Miasanrot
·24. Juli 2026
Jung, talentiert und unberechenbar: Die FC Bayern Amateure vor dem Saisonstart

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·24. Juli 2026

Am Freitagabend starten die FC Bayern Amateure in die neue Regionalliga-Saison. Wie vor jeder Spielzeit ist der Kader unerfahren aber außergewöhnlich talentiert. Was kann der FCB in der Viertklassigkeit leisten?
Und jährlich grüßt das Murmeltier: Die FC Bayern Amateure stehen, wie vor jeder Spielzeit, vor einem Total-Umbruch. Der Grund dafür liegt in der eigenen Philosophie: Am Campus setzt man konsequent auf die Entwicklung der eigenen Talente und stellt diese in den Vordergrund der täglichen Arbeit. Heißt: Wenn es für einen Spieler in seiner Entwicklung besser ist, im Winter in die 3. oder gar 2. Bundesliga zu wechseln, wird dieser Luftveränderung entsprochen. Ganz egal, welche sportlichen Konsequenzen das für den Liga-Alltag in der Viertklassigkeit hat.
So wurde Felipe Chávez beispielsweise im letzten Winter nach Köln abgegeben, Grayson Dettoni ging nach Darmstadt, Javier Fernández wechselte leihweise nach Nürnberg und Adin Lica in den Nachwuchs zu Juventus Turin. Spieler, die zu gut für die Regionalliga aber noch (lange) nicht gut genug für die Kompany-Elf sind.
Und so verzichtete man beim FCB auf einen passablen Innenverteidiger (Dettoni), einen spielstarken Sechser (Fernández), einen Mittelfeld-Allrounder (Chávez) und einen torgefährlichen Offensiv-Spieler (Licina). Und auch in diesem Sommer ging der Umbruch gnadenlos weiter.
Mit Jonathan Asp Jensen verkaufte der FCB einen Leihrückkehrer nach Spanien (6 Millionen Euro Ablöse), Dettoni kam nach gar nicht mehr aus Darmstadt zurück, Max Schmitt wechselte nach Regensburg, Abwehr-Talent Ljubo Puljic (19 Jahre, letzte Saison 15 Einsätze für die Amateure) wurde für 2,8 Millionen Euro an Atalanta Bergamo veräußert, Deniz Ofli an den KSC verliehen.
Und auf der Zugangsseite? Mit Matous Srb verpflichtete man kurz vor Saisonstart seinen bisher einzigen externen Neuzugang. Der 16-jährige Tscheche, U17-Nationalspieler und im offensiven Mittelfeld zu Hause, wechselte für eine kolportierte Ablösesumme in Höhe von einer Million Euro von Slavia Prag an die Isar.
Den größten Wechsel vollzogen die Münchner allerdings auf der Trainerposition: Nach dreieinhalb Jahren endete dir letzte von drei Amtszeiten von Holger Seitz beim Nachwuchs des Rekordmeisters. Der 51-jährige Übungsleiter scheint allerdings in der Regionalliga Bayern zu bleiben – die Gerüchte um einen Einstieg bei der finanziell arg gebeutelten SpVgg Unterhaching halten sich hartnäckig.
Neues Team, neuer Trainer und eine Vorbereitung zum Vergessen: Unter Neu-Trainer Dante wurden bisher alle Testspiele in den Sand gesetzt. Gegen Legia Warschau setzte es zu Beginn eine erwartbare 0:2-Niederlage, bedenklicher sind hingegen die Niederlagen gegen Wacker Innsbruck (1:4) und gegen die Stuttgarter Kickers (0:4). Auch gegen Drittliga-Absteiger SSV Ulm (0:3) konnte man nicht gewinnen oder zumindest Remis spielen.
Dante steht in München vor einer Herkules-Aufgabe: Neben dem personellen Umbruch wird er auch, zumindest zum Saisonstart, einige Spieler an Vincent Kompany abgeben müssen, da viele Profis dem Belgier aktuell auf Grund WM-Urlaub nicht zur Verfügung stehen. In dieser Konstellation ist es schwierig, Abläufe einzustudieren, die Defensive zu stabilisieren und ein effizientes Offensivspiel einzustudieren. Mit David Heindl und Anton Heinz konnten zwei absolute Stützen der Mannschaft zudem verletzungsbedingt kein Testspiel absolvieren, auch Wisdom Mike fiel lange aus und ist noch nicht im Spielbetrieb
