Rund um den Brustring
·29. August 2026
Immer der gleiche Mist

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·29. August 2026

Klar ist: Der Maßstab für den VfB können nicht die Bayern sein. Aber das Bayern-Spiel ein Maßstab für das Auftreten gegen starke Gegner.
Was soll man zu diesem Spiel noch sagen, oder vielmehr an dieser Stelle schreiben? Wo liegt am Ende der Unterschied zwischen einem 0:3, einem 2:4 oder einem 1:5? Der erfolgreichste VfB seit langer Zeit ist und bleibt gegen den deutschen Rekordmeister aus München chancenlos. Nun könnte man hier natürlich zu einem Lamento über den Zustand des deutschen Fußballs ansetzen, denn das der Deutsche Meister den Tabellenvierten zum Saisonauftakt derart überfährt, kann eigentlich für den Rest der Liga auch nicht viel Erfreulicheres verheißen. Und auch wenn das natürlich grundsätzlich ein Problem ist, ist mir der Zustand des deutschen Fußballs erstmal egal, da ist mir der VfB einfach näher.
Und der spielt einfach bei jedem Auftritt in — oder gegen — München das gleiche Lied nochmal: Couragiertes Anlaufen, aggressiv gegen den Ball, aber vor dem Tor wirkungslos, dann irgendwann platt oder leichtsinnig und am Ende wehrlos. So auch zum Auftakt in diese Bundesliga-Saison: Die weiß-roten oder vielmehr gold-schwarzen jagten Ball und Gegner über den Platz vergaben eine einzige hochkarätige Chance in der ersten Halbzeit und ließen sich dann bei einem Eckball düpieren. Sicherlich sind die Bayern auch in Sachen Standards das Nonplusultra der Liga und Dayot Upamecano nicht ungefährlich, die richtige Zuordnung hätte aber auch bei diesem Gegentreffer nicht geschadet. Sei es drum, der VfB hielt das Spiel zumindest gefühlt lange offen, vor allem war es Fabian Bredlow, der seine Nominierung als Seimen-Vertreter mehr als und endgültig rechtfertigte, der uns im Spiel hielt und überhaupt dafür sorgte, dass Josha Vagnoman nach der Pause den Ball in die Maschen schieben konnte.
So weit, so erfreulich. Gegen die Bayern ein wenig Glück zu haben und trotzdem zu treffen, ist völlig legitim — irgendwie müssen ja auch die insgesamt drei (!) Niederlagen des FCB in den letzten beiden Spielzeiten (!!) zustande gekommen sein. Und so souverän sich der VfB gegen viele andere Ligakonkurrenten zeigt, so sehr spielt er den Bayern jedes Mal durch einen kompletten Spannungsabfall in die Karten. Stiller, der den Ball von der Grundlinie blind nach vorne drosch, Pejcinovic, der nicht hinter Kimmich her kam, Tomás, der Olisé laufen ließ, die Innenverteidigung, die zu zweit auf Kimmich draufging: Die Fehlerkette war lang und eklatant. Die Bayern mussten den VfB noch nicht einmal besonders stark unter Druck setzen, die Fehler passierten von ganz alleine. Und sie setzten sich fort: Egal ob Jeltsch und Hendriks, die Saibari nach einem Abschlag von Neuer zu zweit an der Außenlinie stellen wollten und Pavlovic in ihrem Rücken vergaßen oder El Khannouss, der in der Nachspielzeit einen lässigen Fehlpass in den Mittelkreis spielte. Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass die Bayern so gnadenlos wie langatmig sind — aber halt auch vor allem, wenn man sie lässt.
Nach der siebten Pflichtspiel-Pleite in Serie im Südgipfel (darf man das immer noch sagen) unter Sebastian Hoeneß wird erneut dessen taktische Herangehensweise an dieses Duell unter die Lupe genommen. Auf der Außenbahn hatte er natürlich mit Torschütze und Pechvogel Vagnoman wenig Alternativen, ansonsten dürfte das der stärkste Kader sein, den Hoeneß in seiner Amtszeit zur Verfügung hatte — und trotzdem passiert genau das Gleiche wie in den letzten Jahren. Bringt es also mehr, den Bus am eigenen Strafraum zu parken und zu versuchen, die Bayern auszukontern? Auch nicht so wirklich, denn je mehr Platz die Münchner zum Anlaufen haben, desto mehr schnüren sie einen hinten ein und irgendwann fällt das Tor dann ohnehin. Oder soll man sich einfach das Jagen und Manndecken über das ganze Spielfeld schenken, wie Oliver Fritsch meint, der das in der ZEIT für eine “Scheißidee” hält? Bemerkenswert war schon, wie müde der VfB am ersten Spieltag gegen Ende des Spiels wirkte, was vielleicht auch die mangelnde Gegenwehr bei den Gegentreffern vier und fünf erklärte.
Ob man den Bayern jetzt mit Raumdeckung Herr geworden wäre, lasse ich mal dahingestellt. Viel wichtiger scheint mir ohnehin etwas, was Sebastian Hoeneß neulich im Interview als game management bezeichnete:
Worüber wir sprechen, sind Lerneffekte nach zwei Jahren auf internationaler Bühne. Zwei Beispiele dazu: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Spiele in den Strafräumen entschieden werden. Wir hatten zwar oft viele Chancen, doch es hat an der Effektivität gemangelt. Nun versuchen wir das Bewusstsein dafür zu schärfen, konsequenter und entschlossener im Abschluss zu sein. Der zweite Punkt ist das Game-Managing. Wann ist es wichtig, auch mal auf Zeit zu spielen, wann sollten wir uns zurückzuziehen, wann muss man eine Schippe drauflegen? Solche Dinge müssen auch aus der Mannschaft herauskommen und diesbezüglich wollen wir den nächsten Schritt machen.
Natürlich ging es hier um die Spiele in der Champions League und natürlich sind die Bayern auch stärker als viele Gegner dort und der VfB kam auch — außer gegen Paris — international nie so unter die Räder wie am Freitagabend. Bezeichnend ist aber schon, wie schnell man in diesem Spiel nach dem ja eigentlich erfreulichen Ausgleich aus der Bahn flog und die restliche Spielzeit mit Schleudertrauma übers Feld stolperte. Auch wenn uns Inter und Atletico nicht so überfahren werden: Auch gegen diese Mannschaften kann man, wenn man ohne Bremse immer weiter überdreht, die Kontrolle verlieren und das Spiel auch — wenn auch etwas knapper.
Ich las auf der Plattform, die früher Twitter hieß, folgenden Halbsatz: “Und das Verrückte ist, dass das gar nichts für die restliche Saison aussagt.” Und so ist es eben auch. Am kommenden Freitag kommt der 1. FC Köln nach Stuttgart, der zwar auch etwas überraschend den Europapokalteilnehmer von der A6 schlug, aber mit dem Ansatz des VfB aus den letzten beiden Spielen trotzdem Probleme bekommen dürfte. Für die Mannschaft ist es jetzt wichtig, das Ergebnis vom Freitag erstmal aus den Köpfen zu kriegen ohne die Lehren aus dieser Partie zu vergessen.
Zum Weiterlesen: Der Vertikalpass stellt fest: “Der VfB tat dem FCB nicht weh. Er ist brav und fordert Bayern zwar heraus, aber die Spielweise führt quasi automatisch dazu, dass sich die bayerische Überlegenheit im Verlauf des Spiels durchsetzt. ”
Titelbild: © Alex Grimm/Getty Images
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