90PLUS
·1. Oktober 2026
Klopp tauscht alle elf Spieler aus und gewinnt zum ersten Mal

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München. Beim Abpfiff ballte Jürgen Klopp die Fäuste, und wer ihn in den vergangenen acht Tagen beobachtet hatte, wusste, was dahintersteckte. Im dritten Anlauf hat der Bundestrainer seinen ersten Sieg gefeiert: 2:0 gegen Serbien, vor 68.121 Zuschauern in der Allianz Arena, wenige Kilometer vom Oktoberfest entfernt. Tom Bischof und Florian Wirtz trafen. Der Negativrekord, als erster Bundestrainer die ersten drei Spiele nicht zu gewinnen, ist abgewendet.
Bemerkenswert ist, mit wem. Von der Mannschaft, die am Sonntag in Augsburg gegen Griechenland verloren hatte, stand kein einziger Spieler in der Startelf. Kein Kimmich, kein Tah, kein Nmecha, kein Adeyemi. Musiala und Havertz verletzt abgereist, Schlotterbeck mit einer Außenbandverletzung raus. Es war, wie SPOX schrieb, ein Bettenwechsel mit „allumfassender Startelf-Rotation“ – und genau diese Mannschaft brachte den Schwung, der den ersten beiden Auftritten gefehlt hatte.
Die Sportschau beschrieb den Auftritt von Anfang an als „dynamisch wie spielfreudig“. Nach acht Minuten hatte Deutschland die erste Chance, und sie entstand aus dem, was Klopp sehen wollte: Debütant Derry Scherhant flankte von links, Philipp Treu legte per Kopf ab, Aleksandar Pavlović schoss knapp rechts vorbei. Kapitän Serge Gnabry scheiterte in der 30. Minute an Torwart Đorđe Petrović.
In der 39. Minute fiel die Führung. Tom Bischof stand nach einem Abpraller im Fünfmeterraum „goldrichtig“, wie SPOX festhielt, und schob ein. Es war der erste Treffer seit dem Ausgleich von Felix Nmecha in Amsterdam – dazwischen lagen 187 Minuten ohne deutsches Tor aus dem Spiel heraus.
Nach einer Stunde machte Florian Wirtz alles klar. Maximilian Mittelstädt spielte ihn frei, und der Liverpool-Profi konnte noch einmal Tempo herausnehmen, bevor er abschloss. Für Wirtz, der beim FC Liverpool seit Wochen auf eine Torbeteiligung wartet und gegen Griechenland als Joker blass geblieben war, war es mehr als ein Tor. Klopp hatte vor dem Spiel gesagt, man müsse dafür sorgen, dass „Flo sich bei uns wohlfühlt“. An diesem Abend schien er das zu tun.
Serbien fand kaum statt. Den ersten Schuss aufs deutsche Tor gab die Mannschaft von Veljko Paunović erst in der 78. Minute ab. Jonas Urbig, im eigenen Stadion zum Debüt gekommen, erlebte einen ruhigen Abend.
Der Abend hatte eine statistische Fußnote, die in die Geschichtsbücher eingeht. Urbig und Scherhant wurden zu Beginn die Nationalspieler Nummer 997 und 998. Zur zweiten Halbzeit kam Said El Mala zu seinem ersten Einsatz – jener Kölner, den viele schon bei der WM gefordert hatten. Und in der 77. Minute wechselte Klopp Mika Baur von Celtic Glasgow ein: Er ist damit der tausendste Spieler, der für die deutsche Nationalmannschaft aufgelaufen ist.
Vier Neulinge in einem Spiel, alle mit Spielzeit, in einer Mannschaft, die gewann. Für Klopps Modell mit 44 Spielern und zwei getrennten Kadern ist das der erste Beleg, dass es nicht nur Sichtung, sondern auch Ergebnisse liefern kann.
Man sollte ihn nicht überhöhen. Serbien war schwach, kam als punktloser Tabellenletzter nach München und spielte auch so. SPOX nannte den Sieg „souverän und verdient“, fügte aber hinzu: gegen eine „allerdings auch schwache Auswahl“. Die Sportschau sprach von einem „kleinen Befreiungsschlag“ – und betonte das Wort klein.
Was sich trotzdem festhalten lässt: Eine Mannschaft ohne die üblichen Führungsspieler hat gegen einen schwächeren Gegner das getan, was die Stammkräfte gegen einen stärkeren nicht geschafft hatten. Tempo, Zielstrebigkeit, ein frühes Tor. Klopp trug an der Seitenlinie eine Kappe mit der Aufschrift „Einer von 83 Millionen“. Seine Elf sah an diesem Abend aus wie eine, die das ernst nimmt.
Es ist der erste Sieg nach dem WM-Aus gegen Paraguay. Am Sonntag folgt das Rückspiel gegen Griechenland in Thessaloniki – gegen den Gegner, der Deutschland in Augsburg die erste Niederlage überhaupt in diesem Duell zugefügt hatte. Dann zeigt sich, ob der Schwung aus München mehr war als ein Abend gegen einen schwachen Gegner.







