Dante bringt keine nenneswerte Erfahrung als Trainer mit. Es ist ein Wagnis, dem Ex-Profi diese schwere Aufgabe anzuvertrauen, obwohl er eine faire Chance verdient hat. Der Auftakt in die Saison ist jedoch ebenfalls durchaus kompliziert: Mit dem SC Eltersdorf wartet am ersten Spieltag zwar eine Mannschaft, die man in der Vorsaison deutlich mit 5:1 und 6:2 schlagen konnte, die folgenden Gegner, Wacker Burghausen und Absteiger Schweinfurt, gelten aber als Kandidaten für die Meisterschaft.
Ein besonderes Schmankerl erwartet die Amateure am 17. Oktober wenn man im innerstädtischen Duell auf den Rekordzwangsabsteiger TSV 1860 München trifft. Das sind die Duelle, die Spieler und Fans in Erinnerung bleiben und einen Jungprofi nachhaltig prägen können. Unvergessen die letzten direkten Aufeinandertreffen in der Regionalliga Bayern, als der rot-weiße Nachwuchs in der Saison 2017/2018 beide Duelle (1:0 und 3:1) für sich entscheiden konnte. Und auch in den Drittliga-Saison 2019/2020 blieb man ungeschlagen (1:1 und 2:1) und krönte sich anschließend zum Meister.
Bis zum prestigeträchtigen Derby sollte das Team von Dante stehen. Weitere Zu- und Abgänge sind nicht ausgeschlossen, so dass eine sportliche Beurteilung schwer fällt. Klar ist: Das Team um die Talente Prescott, Kiala, Pavic, Santos Daiber und Co. bringt genug individuelle Klasse mit um in der Liga bestehen zu können. Nicht umsonst waren die Spieler alle letzte Saison schon im Dunstkreis der Profimannschaft unterwegs. Eine Endplatzierung im oberen Mittelfeld sollte daher realistisch sein.
Eine, wenn nicht die entscheidende Frage beim Blick auf die Amateure: Wer schafft es nach oben zu den Profis, wer kann einmal der neue Lennart Karl werden? Die Gralsfrage, die immer schwer zu beantworten ist. In Kompanys erster Saison bekam der Belgier noch zurecht Kritik aufgrund mangelnder Einsatzzeiten für junge Spieler. Gerade auch deshalb, da die sportliche Leitung Spielern wie Adam Aznou komplett andere Versprechungen gemacht hat.
Aber nicht nur mit Lennart Karl, sondern auch mit den vielen kleineren Einsätzen verschiedenster Nachwuchsspieler hat sich Kompany Respekt verdient und den Ruf des FC Bayern im Nachwuchsbereich deutlich verbessert. Spieler glauben nun wieder daran, dass sie in München eine faire Chance bekommen können.
Und daher kann man auch in der kommenden Saison das ein oder andere Profi-Debüt erwarten.Wer das schlussendlich sein wird, lässt sich aktuell noch nicht seriös abschätzen. Dafür spielen viele verschiedene Dinge eine Rolle: Belastungssteuerung der Profis, eigene Verfügbarkeit und auch der Spielplan spielen eine entscheidende Rolle. Manchmal kann es für ein Talent wertvoller sein gegen Memmingen zu spielen als gegen Chelsea auf der Bank zu sitzen.
Klar ist jedoch: Kompany hat ein Auge auf die Jugendspieler und hat dies nicht zuletzt mit einem XXL-Training mit Amateure-, U19-Spieler und den übriggebliebenen Profis bewiesen. Gerade in der Vorbereitung könnte der ein oder andere Youngster bei den Profis auf sich aufmerksam machen. Ganz zum Leidwesen von Dante, oder eben nicht. Denn die Entwicklung der Spieler steht immer noch an erster Stelle.


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