Fussballnationalmannschaft.net
·3. Oktober 2026
Irland-PK abgebrochen: Eklat vor gegen Israel-Spiel in der Nations League

In partnership with
Yahoo sportsFussballnationalmannschaft.net
·3. Oktober 2026

Die Pressekonferenz der irischen Fußball-Nationalmannschaft vor dem Nations-League-Rückspiel gegen Israel ist am Samstag in Bačka Topola nach einem Eklat mit israelischen Journalisten vorzeitig abgebrochen worden. Der irische Kommunikationschef Kieran Crowley beendete die offizielle Medienrunde abrupt, nachdem zwei Reporter politische Vorwürfe erhoben und eine Rassismus-Anklage gegen irische Spieler in den Raum gestellt hatten.

DUBLIN, IRLAND – 28. Mai 2026: Heimir Hallgrimsson, Nationaltrainer der Republik Irland, hilft dabei, Tennisbälle vom Spielfeld zu entfernen, die aus Protest gegen ein bevorstehendes Spiel zwischen der Republik Irland und Israel auf den Rasen geworfen wurden, während des Länderspiels zwischen der Republik Irland und Katar im Aviva Stadium. (Foto: Charles McQuillan/Getty Images)
Auslöser war zunächst eine Frage einer israelischen Journalistin an Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson. Sie konfrontierte den Isländer mit dem mutmaßlichen Anschlag auf einen Flydubai-Flug von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Israel am Mittwoch, bei dem 174 Passagiere an Bord waren. „Was sagen Sie zu den Menschen, die Sie unterstützen? Ihre Ideologie basiert auf Mord“, zitiert der „Guardian“ die Journalistin. „Allein diese Woche hat einer von ihnen versucht, 170 israelische Passagiere zu töten, darunter 27 unschuldige Kinder und Tausende weitere.“
Crowley griff ein: „Wir beantworten heute keine Fragen dieser Art. Wir beantworten Fußballfragen.“
Kurz darauf meldete sich ein weiterer israelischer Reporter zu Wort und warf den irischen Spielern vor, israelische Nationalspieler während des Hinspiels als „Affen“ bezeichnet zu haben. Crowley wies die Behauptung sofort zurück: „Das ist völlig unwahr.“ Währenddessen wurde dem Journalisten das Mikrofon entzogen. „Fassen Sie mich nicht an, fassen Sie mich nicht an“, rief dieser. Daraufhin brach die irische Delegation die Pressekonferenz ab.
Hallgrimsson hatte zuvor betont, wie sehr die politisch aufgeheizte Atmosphäre die Mannschaft belaste. „Das zu überstehen, als Gruppe zusammenzuhalten, wäre ein riesiger Sieg für mich“, sagte der Trainer. „All die Herausforderungen, die dieses Team durchgemacht hat, all die Kritik. Nur als Gruppe nach diesem Spiel zusammenzubleiben, wäre ein großer Sieg für mich, für diese Gruppe, für den Verband.“
Um die Spieler vor dem Anpfiff zu beruhigen, habe das Team ein neues Ritual eingeführt: ein gemeinsames Gebet und ein Huddle mit Spielern und Staff. „Conor Coventry hat diesen Part übernommen, er heißt im Kader jetzt ‚Bruder Coventry‘. Aber es ist wirklich gut, vor einem so intensiven, druckvollen Spiel mit kühlen Köpfen zu starten.“
Die Spannungen ziehen sich seit der Auslosung der Nations-League-Gruppe. Irland hatte das Heimrecht für beide Partien an den Verband abgetreten, nachdem der irische Verband (FAI) aus Sicherheitsgründen auf eine Austragung in Dublin verzichtet hatte. Das Hinspiel fand daher in Debrecen (Ungarn) statt, das Rückspiel am Sonntag (20.45 Uhr) wird in Serbien ausgetragen.
Beim 3:0-Sieg der Iren im ersten Duell verzichteten beide Teams auf die üblichen Fairness-Gesten. Die irischen Spieler liefen mit schwarzen Armbinden auf – „um all derer zu gedenken, die in diesem Konflikt ihr Leben verloren haben“ –, senkten während der israelischen Hymne die Köpfe und verweigerten den Handschlag mit den gegnerischen Kapitänen. Ersatztorwart Gavin Bazunu boykottierte die Partie und steht auch für das Rückspiel nicht zur Verfügung.
Hallgrimsson hatte vor dem Hinspiel erklärt: „Wir spielen nicht mit Völkermord, wir spielen gegen Völkermord. Wir spielen gegen Israel, wir spielen nicht mit Israel.“ Israels Außenminister Gideon Saar warf Dublin vor, auf „der falschen Seite der Geschichte“ zu stehen. Der israelische Fußballverband attackierte Hallgrimsson mit den Worten „Dummheit, Ignoranz und Scheinheiligkeit“. Irlands Premierminister Micheál Martin stellte sich hingegen hinter den Trainer: „Israel kann nicht einfach weiter leugnen, was der Rest der Welt sieht.“
Nach dem Abbruch der offiziellen Pressekonferenz wurde ein separates Briefing ausschließlich für irische Medien angesetzt. Laut irischen Medienberichten wurde auch diese Veranstaltung in einen anderen Bereich des Stadions verlegt, als ein Vertreter des israelischen Rundfunks daran teilnehmen wollte.
Hallgrimsson wollte sich am Samstag nicht weiter zu den Vorgängen äußern: „Ich werde nicht im Detail darauf eingehen, was gesagt wurde.“ Die Ereignisse würden zunächst innerhalb der zuständigen Abteilungen und anschließend von der UEFA geprüft. Nach Angaben des Trainers hätten beide Teams Meldungen über Vorfälle eingereicht.
Die politische Brisanz resultiert aus dem Gaza-Krieg. Seit dem Überfall der Hamas und anderer extremistischer Organisationen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln nach Gaza verschleppt wurden, führt Israel eine Militäroffensive im Gazastreifen. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seitdem mehr als 74.000 Palästinenser getötet. Seit Oktober 2025 gilt offiziell eine Waffenruhe, es kommt jedoch immer wieder zu tödlichen Angriffen.
Die Republik Irland gehört zu den europäischen Ländern, die sich seit Beginn der Offensive besonders deutlich solidarisierten mit den Palästinensern. Irland betont zwar Israels Existenzrecht, erkannte 2024 aber offiziell den Staat Palästina an.







































