90min
·5. Februar 2026
Kommentar zur Thioune-Verpflichtung: Zum Glück gezwungen

In partnership with
Yahoo sports90min
·5. Februar 2026

Als Werder Bremen am vergangenen Sonntag Horst Steffen nach dem 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach entließ, Sport-Geschäftsführer Clemens Fritz aber behielt, rieben sich viele Fans verwundert die Augen.
Schließlich machte der 45-Jährige vor allem in den letzten Monaten nicht die beste Figur – und musste dann bei der Trainersuche auch prompt zwei empfindliche Niederlagen einstecken: Sowohl Bo Hendriksen als auch Bo Svensson sagten den Grün-Weißen ab. Wunschkandidat Svensson angeblich aufgrund von Zweifeln am Kader und der Gesamtsituation.
Diese Begründung ist eine schallende Ohrfeige für Fritz und Werder generell, dennoch holte man aus dieser verzwickten Situation das Beste heraus. Statt Svensson holten die Hanseaten Daniel Thioune als neuen Trainer – und haben damit einen echten Glücksfall gelandet.
Vorneweg: Ja, Thioune hat noch nie in der Bundesliga gecoacht. Ja, es ist daher auch ein Risiko, einen Bundesliga-Novizen in so eine brenzlige Situation zu werfen, wie man sie aktuell in Bremen vorfindet. Und doch: Manchmal braucht es Mut zum Risiko.
Denn Thiounes System passt auf dem Papier besser zu Werder als das von Horst Steffen. Zur Erinnerung: Steffen ließ die Grün-Weißen in seinen letzten Spielen regelmäßig in einer 3-4-1-2-Formation auflaufen. Das Personal gab diese Aufstellung vor allem im Angriff jedoch eigentlich gar nicht her, unter anderem Samuel Mbangula wurde hier seiner Stärken beraubt, weil er als Schienenspieler agieren musste.

Samuel Mbangula könnte unter Daniel Thioune richtig durchstarten / DeFodi Images/GettyImages
Thioune hingegen baut seit Jahren auf eine Viererkette in einem 4-2-3-1- oder dem klassischen 4-3-3-System. Dabei ist er innerhalb dieser Systeme sehr flexibel. Bei Düsseldorf ließ er beispielsweise wahlweise ein defensives oder offensives 4-3-3 spielen. So machte er die Fortuna schwerer ausrechenbar und begeisterte obendrein mit ansehnlichem Fußball.
Während seiner drei vollen Saisons in Düsseldorf stellte die Fortuna die drittbeste, die beste und die viertbeste Offensive der Liga und landete auf Platz vier, drei und sechs. Es zeigt, dass Thioune ein perfekter Kandidat ist, um etwas Langfristiges aufzubauen.
Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Spielerentwicklung. In Düsseldorf half er unter anderem Christos Tzolis, Ao Tanaka oder Marco Engelhardt auf das nächste Level, die anschließend allesamt für viel Geld verkauft wurden.

Christos Tzolis entwickelte sich unter Daniel Thioune zum besten Spieler in der 2. Bundesliga / DeFodi Images/GettyImages
Genau diesen Weg will Bremen auch gehen, beispielsweise mit Karim Coulibaly oder Samuel Mbangula. Thioune hat bewiesen, dass er jungen Spielern vertraut und sie besser machen kann, anders als beispielsweise ein Bo Svensson.
Der ehemalige Trainer von Mainz 05 und Union Berlin steht eher für einen pragmatischeren Ansatz und hat im Gegensatz zu Thioune ein klares Limit. Er vertraut quasi ausschließlich auf ein 3-4-1-2-System, was bei Werder aus den offensichtlichen Gründen nicht funktioniert hätte.
Zudem ist er, was Spielerentwicklung angeht, für mich nicht auf einem Level mit Thioune – und gerade das ist ja ein Aspekt, der bei Werder seit diesem Jahr noch stärker im Fokus steht. Einzig Aaron Martin und Leandro Barreiro wurden unter Svensson für viel Geld verkauft, die großen Entwicklungssprünge im Mainzer Kader kamen erst mit Svenssons Nachfolger Hendriksen. Insofern hätte Fritz' Wunschlösung mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen mit nach Bremen gebracht.
Doch zurück zu Thioune: In meinen Augen ist er von allen genannten Kandidaten die beste verfügbare Wahl gewesen. Nicht nur, weil er bewiesen hat, dass er langfristig etwas aufbauen und Spieler weiterentwickeln kann, sondern auch, weil er für attraktiven Fußball steht, den Werder ja spielen lassen will.

Von Kollegen wie hier Nürnberg-Trainer Miroslav Klose wird Thioune hoch geschätzt / Jürgen Fromme - firo sportphoto/GettyImages
Ja, es ist ein Risiko, ihn ohne jegliche Bundesliga-Erfahrung einzustellen. Dennoch passt er von seiner Philosophie und von seinem Profil perfekt zu den Grün-Weißen. Und eine weitere Komponente, die man ebenfalls nicht unterschätzen darf, ist das Zwischenmenschliche. Diese kommt bei Thioune sehr stark zum Tragen.
Der 51-Jährige war bei jedem Verein ein absoluter Fanliebling und bei den Spielern hoch geschätzt und beliebt. Er ist ein Trainer, der eine Mannschaft und das Umfeld trotz seiner ruhigen und besonnenen Art mitreißen kann.
Und gerade in Bremen, wo die Fans und das Umfeld mit gefühlt keinem Trainer seit Thomas Schaaf wirklich richtig warm wurden, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Thioune hat das Potenzial, zu einer echten Identifikationsfigur in Bremen zu werden – und das, obwohl er nicht mal die erste Wahl war. Manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden.
Weitere Werder-News lesen:
Live


Live


Live




































