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·2. Oktober 2026

Klopp, Tuchel, Ancelotti, Zidane: Warum die größten Klubtrainer plötzlich Nationalteams übernehmen

Artikelbild:Klopp, Tuchel, Ancelotti, Zidane: Warum die größten Klubtrainer plötzlich Nationalteams übernehmen

Jürgen Klopp trainiert Deutschland, Carlo Ancelotti Brasilien, Thomas Tuchel England, Zinedine Zidane Frankreich und Mauricio Pochettino die USA. Noch vor wenigen Jahren standen diese Namen für Europas Spitzenklubs. Nun prägen sie die wichtigsten Nationalmannschaften der Welt. Noch vor wenigen Jahren wären diese Trainer fast selbstverständlich bei Real Madrid, Manchester City, Paris Saint-Germain oder dem FC Bayern erwartet worden.

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Jürgen Klopp, Ex-Trainer von FC Liverpool und dem BVB. AFP PHOTO / OLI SCARFF


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Der Wechsel ist kein Zufall und sagt viel über den modernen Klubfußball aus. Die Vereine sind wirtschaftlich mächtiger denn je, geben ihren Trainern aber oft weniger Einfluss. Nationalverbände können ihnen dagegen genau das bieten, was viele Toptrainer suchen: sportliche Kontrolle, hohe öffentliche Bedeutung und eine Position, die nicht nach drei Niederlagen infrage steht. Ob daraus automatisch bessere Nationalmannschaften entstehen, ist allerdings fraglich.

Ein begrenzter Markt für die Besten

Für einen Trainer der absoluten Weltklasse gibt es nur wenige Arbeitsplätze, die alle Erwartungen erfüllen. Das Gehalt muss stimmen. Der Kader muss Titel ermöglichen. Der Verein muss international konkurrenzfähig sein. Und der Trainer muss ausreichend Einfluss besitzen.

In England kommen dafür vor allem Arsenal, Liverpool, Chelsea, Manchester United und Manchester City infrage. In Spanien sind Real Madrid, Barcelona und Atlético Madrid die entscheidenden Adressen. Frankreich hat mit Paris Saint-Germain praktisch nur einen Klub auf diesem Niveau. In Deutschland ist der FC Bayern der wichtigste Anlaufpunkt.

Viele dieser Stellen sind über Jahre besetzt. Mikel Arteta hat sich beim FC Arsenal etabliert, Diego Simeone prägt Atlético Madrid seit langer Zeit, Luis Enrique steht bei Paris Saint-Germain unter Vertrag. Dazu kommen Trainer, die bestimmte Vereine bereits trainiert haben oder wegen ihrer persönlichen Vorstellungen nicht zu jedem Spitzenklub passen.

Der internationale Trainermarkt ist deshalb kleiner, als es den Anschein hat. Pro Jahr werden nur wenige Spitzenpositionen frei. Auf diese Stellen warten mehrere etablierte Trainer ebenso wie jüngere Coaches, die bei kleineren Vereinen auf sich aufmerksam gemacht haben.

Wer nicht zum richtigen Zeitpunkt verfügbar ist, kann lange auf eine passende Gelegenheit warten. Ein Nationalteam eröffnet dann eine zweite Karriereoption.

Vom Manager zum Teil eines Systems

Der Klubfußball hat sich zugleich organisatorisch verändert. Der klassische Manager, der Transfers bestimmt, Vertragsentscheidungen trifft und die gesamte sportliche Linie kontrolliert, verschwindet zunehmend.

An seine Stelle tritt der Head Coach. Er leitet das Training, bereitet die Spiele vor und entwickelt die Mannschaft. Über den Kader entscheiden Sportdirektoren, Scoutingabteilungen und Eigentümer. Diese Aufgabenteilung soll Vereine unabhängiger von einzelnen Trainern machen.

Für die Klubs ist das wirtschaftlich nachvollziehbar. Transfers binden Millionenbeträge, Verträge laufen über Jahre und Kaderentscheidungen sollen nicht allein von der Form des Trainers abhängen. Die sportliche Leitung plant langfristig, während der Coach für die tägliche Arbeit zuständig ist.

Viele Spitzentrainer empfinden dieses Modell jedoch als Einschränkung. Sie wollen nicht nur ein vorhandenes Konzept umsetzen. Sie wollen bestimmen, welche Spielertypen verpflichtet werden, wie die Mannschaft aufgebaut ist und welche Fußballidee der Verein verfolgt.

Bei einem Nationalteam ist dieser Einfluss größer. Der Trainer entscheidet, wer nominiert wird, welche Rollen die Spieler übernehmen und wie sich die Mannschaft präsentiert. Er muss keine Transferverhandlungen führen, kann aber den gesamten verfügbaren Spielerpool nach seinen Vorstellungen auswählen.

