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·8. September 2026
Kommentar: Der MSV kann sich nichtmal selbst ein Bein stellen

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Rot, Rückstand, Riesenjubel! Beim SSV Jahn Regensburg drehte der MSV Duisburg die Partie in Unterzahl, was unter Cheftrainer Dietmar Hirsch ein Novum war. Obwohl die Zebras in der jüngeren Vergangenheit sogar häufiger Erfolge in Unterzahl erlebten. Was das nun für das Selbstvertrauen bedeutet, ist offensichtlich. Ein Kommentar.
Als Trainer des MSV Duisburg kann Dietmar Hirsch mittlerweile auf 89 Pflichtspiele zurückblicken. In dieser Zeit gab es gerade einmal fünf Platzverweise für die Zebras – zuletzt am vergangenen Wochenende, als Lex Tyger Lobinger seiner Mannschaft einen Bärendienst per Tätlichkeit erwies. "Ich bin fein damit, dass die Rote Karte berechtigt war. Das muss man ehrlich sagen", räumte der Fußballlehrer unmittelbar nach Spielschluss ein, dass Schiedsrichter Ryo Tanimoto die richtige Entscheidung getroffen habe. Die Duisburger standen vor einer 65-minütigen Unterzahl und kassierten dazu noch in der 56. Spielminute das 0:1. Und dann? Dann gewann der MSV durch Tore von Remmert (71.) und Fleckstein (81.).
Ein Novum, denn in Unterzahl drehte der MSV unter Hirsch noch nie eine Partie. "Ich bin sehr stolz. So viel Moral und Wille, wie die Mannschaft zusammenhält, ist unfassbar. Wir haben es letztes Jahr schon hinbekommen, Spiele in Unterzahl zu gewinnen. Dass wir es sogar geschafft haben, das Spiel zu drehen, ist noch bemerkenswerter. Da ziehe ich den Hut vor meinen Jungs. Vollster Respekt, ich bin sehr stolz", schwärmte Hirsch anschließend von seiner Mannschaft, die unter seiner Regie schon mancher Unterzahl trotzte. Nur im Derby gegen Rot-Weiss Essen, als Aljaz Casar vom Platz flog, gab es keine Punkte für den MSV. Anders war es aber noch zu Beginn der letzten Saison, als Dennis Borkowski im Spiel gegen Ulm wegen Ballwegschlagens vor der Pause duschen musste. Damals glichen die Spatzen eine Duisburger Führung aus – aber in der vierten Minute der Nachspielzeit erzielte Thilo Töpken den umjubelten Siegtreffer.
Auch in der Regionalliga West konnte eine Unterzahl die Zebras nicht aufhalten. Bei einem 0:0 gegen den SC Paderborn II musste Can Coskun den Platz verlassen, aber die Zebras retteten zumindest einen Punkt. Kurioser war die Begegnung beim SV Rödinghausen: Dort sah Mert Göckan in der 58. Spielminute seine zweite Gelbe und musste runter, woraufhin Töpken nur 60 Sekunden nach dem Platzverweis zum 1:0 traf – es war das Siegtor. Dass der MSV eine Partie allerdings in Unterzahl komplett drehte, geschah zuletzt im September 2019. Seinerzeit sah Arne Sicker schon in der 4. Minute die Rote Karte, woraufhin Carl Zeiss Jena im Laufe der zweiten Halbzeit in Führung ging. Moritz Stoppelkamp und Vincent Vermeij drehten die Partie jedoch – und zwar in der 75. und 86. Spielminute, was die Geschichte fast identisch zum vergangenen Wochenende erscheinen lässt.
Die Bedeutung für den MSV, sie könnte enorm sein. Gegen Meppen (3:0) und Würzburg (3:0) spielten die Zebras ihre Partien souverän herunter, gegen Verl wurde aus einem 0:2 noch ein 4:2 gezaubert – in Überzahl. Und jetzt erspielten sich die Duisburger das nächste Highlight für die eigene Moral, die ein Spitzenteam in der 3. Liga gut brauchen kann. Denn eine Fußballweisheit besagt, dass manches Team sich in guten Zeiten nur selber stoppen kann. Der MSV hat gezeigt, dass er sich aktuell nicht einmal selbst ein Bein stellen kann. MSV-Coach Hirsch warnte zuletzt schon vor Überheblichkeit oder Arroganz und wird das wohl auch weiter tun, denn vielerorts stellt sich schon mal die Frage, wer die Zebras eigentlich aufhalten soll.
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