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·6. Februar 2026

Klopp, Krösche und die WhatsApp-Gruppe, die den deutschen Fußball retten soll

Artikelbild:Klopp, Krösche und die WhatsApp-Gruppe, die den deutschen Fußball retten soll

Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über einen ungewöhnlich selbstkritischen Auftritt der neuen DFL-/DFB-Expertengruppe in Hamburg

Ich war diese Woche auf der Sportbusiness-Messe Spobis in Hamburg und habe mich gewundert. Ich hatte ja damit gerechnet, dort viele bekannte Gesichter aus dem Fußballgeschäft anzutreffen – nicht vorbereitet war ich auf einen anderen Teilnehmer: Mister Selbstkritik.


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Im Fußballgeschäft galt früher normalerweise: Kritische Selbstbetrachtung ist Teufelszeug. Etwas ältere weiße Männer – ob Trainer, Spieler, Manager, DFL oder DFB – erklärten mir zu jedem Thema stets aufopferungsvoll genau, warum sie selbst alles richtig und nur die anderen alles falsch machen.

Am Mittwoch saß Markus Krösche (45) auf der großen Bühne in Saal Z des Congress Centers und schmiss mit Brandsätzen nur so um sich: Er erklärte schonungslos, was im deutschen Fußball so alles schiefläuft. Das Verrückte daran: Der Frankfurter Sportvorstand sprach viel in der Wir-Form und nahm seine Eintracht nicht aus.

Mir stand der Mund offen. Hatte Krösche Fieber, oder wird der deutsche Fußball jetzt etwa modern – bricht bei DFL und DFB das Zeitalter der Fehlerkultur an?

Die deutschen Klubs, also auch seiner, sagte Krösche, hätten bei der Entwicklung von Talenten zwar keinen "Winterschlaf", aber "zumindest mal einen Mittagsschlaf gemacht". Die Ausbildung in Deutschland sei "schlecht", wiederholte er mehrmals, es sei deshalb kein Wunder, dass es so wenige deutsche Spieler in die Kader der Bundesligisten schaffen, geschweige denn dort zum Einsatz kommen – die Spieler aus dem Ausland seien einfach besser als die deutschen.

Außerdem würden sich im Nachwuchsbereich zu viele Trainer mehr aufs Gewinnen und die eigene Karriere als auf die Entwicklung junger Spieler konzentrieren.

Diese Einsicht tut gut, aber was passiert jetzt? Früher holte man in Krisenzeiten Matthias Sammer. Oder besann sich, besonders beim DFB, auf eine alte Tugend: "Wenn ich mal nicht weiterweiß, gründe ich einen Arbeitskreis."

Heute gibt es die WhatsApp-Gruppe.

Das ist kein Scherz. Experten wie Krösche, Trainergott Jürgen Klopp, Weltmeister Sami Khedira, DFL-Chef Marc Lenz, DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig und noch ein paar mehr diskutieren seit drei Monaten in einer "Expertengruppe zur sportlichen Zukunft des deutschen Fußballs" physisch in Meetings, aber, so Lenz am Mittwoch, auch per WhatsApp darüber, was man künftig besser machen und wie man gegen die englische Übermacht bestehen könnte. Davon war in Hamburg viel die Rede.

Es wurde sogar schon eine Maßnahme ergriffen: Eine U21-Liga soll von 2026/27 an Jungprofis im Übergangsalter Spielpraxis auf einem Level verschaffen, das die Regionalliga- oder Drittligateams ihrer Vereine bisher nicht bieten können, weil in diesen Ligen nur Schrott gespielt werde. (Sagte natürlich keiner wörtlich, kam aber so rüber.)

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Ich finde das gut. Der deutsche Fußball baut schon viel zu lange ab, die Nationalmannschaft hat seit Jahren nichts mehr gerissen, und auf Klubebene eilen die Engländer mit ihren Milliarden davon.

Ja, es hat ein paar deutsche Ausreißer gegeben (wie immer die Bayern, dann Dortmund als Champions-League-Finalist 2024, Frankfurts Europapokalsieg 2022), und junge deutsche Supertalente wie Jamal Musiala, Florian Wirtz oder Lennart Karl machen Mut - aber die Wahrheit ist: Andere haben einfach viel mehr Talente von dieser Sorte, sagte Krösche.

Kann nun also eine WhatsApp-Gruppe den deutschen Fußball retten? Schön wär's ja. Und ich würde ehrlich gesagt zu gern mal reinlesen, was die Experten dort ganz ungeschminkt eintippen. Ich stelle mir das in etwa so vor:

Krösche: "Leute, hat sich gestern jemand Dortmund gegen Inter angetan? 0:2, ich dreh' gleich durch."

Klopp: "Dieser BVB. Alles muss man selber machen."

Khedira: "Wieviele aktuelle Nationalspieler standen bei eurem 0:2 gegen Tottenham auf dem Platz, Markus?"

Krösche: "Wir sind einfach schlecht. Schlecht. Schlecht!"

Lenz: "Wir sollten dieser Premier League die Zähne zeigen!"

Klopp: "Soll das eine Anspielung sein?"

Khedira: "U21! Wir brauchen die U21-Liga!"

Klopp: "Okay, ich sorge für Getränke. Die können nämlich Flügel verleihen."

Lenz: "Jürgen, die U21-Jungs fahren mit dem Bus zu den Spielen."

Khedira: "Wann startet das eigentlich?"

Rettig: "Ich bin zwar beim DFB, aber ich sag' mal: Ganz, ganz schnell!"

Lenz: "Ah, also in zwei Jahren? Haha."

Rettig: "Grrr."

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