DFB-Frauen
·24. Juli 2026
Jena-Trainer Florian Kästner: "Unsere Entwicklung wird gesehen"

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Als Cheftrainer der Frauen beim FC Carl Zeiss Jena startet Florian Kästner (27) bereits in seine vierte Saison. Nach dem Abstieg aus der Google Pixel Frauen-Bundesliga streben die Thüringerinnen in der bevorstehenden Saison 2026/2027 einen Platz in der Spitzengruppe der 2. Frauen-Bundesliga an. Im DFB.de-Interview spricht Kästner mit Mitarbeiter Ralf Debat über den Neuanfang beim Traditionsklub.
DFB.de: Bei Ihrem Amtsantritt vor drei Jahren starteten Sie mit dem FC Carl Zeiss Jena ebenfalls in eine Zweitligasaison, schafften den Aufstieg in die Google Pixel Frauen-Bundesliga. Sind die beiden Ausgangssituationen miteinander vergleichbar, Herr Kästner?
Florian Kästner: Es gibt einige Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Unterschiede. Ähnlich ist, dass wir wieder einen Neustart hinlegen müssen. Damals kam ich als neuer Trainer zu einem Team, das im Kern schon einige Jahre zusammenspielte und nur gezielt verstärkt wurde. Nun ist es umgekehrt. Diesmal ist der Kader bis auf sechs Spielerinnen komplett neu zusammengestellt. Dabei konnte ich meine Vorstellungen noch besser einbringen, da ich sehr viele Gespräche selbst geführt habe.
DFB.de: Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass der Trainer nach einem Abstieg im Amt bleibt. War es für Sie klar, dass Sie den Weg in die 2. Frauen-Bundesliga mitgehen?
Kästner: Ich hatte noch ein Jahr Vertrag. Dennoch habe ich mich bewusst entschieden, den Weg mit Jena weiterzugehen, obwohl mir auch einige andere Angebote vorlagen. Zum einen liegt mir viel an unserem Projekt, das mit dem Aufstieg, dem Klassenverbleib in der ersten Saison und dem Erreichen des Halbfinales im DFB-Pokal insgesamt sehr erfolgreich war. Zum anderen wollte ich mich auch nicht mit einem Abstieg verabschieden.
DFB.de: Sie haben es angesprochen: Mit insgesamt 15 Zu- und 20 Abgängen gab es einen sehr großen Umbruch im Kader. Wie bewerten Sie das neue Aufgebot?
Kästner: Vor sechs Wochen hatten wir erst eine Spielerin fest unter Vertrag. Von daher können wir mit dem aktuellen Stand sehr zufrieden sein. Es hat sich schon gezeigt, dass wir gute Charaktere im Team haben und dass auch das Teamgefüge vielversprechend ist.
DFB.de: Mit 22 Spielerinnen ist der Kader recht klein. Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?
Kästner: Wir wollen noch zwei weitere Zugänge für die Defensive verpflichten. Dazu werden wir drei oder vier Spielerinnen aus unserem Nachwuchs hochziehen und die Gelegenheit geben, sich zu empfehlen. Dann sehe ich uns gut aufgestellt.
DFB.de: Mit welcher Zielsetzung werden Sie in die neue Spielzeit starten?
Kästner: Auch wenn die bisherigen Eindrücke sehr positiv sind, muss sich die neuformierte Mannschaft erst finden. Deshalb würde ich lieber noch einige Wochen abwarten, ehe ich mich konkret dazu äußere. Klar ist aber, dass ich als junger und ambitionierter Trainer mit dem Team das Bestmögliche herausholen will. Es muss schon unser Anspruch sein, mit diesem Kader eine gute Rolle in der Liga zu spielen.
DFB.de: Wie hat sich das sportliche Niveau in der 2. Frauen-Bundesliga in den zurückliegenden Jahren entwickelt?
Kästner: Auch während unserer beiden Bundesligajahre habe ich Liga intensiv verfolgt. Schließlich haben wir dort zahlreiche Spielerinnen gescoutet. Auch die 2. Frauen-Bundesliga ist ein Beleg dafür, dass der Frauenfußball in der Breite immer besser wird. Dazu kommt, dass sich bei den Rahmenbedingungen und bei der Infrastruktur ebenfalls sehr viel tut. Das ist mit der Qualität von vor drei Jahren gar nicht mehr vergleichbar.
DFB.de: Wie sehr wird es eine Umstellung im Vergleich zur Bundesliga?
Kästner: Es wird kaum mehr Spiele geben, in die wir als Underdog starten. Wir sind deshalb darauf eingestellt, deutlich mehr Ballbesitz zu haben und höher zu pressen. Entsprechend verändern sich unsere Trainingsinhalte, die sich jetzt mehr auf die Offensive fokussieren als zuvor. Gleichzeitig wollen wir mit derselben Physis und Intensität auf den Platz gehen wie auch in der Bundesliga. Das wird die Basis für eine erfolgreiche Saison sein.
