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·28. September 2026
Klopp-Lehren aus dem 0:1 gegen Griechenland: Diese Baustellen warten jetzt auf den Bundestrainer

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Die Ernüchterung kam prompt. Nur drei Tage nach dem 1:1 in Amsterdam kassierte die deutsche Nationalmannschaft beim Heimdebüt von Jürgen Klopp eine historische 0:1-Niederlage gegen Griechenland. Es war die erste Pleite der DFB-Elf gegen die Hellenen überhaupt – und sie lieferte dem neuen Bundestrainer Erkenntnisse, die er sich so nicht gewünscht hatte, die aber notwendig sind.
Jürgen Klopp verfolgt im DFB-Trikot als TV-Experte das WM-2026-Gruppenspiel zwischen Deutschland und Curaçao im Houston Stadium am 14. Juni 2026. Wenige Wochen später wird der frühere Erfolgstrainer zum neuen Bundestrainer berufen. (Alexander Hassenstein / Getty Images via AFP)
Eine defensive Stabilität zu erlangen und darauf das Offensivspiel aufzubauen, ist ein Eckpfeiler in Klopps Spielphilosophie. Das gelang weder gegen die Niederländer, die beim 1:1 ein klares Chancenplus hatten, noch gegen die effektiveren Griechen. Schon unter Julian Nagelsmann war die defensive Anfälligkeit ein zentrales Problem: In neun der zehn Länderspiele 2026 kassierte die DFB-Auswahl mindestens ein Gegentor, nur beim Test gegen Finnland (4:0) hielt man sich schadlos.
Gegen Griechenland urteilte Klopp über den Gegentreffer: „Diese Situation muss man verhindern.“ Angesprochen fühlen mussten sich dabei Josha Vagnoman und Felix Nmecha, die zu passiv agierten. „Das Spiel nicht zu gewinnen, damit kann ich leben. Aber wir dürfen das Spiel nicht verlieren.“
Ein Lichtblick in der Defensive: Yann Aurel Bisseck. Der Kölner, der für die WM nicht nominiert worden war, rückte für Schlotterbeck neben Tah in die Startelf und überzeugte mit Physis und Präsenz. Als Stammspieler bei Inter Mailand sammelt er regelmäßig Champions-League-Erfahrung auf hohem Niveau. Bisseck ist drauf und dran, die Planstelle des zurückgetretenen Antonio Rüdiger zu übernehmen – als Nummer drei hinter Tah und Schlotterbeck, aber mit der Qualität, einen von beiden zu verdrängen. Gegen Griechenland war er zumindest klar stärker als Tah.
Anders Alexander Nübel: Der Beşiktaş-Torhüter blieb ohne Parade, das Gegentor war abgefälscht und unhaltbar. Doch Argumente im Kampf um die Nummer eins hinter Marc-André ter Stegen konnte er drei Tage vor seinem 30. Geburtstag nicht sammeln. Ter Stegen verhinderte in Amsterdam eine Niederlage, Nübel nicht. Klopp hatte ter Stegen vorerst zur Nummer eins erklärt, diese Entscheidung aber nicht in Stein gemeißelt. Der Plan, Nübel die Chance zur Präsentation zu geben, ging nicht auf.
Eine der schmerzlichsten Erkenntnisse betrifft die Bayern-Spieler. Was bei der WM 2014 noch eine prägende Achse aus Schweinsteiger, Lahm, Neuer, Müller, Kroos und Boateng war, wirkt zwölf Jahre später wie ein Schatten seiner selbst. Joshua Kimmich, DFB-Kapitän und Co-Spielführer in München, agierte gegen Griechenland als alleiniger Sechser. Mit 152 Ballkontakten hatte er die meisten, doch diese führten meist zur Spielverschleppung statt zu Beschleunigung. Sein eklatanter Ballverlust in der 67. Minute hätte fast das 0:1 bedeutet, ehe Dimitrios Kourbelis kurz darauf doch noch traf.
Auch Jonathan Tah und Nathaniel Brown leisteten sich defensive Schwächen. Tah wirkt fahrig, wenn er ohne Dayot Upamecano oder Nico Schlotterbeck neben sich die Abwehrchef-Rolle ausfüllen muss. Die These, dass deutsche Bayern-Spieler eher Mitläufer sind, die von internationalen Topstars wie Harry Kane oder Michael Olise mitgenommen werden, erhält durch den Auftritt in Augsburg neue Nahrung. Klopp kann daran kurzfristig wenig ändern – die personelle Situation im Klub bleibt, was sie ist.
Bayern Münchens deutscher Stürmer (Nr. 25) Thomas Müller (L) feiert mit seinen Teamkollegen nach einem Tor während des Fußballspiels der Gruppe C der Klub-WM 2025 zwischen Bayern München und Auckland City aus Neuseeland im TQL-Stadion in Cincinnati am 15. Juni 2025. (Foto: Federico PARRA / AFP)
Sieben Spieler setzte Klopp in den beiden Begegnungen für die offensive Dreierreihe ein – getroffen hat keiner. „Insgesamt war es zu statisch von uns, nicht so kreativ. Wir hatten zu wenig Bewegung, uns ist nicht viel eingefallen“, bilanzierte Kimmich. Gegen tiefstehende Gegner wie Griechenland fehlen die Lösungen, den Abwehrriegel zu knacken. Jamal Musiala fehlte verletzt, Florian Wirtz steckt in einer Formkrise, Lennart Karl reiste erst mit dem zweiten Kader an.
