers anpassen.
Die ersten Geschichten rund um Riera waren von Authentizität und Überzeugtheit geprägt und werden mit der Zeit auch Früchte tragen. Dass sich das Team aber zunächst noch auf den neuen Kurs einstellen muss, war absehbar und zu erwarten. Jeder Landwirt wird bestätigen: Der Tag, an dem du den Samen säst, ist nicht der Tag, an dem du erntest. Das gilt auch in Frankfurt.
Man kauft dem Spanier aber ab, wofür er und seine Mannschaft stehen sollen. Sich bei der Ankunft kleinlaut zu präsentieren und kleine Brötchen zu backen, wäre nicht seiner Art und seinem einnehmenden Wesen gerecht geworden, weshalb sein Vorgehen samt aller großen Töne keinesfalls verwerflich oder überheblich ist. Vermutlich wird man ihn in Frankfurt dafür noch lieben lernen. Doch die Ansagen scheinen womöglich weit mehr als nur ein aufgeblasener Vorstoß eines Mannes zu sein, der zutiefst überzeugt von sich und seinem Fußball zu sein scheint.
Betrachtet man die ersten Tage Rieras in Frankfurt und die Auswirkungen seiner großspurigen Ankündigungen, so lässt sich nämlich auch erkennen, dass der neue Mann an der Seitenlinie der SGE dafür gesorgt hat, dass sich die Bundesliga-Welt mit Bezug auf die Adler gefühlt einzig um ihn alleine zu drehen scheint und die Ergebnisse der SGE eher am Rand der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen. Mit diesem Schritt hat Riera eine ohnehin schon verunsicherte Mannschaft natürlich auch etwas unter Leistungsdruck und Zugzwang gesetzt, aber gleichzeitig eben auch den Fokus der Kritik von ihr auf sich selbst gelenkt. Geht etwas schief, wird der Trainer verantwortlich gemacht, statt die Spieler ins Visier zu nehmen. Sollte Gegenwind aufkommen, wird dieser sich automatisch gegen Riera richten und seine Spieler weitgehend außen vor lassen. Das ist nach dem Unentschieden gegen Union bereits zu beobachten und nimmt etwas Last von den Schultern seiner Spieler. Last, die der Trainer bereit ist im Sinne des Teams zu schultern.
Es ist also gut vorstellbar, dass der gewagte Vorstoß des Spaniers gewissermaßen einkalkuliert war. Was hatte er auch zu verlieren? Hätte die Eintracht das Spiel gewonnen, hätte ihm jeder applaudiert und ihn zum neuen Messias auserkoren. Aufgrund der eh schon angespannten Lage genießt Riera mit ausbleibendem Erfolg gewissermaßen aber auch noch etwas Welpenschutz und Zeit für Entwicklung. Die muss man ihm auch noch zugestehen. Doch im Hintergrund kann die Mannschaft weiter an und mit ihm wachsen, ohne selbst im Zentrum der Kritik zu stehen. Riera stellt seine Spielidee in den Fokus und wenn etwas schiefgeht, fällt die Kritik in erster Linie auf genau diese zurück.
Von einem aufgeblähten Sprücheklopfer, der nur heiße Luft verbreitet, kann also noch keine Rede sein. Einerseits, weil dafür noch viel zu wenig Zeit ins Land gegangen ist und Riera in der Kürze seiner bisherigen Amtszeit keine Wunderdinge verrichten kann. Zum anderen setzen die großen Töne des Spaniers der letzten Tage aber auch nicht nur einen neuen Ton bei der Eintracht, sondern haben darüber hinaus wohlüberlegte, positive Nebeneffekte, für die die Spieler ihrem neuen Boss vermutlich auch dankbar sein dürften.

Albert Riera geht voran / picture alliance/GettyImages
Aus eigener Trainererfahrung weiß ich: Willst du eine Mannschaft hinter dich bringen, musst du dich zunächst vor sie stellen. Albert Riera wirkt nicht wie ein Mann, der planlos einen Weg wählt und auf gutes Glück hofft. Dementsprechend dürften auch seine Aufmerksamkeit erregenden Aussagen nicht einfach aus einer billigen Laune des Spaniers entstanden sein. Den Gegenwind hat der neue SGE-Coach sicherlich einkalkuliert. Wie heißt es doch so schön? Wo gehobelt wird, fallen Späne. Den großen Sprüchen werden noch eindrucksvolle Taten folgen - davon bin ich überzeugt.
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