DFB.de: Welche Teams werden aus Ihrer Sicht um den Aufstieg mitspielen?
Kästner: Unser Mitabsteiger SGS Essen startet sicherlich ambitioniert, der FC Viktoria Berlin hat das Ziel Aufstieg mit seinen Investitionen untermauert. Gespannt bin ich auf den VfL Bochum, der unter anderem auch drei unserer Spielerinnen verpflichtet hat. Dem SC Sand und dem SV Meppen ist ebenfalls zuzutrauen, erneut im oberen Tabellendrittel zu landen. Vielleicht kommt auch noch ein Überraschungsteam hinzu. Irgendwo in diesem Kreis wollen auch wir uns einordnen.
DFB.de: Schon am 2. August beginnt die neue Saison. Wie zufrieden sind Sie mit dem Stand der Vorbereitung?
Kästner: Ich kann nicht klagen. In den Testspielen haben wir gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Einziger Nachteil ist, dass wir aufgrund von Abstellungen noch nicht mit dem kompletten Kader trainieren konnten. Aber das gilt für andere Teams auch.
DFB.de: Worauf legen Sie als Trainer aktuell besonderen Wert?
Kästner: Bei so vielen neuen Spielerinnen liegt das Hauptaugenmerk darauf, eine Einheit zu formen. Deshalb haben wir schon einige Teamevents organisiert, da solche Erlebnisse zusammenschweißen. Um sportlich erfolgreich zu sein, muss es im Laufe einer langen Saison auch menschlich passen.
DFB.de: Wie schätzen Sie den Auftaktgegner Borussia Mönchengladbach ein?
Kästner: Um ehrlich zu sein, habe ich mich inhaltlich noch nicht allzu sehr mit unseren Gegnern beschäftigt. Der Fokus liegt ganz klar auf unserem Team. Wir wollen das Spiel aktiv gestalten und unsere Qualitäten auf den Platz bringen. Wenn uns das gelingt, dann stehen die Chancen gut, erfolgreich in die Saison zu starten.
DFB.de: Gleich in den ersten beiden Heimspielen geht es gegen die weiteren früheren Bundesligisten SGS Essen und 1. FFC Turbine Potsdam. Kommt Ihnen das entgegen?
Kästner: Das ist schwierig zu beantworten. Grundsätzlich haben wir keinen Einfluss auf den Spielplan und nehmen es, wie es kommt. Auf jeden Fall werden wir hochmotiviert sein, denn gerade mit Essen haben wir wegen unserer bitteren 3:4-Niederlage im Saisonendspurt an der Hafenstraße noch eine Rechnung offen.
DFB.de: Die FCC-Frauen tragen ihre Heimspiele weiterhin im großen Ernst-Abbe-Sportfeld aus. Ist das auch ein Zeichen für den Stellenwert des Frauenfußballs im Verein?
Kästner: Auf jeden Fall. Wir spüren die Unterstützung des gesamten Klubs. Die Atmosphäre und das Ambiente im Stadion kann für uns in der 2. Bundesliga ein großer Vorteil sein.
DFB.de: Wie bewerten Sie die mittel- und langfristigen Perspektiven?
Kästner: Das Wachstum im Frauenfußball ist extrem. Da immer mehr Männerlizenzvereine mit wesentlich besseren finanziellen Möglichkeiten einsteigen, wird es für uns als Team eines Viertligisten nicht einfacher. Auf der einen Seite freut es mich für die Spielerinnen, dass immer mehr die Möglichkeit bekommen, als Vollprofis zu spielen. Auf der anderen Seite merke ich aber auch, dass unser Engagement und unsere Entwicklung durchaus gesehen wird. Wir haben gezeigt, dass sich junge Spielerinnen bei uns entwickeln, dass sie sich in der Bundesliga durchsetzen und es in Juniorinnen-Nationalteams schaffen können. Das wiederum hilft uns, neue Talente von unserem Weg zu überzeugen.
DFB.de: Sehen Sie Ihre persönliche Zukunft dauerhaft im Frauenfußball?
Kästner: Es bereitet mit sehr viel Freude, mit den Spielerinnen zu arbeiten und ich weiß, was ich hier habe. Mit 27 Jahren stehe ich aber hoffentlich nach wie vor am Anfang meiner Trainerkarriere und bin für alles offen. Ich bin selbst gespannt, was die Zukunft bringt.







