ARD-Experte Bastian Schweinsteiger sprach Klartext: „Wir sind keine Topmannschaft mehr, wir sind im Mittelmaß angekommen. Wir haben nicht mehr diese Spieler, die den Unterschied machen.“ Auf den Flügeln boten sowohl Niederlande (Summerville, Gakpo) als auch Griechenland (Karetsa, Tzolis) Spieler von ganz anderer Kragenweite. Die Hoffnung ruht nun auf Lennart Karl sowie den Neulingen Said El Mala und Derry Scherhant.
Klopps ungewöhnliches Experiment mit 44 nominierten Spielern, aufgeteilt in zwei Kader, sollte ihm ein Bild von so vielen Akteuren wie möglich verschaffen. Doch nach den ersten beiden Spielen bleibt festzuhalten: Die „zweite Garde“ betrieb kaum Eigenwerbung. Younes Ebnoutalib zeigte gegen die Niederlande Ansätze, blieb gegen Griechenland wirkungslos. Kevin Schade enttäuschte noch stärker. Einzig Philipp Treu, der in Amsterdam debütierte, überzeugte nahezu vollends und dürfte aufgrund der neuralgischen Position rechts hinten gute Karten haben, auch ab November zum Kader zu gehören.
Aus dem ersten Aufgebot bleiben lediglich Finn Dahmen, Yannick Engelhardt, Serge Gnabry, Nico Schlotterbeck, Philipp Treu und Bambasé Conté für die zweite Woche. Die Tür, betonte Klopp, sei für jeden offen – aber der Kader wird im November auf die üblichen 23 Spieler reduziert.
Germany’s defender Nico Schlotterbeck looks on during the friendly football match between the Netherlands and Germany at the Johan Cruyff ArenA in Amsterdam on March 29, 2022. (Photo by Ina FASSBENDER / AFP)
Klopp hat das Experiment Nagelsmanns, Kimmich als hybriden Rechtsverteidiger aufzubieten, beendet. Der Kapitän agiert wieder im zentralen Mittelfeld – nun aber als alleiniger Sechser. Mit seinem Tempodefizit ist er im Kloppschen Ideal-Fußball keine Idealbesetzung, bleibt aber zentrale Figur der Achse. Dass er nicht in den zweiten Kader übernommen wurde, zeigt: Klopp will sehen, wie sich die Mannschaft ohne den 31-Jährigen schlägt, der 36 der letzten 37 Länderspiele bestritt.
Alternativen fürs zentrale Mittelfeld gibt es zahlenmäßig genug – Aleksandar Pavlović, Tom Bischof, Engelhardt, Vitaly Janelt, Mika Baur, Felix Keidel. Doch bislang hat sich keiner als Upgrade zum 116-maligen Nationalspieler präsentiert.
Die Euphorie, die Klopps Verpflichtung Ende Juli ausgelöst hatte, ist an der sportlichen Realität zerschellt. „Wenn die Euphorie jetzt weg ist, tut mir das leid“, sagte der 59-Jährige nach dem Spiel in Augsburg. Er stemmte sich gegen die aufkommende Negativstimmung, machte aber auch klar: „Es gibt für mich keinen Grund, jetzt in Depression zu verfallen. Aber wir sind auch nicht jetzt schon so gut, wie wir gerne wären.“ Klopp übernahm die volle Verantwortung für Aufstellung, Kaderzusammenstellung und die vielen Wechsel. „Die Aufstellung, die Zusammenstellung, die vielen Wechsel, das geht alles auf meine Kappe.“
Dass Entwicklung Zeit braucht, ist keine neue Erkenntnis. Doch nach zwei sieglosen Spielen zum Auftakt – Klopp ist neben Sepp Herberger (1937) und Helmut Schön (1967) erst der dritte Bundestrainer, der keines seiner ersten beiden Spiele gewinnen konnte – wird der Druck bereits groß. Gegen Serbien am Donnerstag in München und im Rückspiel am Sonntag in Thessaloniki muss die Mannschaft liefern, soll der „Klopp-Effekt“ nicht verpuffen.
„Dass der deutsche Fußball aktuell nicht in der besten Situation aller Zeiten ist und es nicht reicht, einmal kurz mit Handauflegen alle Probleme zu lösen, das wusste ich vorher“, sagte Klopp. An seinem Weg zweifelt er nicht, er bezeichnete seine Herangehensweise gar als „alternativlos“. Überzeugt zeigte er sich dennoch: „Wird es einen Moment geben in der näheren Zukunft, an dem wir bereit sind, gegen jeden Gegner ein wirklich unangenehmer Gegner zu sein? Davon bin ich hundertprozentig überzeugt.“
Gegen Serbien sollte man allerdings nicht nur unangenehm, sondern auch siegreich sein. Die Lehren aus Griechenland sind hart, aber notwendig. Klopp hat sie bekommen – zu einhundert Prozent.







































