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·12. April 2026
Krise beim VfL Wolfsburg: Geld kann einen Plan nicht ersetzen

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·12. April 2026

Zwölf Spiele ohne Sieg, drei Punkte seit der Winterpause: Wolfsburg steckt tief im Abstiegskampf. Trainer Hecking, Führungschaos und strukturelle Probleme gefährden den Klassenerhalt.
Zwölf Spiele ohne Sieg, fünf Heimniederlagen in Serie, 21 Punkte nach 29 Spieltagen – und ein Trainer, der sagt: „Es geht wahrscheinlich nur noch um Platz 16." Dieter Hecking ist kein Panikmacher. Er war schon einmal in Wolfsburg, hat dort 2015 den DFB-Pokal gewonnen. Wenn ein Mann mit dieser Erfahrung öffentlich den Blick nach unten richtet, dann ist das kein taktisches Tiefstapeln.
Was Wolfsburg gerade erlebt, ist mehr als eine Ergebniskrise. Es ist die Offenlegung eines Konstruktionsfehlers. Seit November 2025 hat der Klub einen Trainer entlassen, einen Sportdirektor freigestellt, einen Geschäftsführer Sport verabschiedet – und trotzdem keinen Weg aus der Abwärtsspirale gefunden. Resultat: drei Punkte seit der Winterpause unter Hecking.
Man kann Personal austauschen, so oft man will: Wenn die sportliche Substanz fehlt, ändert ein neues Gesicht auf der Bank nichts am alten Problem.
Diego Benaglio, einst Torhüter des Meisterteams von 2009, heute übergangsweise Geschäftsführer Sport und gleichzeitig Aufsichtsratsmitglied, fand nach dem 1:2 gegen Frankfurt die passenden Worte: „Es fühlt sich an wie ein Schlag in die Fresse." Die Ehrlichkeit ehrt ihn. Aber sie wirft eine unbequeme Frage auf: Wie kann ein Klub, der auf die Milliarden eines Weltkonzerns zugreifen kann, derart planlos in eine Saison stolpern, dass am Ende ein Aufsichtsrat nebenher die operative Sportführung übernimmt? Benaglio ist ein verdienter Wolfsburger, keine Frage. Doch sein Doppelmandat – Aufsicht und Ausführung in einer Person – ist das Gegenteil professioneller Klubführung. Es ist Notbetrieb.
Oscar Højlund und Arnaud Kalimuendo trafen für Frankfurt bereits in der ersten Halbzeit, Dzenan Pejcinovics Kopfball in der siebten Minute der Nachspielzeit kam viel zu spät. Das Muster wiederholt sich: Wolfsburg rennt an, Wolfsburg verliert. Die längste Negativserie seit 1998, als der Klub noch ein echter Zweitligist war und nicht bloß einer, der sich als Erstligist verkleidet.
Vier Punkte Rückstand auf Platz 16, sechs auf das rettende Ufer. Heidenheim, das Schlusslicht mit einem Bruchteil des Wolfsburger Etats, hat nach dem 3:1 gegen Union Berlin auf zwei Zähler Abstand aufgeschlossen. Die Tabelle, sagte Benaglio selbst, lüge nicht. Sie erzählt die Geschichte eines Vereins, der sportliche Kompetenz auf allen Ebenen – Kaderplanung, Trainerauswahl, Führungsstruktur – durch finanzielle Absicherung ersetzt hat. Geld kann vieles kompensieren. Einen Plan nicht.
Hecking sagt, er sei kein Mann für Durchhalteparolen. Benaglio sagt, Liegenbleiben sei keine Option. Fünf Spiele bleiben, darunter Bayern München und Freiburg. Der Wille mag da sein. Das Problem in Wolfsburg war nie der Wille – sondern die Überzeugung, dass sich mit genug Geld schon irgendwer findet, der den Wille in Ergebnisse übersetzt. Diese Überzeugung liegt jetzt auf Platz 17.
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