Das macht die Aufgabe für Trainer attraktiv, die im Vereinsfußball zunehmend Teil einer größeren Organisation sind.

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Letzte Amtshandlung in schwarz-gelb: Thomas Tuchel küsst den DFB-Pokal. Der Trainer wurde nach den Feierlichkeiten seines Amtes enthoben. Grund dafür sollen schon länger anhaltende Streitigkeiten mit Vereinsführung und einigen Abteilungen gewesen sein. / AFP PHOTO / POOL / Ina FASSBENDER

Mehr Einfluss, weniger täglicher Druck

Auch die Arbeitsplatzsicherheit spielt eine Rolle. In der Premier League bleiben Trainer im Durchschnitt weniger als 18 Monate im Amt. Selbst erfolgreiche Coaches müssen ständig mit einer Entlassung rechnen.

Ein Nationaltrainer arbeitet unter anderen Bedingungen. Niederlagen können seine Position ebenfalls gefährden, doch die Bewertung erfolgt meist über Qualifikationsphasen und Turniere. Zwischen den Spielen liegen längere Zeiträume. Der Trainer muss nicht jede Woche auf eine neue Krise reagieren.

Verbände können zudem Gehälter bezahlen, die mit denen großer Klubs vergleichbar sind. Die US Soccer Federation hat Pochettino ein finanziell konkurrenzfähiges Angebot gemacht. Für viele Vereine wäre ein solches Gehalt schwerer zu rechtfertigen, besonders wenn der Trainer nicht gleichzeitig über die Kaderplanung entscheidet.

Nationalteams bieten damit ein ungewöhnliches Gesamtpaket: große Bühne, weitreichende sportliche Verantwortung und weniger tägliche Abhängigkeit vom Vereinsgeschäft.

Der Erfolg lässt sich nicht einfach importieren

Die entscheidende Frage lautet jedoch: Kann ein Trainer seine Erfolge aus dem Klubfußball auf eine Nationalmannschaft übertragen?

Die vergangenen Jahre liefern keine eindeutige Antwort. Didier Deschamps war bei Monaco, Juventus und Marseille erfolgreich und gewann später mit Frankreich die Weltmeisterschaft. Louis van Gaal führte die Niederlande bei der Weltmeisterschaft 2014 bis ins Halbfinale. Marcelo Lippi holte mit Italien 2006 den Weltmeistertitel, nachdem er mit Juventus zahlreiche Klubtitel gewonnen hatte.

Auch Antonio Conte bewies bei der Europameisterschaft 2016, dass ein starker Klubtrainer eine Nationalmannschaft sofort prägen kann. Italien besiegte Spanien und scheiterte erst im Elfmeterschießen an Deutschland.

Es gibt aber ebenso viele Gegenbeispiele. Hansi Flick gewann mit Bayern München die Champions League und mehrere Titel. Mit Deutschland schied er bei der Weltmeisterschaft 2022 nach der Gruppenphase aus. Luis Enrique entwickelte bei Barcelona und Paris Saint-Germain erfolgreiche Mannschaften, kam mit Spanien bei der WM 2022 aber nicht über das Achtelfinale hinaus.

Luciano Spalletti führte Napoli 2023 mit attraktivem, ballbesitzorientiertem Fußball zur italienischen Meisterschaft. Die Mannschaft dominierte die Serie A und schlug Liverpool in der Champions League mit 4:1. Als Nationaltrainer konnte Spalletti diese Wirkung nicht wiederholen. Italien scheiterte bei der Europameisterschaft im Achtelfinale an der Schweiz, und Spalletti musste während der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026 gehen.

Auch Jorge Sampaoli, Fabio Capello, Marcelo Bielsa und Julian Nagelsmann konnten ihre Klub- oder früheren Nationalmannschaftserfolge nicht uneingeschränkt übertragen.

Das Problem ist nicht zwangsläufig die Qualität der Trainer. Es ist die völlig andere Arbeitsumgebung.

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Der Trainer der brasilianischen Fußballnationalmannschaft, der Italiener Carlo Ancelotti, spricht während einer Pressekonferenz in Guayaquil, Ecuador, am 4. Juni 2025, am Vorabend des Qualifikationsspiels zur FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Südamerika gegen Ecuador. (Foto: Rodrigo BUENDIA / AFP)

Zwischen Lehrgang und Pflichtspiel

Ein Klubtrainer sieht seine Spieler jeden Tag. Er kann Laufwege korrigieren, Pressingauslöser einstudieren und die Mannschaft über Monate an eine bestimmte Formation gewöhnen.

