Vertikalpass
·15. Februar 2026
Kein Karneval in Cannstatt

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Das Topspiel gegen Köln war für den VfB die perfekte Gelegenheit, nach der überraschenden Niederlage gegen St. Pauli Wiedergutachung zu betreiben und sich rechtzeitig für das Auswärtsspiel gegen Celtic Glasgow in Form zu schießen. Außerdem waren drei Punkte nötig, um sich weiterhin als Kandidat für Champions League Plätze zu positionieren. Und die Kölner schienen mit gerade mal zwei Auswärtssiegen am ersten und sechsten Spieltag dafür der perfekte Gegner zu sein, das sagte auch diese schöne Statistik: In den vergangenen 26 Jahren konnte Köln am Karnevalswochenende ganze drei Mal gewinnen. Und gegen Stuttgart waren sie ohnehin seit sechs Spielen sieglos.
Apropos Karneval: Der VfB Stuttgart muss sich mittlerweile nicht mehr als Top-Team der Liga verkleiden, sondern ist schlichtweg eins. Das zeigte auch die Aufstellung: Der kränkelnde Stiller wurde geschont, Assignon ersetzte Vagnoman, Leweling rotierte für El Khannouss in die Startelf und Abwehr-Jeff Chabot spielte statt Ramon Hendriks von Begionn an.
Auch der 1. FC Köln hatte ein Personalproblem: Es fehlten 700 Anhänger, denen bereits am Samstagmorgen auf einer Raststätte an der A3 bei Siegburg die Weiterfahrt nach Stuttgart von der Polizei untersagt worden wurde. Offizielle Begründung: “Zur Verhinderung von Straftaten.” Naja.
Für den dennoch mit Clowns, Bienen, Kühen und Pommes gut gefüllten Gästeblock hätte Deniz Undav eigentlich schon nach 70 Sekunden den Partycrasher spielen müssen. Aber man hätte fast vermuten können, dass er sich in seinem 100. Spiel für den VfB ein besonders hübschen Abschluss vorgenommen hatte. Das dachte sich wahrscheinlich auch der Kölner Keeper, blieb lange stehen und verhinderte das frühe 1:0. Wie es konsequenter geht, zeigte uns Undavs Sturmkollege Demirovic eindrucksvoll in der der 15. Minute: Langer Ball von Führich, Ablage von Leweling, Tor Medo. Wunderschöner schwäbischer One-Touch-Football mit Tempo, aber ohne Schnörkel.
Natürlich müsste man eigentlich auch ausführlich über das Handspiel von Sebulonsen im Kölner Strafraum diskutieren. Eine Szene, die durchaus vergleichbar war mit dem Handspiel von Chris Führich in der vergangenen Woche. Aber Robert Hartmanns Definition von einem strafwürdigem Handspiel unterscheidet sich offenbar von der seiner Kollegen. Da kann man nichts machen.
Nach der Führung ließ Köln nicht locker und auch wenn es in der ersten Halbzeit keine zwingenden Torchancen mehr gab, war klar: Diese drei Punkte hatte der VfB noch lange nicht sicher. Offensiv tat sich in der zweiten Halbzeit lange Zeit gar nichts und die Kölner bemühten sich nach Kräften, um den Ausgleich zu erzielen. Dass das in der 79. Minute gelang, lag natürlich vor allem an dem katastrophalen Pass von dem Spieler, der sich in dieser Szene offenbar als Jeff Chabot verkleidet hatte, denn der würde so einen Ball nie spielen.
Aber der VfB wollte sich davon offenbar nicht den Abend versauen lassen und intensivierte endlich wieder seine Offensivbemühungen. Der spät(!) eingewechselte El Khannouss leitete wunderbar mit der Hacke weiter zum noch später(!!) eingewechselten Hendriks, der seinen inneren Führich entdeckte, zur Grundlinie sprintete und eine scharfe halbhohe Flanke in den Strafraum brachte, die man ihm so vielleicht nicht zugetraut hätte. Ermedin Demirovic hingegen hatte fest daran geglaubt und zeigte erneut seine Vollstrecker-Qualitäten im Strafraum. Das sah auch der Kölner Trainer so: “Glückwunsch an den VfB, dass sie diese Jungs verpflichtet haben. Das muss man auch mal anerkennen. Da sieht man die Qualität.”
Danach war der Kölner Widerstand gebrochen: Kater statt Karneval. Erst recht, weil Jubilar Deniz Undav in der Nachspielzeit seinen 48. Treffer im hundertsten Spiel erzielte. Und das auch noch in typischer Undav-Manier. Bruddler werden sagen, es hätte mindestens das 50. Tor sein müssen.
Was bleibt? Das gute Gefühl, dass der VfB Stuttgart im Jahr 2026 weiterhin liefert. Wettbewerbsübergreifen zehn Partien gespielt und sieben davon gewonnen. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.
Und die am Donnerstag in Glasgow gerne ausgebaut werden darf.
Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images









































