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·10. Juni 2026
Kittner im Interview: "Münster ist aktuell noch ein Verein im Aufbau"

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·10. Juni 2026

Wer mit Ole Kittner spricht, hört den Termin-Hustle, in dem der Sport-Geschäftsführer steckt, nicht sofort raus. Doch beim Zweitliga-Absteiger aus Münster wird – vom Kader über den Trainerstuhl bis zum LVM-Preußenstadion – kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Im Interview mit liga3-online.de spricht der 38-Jährige über einen psychologischen Vorteil, Vertragsverhandlungen auf Augenhöhe und die Gesichter des Neuaufbaus.
liga3-online.de: Neuaufbau eines Kaders nach dem Abstieg in die 3. Liga während einer laufenden Fußball-Weltmeisterschaft: Haben Sie sich über den Sommer bei Ihrer Frau schon abgemeldet, Herr Kittner?
Ole Kittner: Nicht komplett, ab und zu schaue ich dann doch noch mal rein (lächelt). Meine Frau weiß schon, welche Situationen und Schwierigkeiten mein Job manchmal mit sich bringt. Genauso, dass meine Leidenschaft auch über reine berufliche Aspekte hinausgeht. WM-Spiele zu schauen, steht also auch auf dem Plan für die nächsten Wochen, aber die Familie sollte natürlich nicht darunter leiden.
Inwieweit hat Ihnen das Psychologie-Studium (Master of Science) dabei geholfen, den Abstieg in die 3. Liga zu verarbeiten und – im Gegensatz zu anderen – vielleicht schneller wieder nach vorne zu schauen?
Das würde ich differenziert beantworten. Nach dem 33. Spieltag traf mich die Enttäuschung doch genauso wie wohl jeden anderen hier im Klub und Umfeld. Es hielt auch einige Tage an, ehe du dann aus dem Tagesgeschäft rauszoomen kannst und die große Linie wieder in den Blick nimmst. Hier reden wir über eine Gesamtentwicklung des Klubs in den letzten Jahren und über zwei finanziell wichtige Zweitliga-Jahre, die den Club auf sehr solide Füße stellen – der Verein steht heute auf einem anderen Fundament in der 3. Liga als noch vor 2 Jahren.
Bis zum 26. Spieltag stand der SCP sogar auf einem Nicht-Abstiegsplatz. Ab wann haben Sie damit begonnen, bei der Kaderplanung zweigleisig zu denken?
Ich kann mich noch gut an die letztjährige Jahreshauptversammlung Mitte November erinnern. Damals standen wir auf Rang zwölf mit einem kleinen Puffer nach unten. Glücklicherweise haben wir uns von den folgenden, teils emotionalen Umständen (vier Punkte aus den folgenden beiden Spielen gegen Schalke und Bielefeld, Anm. d. Red.) nicht leiten lassen und – ähnlich wie in der Saison 2024/25 – immer mit einer gewissen Vorsorge für den Abstiegsfall gehandelt. Dabei geht es um ein Gerüst mit unterschiedlichen Kader-Komponenten, die dann für die 2. oder 3. Liga greifen genauso wie die Größe des Staffs und des Verwaltungsapparates.
Finanziell bleibt die 3. Liga für viele Zweitliga-Absteiger ein Drahtseilakt. Bildet Münster hier die Ausnahme?
Preußen Münster ist aktuell noch ein Verein im Aufbau. Die harte Notwendigkeit anderer Klubs, die runtergehen und auf verschiedenen Ebenen große Bereiche zurückbauen müssen, habe wir nicht. Mittelfristig haben wir den Anspruch, im umgebauten LVM-Preußenstadion bis 2030 den Klub in der 2. Bundesliga zu etablieren. Auf diesem Weg kalkulieren wir ein, dass es mal einen Schritt zurückgehen kann, weshalb wir keine Organisation aufbauen, die nicht tragfähig in der 3. Liga ist.
Entsprechend zeugt es auch von Selbstvertrauen, die Vertragsangebote an Spieler wie Lars Lokotsch oder Charalambos Makridis wieder zurückzuziehen!
Wir kommentieren keine Vertragsgespräche, und die Aussagen waren unabhängig von Einzelfällen oder Namen. Es geht uns um eine gewisse Grundhaltung. Wir führen Verhandlungen auf Augenhöhe. Das bedeutet eben auch, dass Angebote befristet ausgesprochen werden und wir ein Commitment voraussetzen. Ansonsten riskieren wir, nicht handlungsfähig für Alternativen und Geschehnisse auf dem Transfermarkt zu sein.
Stichwort: Commitment! Wie verfahren Sie im Fall von Oliver Batista Meier, der – in der Form aus Verler Zeiten – ein Unterschiedsspieler für die 3. Liga wäre?
Oliver Batista Meier besitzt einen Vertrag als auch einen gewissen Wert für uns. Ich sehe in ihm einen Spieler, der Spiele lenken und entscheiden kann. Mehrere Szenarien sind möglich, aber auch hier gilt das obige Prinzip der Handlungsfähigkeit. Intern gibt es eine Deadline, nach deren Ablauf wir fest mit Meier für die Saison 2026/27 planen würden.
Ein klares Gesicht des Neuaufbaus soll in Thomas Wörle der frühere Erfolgscoach des SSV Ulm 1846 werden. Gab es schon vorher Berührungspunkte mit ihm?
Die Wege von Preußen Münster und Ulm unter Thomas Wörle verliefen mit dem Doppelaufstieg zwischen 2022 und 2024 teilweise parallel. In dieser Zeit gab es einige Duelle, wo ich eine sehr hohe Meinung von ihm als Coach gewonnen habe und den Kontakt nach dessen Abschied aus Ulm nie ganz abreißen lassen habe.
Wörle ist nach Alexander Ende (jetzt Fortuna Düsseldorf), der für offensiven Ballbesitz-Fußball stand, und Alois Schwartz mit einem eher pragmatischen Ansatz der dritte Preußen-Trainer in den zurückliegenden zwölf Monaten. Wofür will Münster künftig stehen?
In erster Linie wollen wir als Klub wahrgenommen werden, der eine Mannschaft stetig entwickeln kann und junge Spieler integriert. Auf dem Platz sind mir ein Mix aus Energie und einem proaktiven Ansatz wichtig, der aber nicht zwangsläufig über hohe Ballbesitzphasen kommt
Ein Blick auf die Drittliga-Karte zeigt: Geographisch dominiert der Fußball-Westen mit künftig acht Klubs. Wird sich das auch in der Tabelle bzw. im oberen Drittel widerspiegeln?
Das bleibt abzuwarten, wobei eben einige Klub wie der MSV Duisburg und Rot-Weiss Essen eine gewisse Wucht auslösen, sobald sie einen Lauf haben. Für unsere Fans freut es mich, dass – abseits der wegfallenden Derbys gegen Bielefeld oder Osnabrück – einige Gegner mit einer gewissen Rivalität in der Liga vertreten sind. Persönlich freue ich mich auf RWE, wo schon zu gemeinsamen Regionalliga-Zeiten immer viel Spannung in der Luft lag.







































