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·19. Januar 2026

Klinsmanns WM-Warnung trifft den Kern: Favoritenstatus allein wird nicht reichen

Artikelbild:Klinsmanns WM-Warnung trifft den Kern: Favoritenstatus allein wird nicht reichen

Der frühere Bundestrainer und Wahl-Amerikaner erklärt, worauf es bei der Weltmeisterschaft 2026 ankommt und wie die DFB-Auswahl den Herausforderungen in den USA trotzt

Jürgen Klinsmann hat recht, auch wenn seine Aussage zunächst wie eine Selbstverständlichkeit klingt. Deutschland ist viermaliger Weltmeister, und allein dieser Status macht die Nationalmannschaft automatisch zum Favoriten bei jedem großen Turnier. Wer das bestreitet, verkennt die Mechanismen des internationalen Fußballs. Geschichte verpflichtet, ob man will oder nicht.


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Interessanter als diese Feststellung ist jedoch, was Klinsmann zwischen den Zeilen mitliefert. Er bescheinigt dem Kader von Julian Nagelsmann hohe Qualität und lobt die Verbindung zwischen Trainer und Spielern. Das ist mehr als höfliche Kollegialität unter ehemaligen Bundestrainern. Es ist eine Standortbestimmung, die auf einer nüchternen Analyse basiert. Nagelsmann hat in den vergangenen Monaten eine Mannschaft geformt, die wieder eine erkennbare Spielidee verfolgt. Die Hierarchien sind geklärt, die Rollen verteilt. Das war nicht immer so in der jüngeren Vergangenheit des DFB.

Die eigentliche Botschaft Klinsmanns liegt aber in seiner Warnung vor dem neuen WM-Format: 48 Mannschaften, ein Spiel mehr als bei bisherigen Weltmeisterschaften, fünfeinhalb Wochen Turnier plus Vorbereitung. Das ist kein Sprint, das ist ein Marathon mit Hindernissen. Die physischen und mentalen Anforderungen werden andere sein als bei allen bisherigen Turnieren. Wer hier nicht von Anfang an klug mit seinen Kräften haushaltet, wird am Ende nicht mehr die Energie haben, wenn es wirklich zählt.

Was bei der WM 2026 unterschätzt wird

Diese Dimension wird in der öffentlichen Debatte noch unterschätzt. Die Aufblähung des Teilnehmerfelds bedeutet nicht nur mehr Spiele, sondern auch mehr Unwägbarkeiten. Mehr Gegner, die nichts zu verlieren haben. Mehr Stolperfallen auf dem Weg ins Finale. Die großen Nationen werden lernen müssen, dass Favoritenstatus allein keine Spiele gewinnt.

Für Deutschland bedeutet das: Die Vorrunde gegen Curacao, die Elfenbeinküste und Ecuador ist kein Selbstläufer, auch wenn sie auf dem Papier machbar erscheint. Jedes dieser Spiele kostet Kraft, die später fehlen könnte. Nagelsmann wird seinen Kader breiter nutzen müssen als je zuvor. Rotation wird keine Option sein, sondern Pflicht.

Klinsmanns Einschätzung ist deshalb wertvoll, weil sie beides enthält: den berechtigten Optimismus und die notwendige Vorsicht. Deutschland kann Weltmeister werden. Aber der Weg dorthin wird länger und beschwerlicher sein als bei jedem Turnier zuvor. Wer das ignoriert, hat schon verloren, bevor der erste Ball rollt.

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