Ein Nationaltrainer hat dafür nur wenige Tage. Die Spieler kommen aus unterschiedlichen Vereinen, bringen verschiedene taktische Erfahrungen mit und reisen teilweise erst kurz vor dem Spiel an. Danach geht es wieder zurück in den Klub.

Pochettino hat in zwei Jahren 33 Spiele mit den USA bestritten. In seiner letzten vollständigen Saison bei Tottenham absolvierte die Mannschaft 56 Partien innerhalb von zehn Monaten. Der Vergleich zeigt, wie wenig Zeit einem Nationaltrainer für die eigentliche Trainingsarbeit bleibt.

Deshalb besteht der Beruf nicht hauptsächlich aus taktischer Detailarbeit. Ein Nationaltrainer muss den gesamten Spielerpool beobachten, Beziehungen zu den Profis und ihren Klubs pflegen, Belastungen einschätzen und einen Kader über mehrere Jahre entwickeln.

Er kann seine Vorstellungen nicht vollständig durchsetzen. Er muss mit dem Material arbeiten, das ein Land hervorbringt. Ein Trainer kann kein fehlendes Talentzentrum ersetzen und keine Generation von Weltklassespielern erschaffen.

Warum Verbände trotzdem auf große Namen setzen

Die Verpflichtung eines prominenten Trainers hat für einen Verband mehrere Vorteile. Sie schafft Aufmerksamkeit, erleichtert die Kommunikation nach außen und kann einem Projekt eine klare Richtung geben.

Vor allem Verbände in schwierigen Phasen greifen gern auf bekannte Namen zurück. Das ist verständlich: Wenn ein Team enttäuscht, soll ein Trainer mit Erfahrung und Autorität für einen Neustart stehen.

Doch große Namen werden häufig gerade dann verpflichtet, wenn die Probleme tiefer liegen. Ein Verband, der sich nicht für ein großes Turnier qualifiziert, hat möglicherweise Defizite in der Talentförderung, der Kaderplanung oder der Ausbildung. Kein Trainer kann diese Schwächen allein beseitigen.

Hinzu kommt die besondere Unberechenbarkeit des internationalen Fußballs. Nationalteams bestreiten vergleichsweise wenige wichtige Spiele. Ein schwaches Turnier, eine Verletzung oder ein verlorenes Elfmeterschießen kann die Bewertung einer gesamten Amtszeit bestimmen.

Der Einfluss des Trainers ist vorhanden, aber kleiner, als es die mediale Aufmerksamkeit vermuten lässt. In einem Klub kann ein Coach über 50 Spiele pro Saison hinweg Veränderungen bewirken. Im Nationalteam hat er oft nur eine Handvoll Pflichtspiele, bevor ein Turnier die gesamte Arbeit bewertet.

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Frankreich: Zidane als Deschamps-Nachfolger? (Foto-Combo AFP/Depositphotos.com)

Der Nationaltrainer braucht ein anderes Profil

Die Entwicklung bedeutet daher nicht, dass Klubtrainer grundsätzlich die besseren Nationaltrainer sind. Sie zeigt vielmehr, dass sich die Karrierewege der Spitzenkräfte verändern.

Klubs suchen zunehmend Trainer, die in ein bestehendes System passen. Nationalverbände bieten dagegen wieder mehr persönliche Kontrolle. Für erfahrene Coaches ist das reizvoll, besonders wenn attraktive Vereinsjobs rar sind.

Sportlich bleibt der Wechsel ein Risiko. Ein Trainer, der auf dem Trainingsplatz komplexe Abläufe perfektionieren kann, muss im Nationalteam möglicherweise stärker vereinfachen. Er braucht Geduld, Kommunikationsstärke und ein gutes Gespür für unterschiedliche Spielertypen.

Die erfolgreichsten Nationaltrainer sind nicht immer jene mit dem größten Trophäenschrank. Sie müssen aus wenigen gemeinsamen Tagen eine belastbare Mannschaft formen. Sie müssen Rollen klar definieren, Erwartungen steuern und aus einem heterogenen Kader ein funktionierendes Team machen.

Dass die letzten beiden Weltmeistertrainer zusammen kein Champions-League-Spiel als Cheftrainer bestritten haben, ist deshalb bemerkenswert. Vielleicht zeigt es, dass internationaler Erfolg nicht nur von taktischer Klasse abhängt.

Die großen Klubtrainer werden die Nationalmannschaften weiter prägen. Ihre Erfahrung, ihre Autorität und ihre Spielideen können einen Unterschied machen. Sie bringen jedoch keine Erfolgsgarantie mit. Im Nationalteam zählt nicht nur, wie gut ein Trainer Fußball erklären und organisieren kann. Entscheidend ist, ob er aus begrenzter Zeit das Maximum herausholt.

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