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·14. Mai 2026

„Laufend Erinnern“: Führung zum Thema Zwangsarbeit in Schalke-Nord

Artikelbild:„Laufend Erinnern“: Führung zum Thema Zwangsarbeit in Schalke-Nord

Rund 40 Teilnehmende haben am Mittwoch (6.5.) die Ergebnisse der Forschung zum Thema Zwangsarbeit rund um die Glückauf-Kampfbahn im Stadtteil Schalke „miterlebt“. Die Veranstaltung der Projektgruppe „Laufend Erinnern“ machte an sechs Stationen Historie sichtbar, die lange im Verborgenen lag.

Die Glückauf-Kampfbahn markiert die erste Heimat der Königsblauen und ist für viele Schalkerinnen und Schalker untrennbar mit den größten Vereinserfolgen verbunden. Doch ihre Geschichte weist auch dunkle Seiten auf, die lange kaum bekannt waren. Die Arbeitsgruppe „Laufend Erinnern“ wurde vor sechs Jahren von der Schalker Fan-Initiative e.V. in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadtgeschichte (ISG) gegründet. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte aufzuarbeiten und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. In ihrem zweiten Projekt betreibt sie bürgerwissenschaftliche Forschung über Zwangsarbeit in Schalke-Nord.


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Startpunkt der Führung war das historische Tor der Glückauf-Kampfbahn. Der anschließende Rundgang über und um das Gelände führte an sechs Stationen mit Beiträgen zu verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten. Die Teilnehmenden erlebten eine interessante Mischung aus wissenschaftlichen Forschungsergebnissen und der Präsentation von Einzelschicksalen. Die Fans erfuhren, dass die Glückauf-Kampfbahn einst inmitten eines dicht besiedelten Industriekomplexes lag: Zechen, Stahlwerke, Glas- und Chemieindustrie prägten Schalke-Nord. Während die Aufrüstungspolitik des NS-Regimes ab Mitte der 1930er-Jahre für Vollbeschäftigung sorgte und die Wirtschaft florierte, wurden in den 40er-Jahren tausende Menschen zur Arbeit gezwungen. Allein in Gelsenkirchen wird die Zahl der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auf über 40.000 geschätzt, was zur damaligen Zeit gut ein Drittel aller Beschäftigten ausmachte.

Besonders eindrücklich ist die Geschichte eines Lagers an der Hubertusstraße des Werks von Grillo-Funke. Hier mussten zeitweise bis zu 700 Menschen unter schweren Bedingungen leben und arbeiten, vor allem russische Kriegsgefangene, italienische Militärinternierte und zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Am 4. November 1944 wurden in den Splitterschutzgräben 48 Italiener und fünf sogenannte Ostarbeiter durch Bomben getötet, die Folgetage forderten weitere Todesopfer. Ihr Sammelgrab befand sich bis 1958 an der Glückauf-Kampfbahn. Trotz dieses grausamen Schicksals erinnert dort heute nichts mehr an sie. Die Führung ist ein erster Schritt, die an sie Erinnerung ins Bewusstsein zurückzuholen.

„Ich fand besonders beeindruckend, dass wir auf neue Erkenntnisse gestoßen sind, die man auch beweisen kann. Man hört Erzählungen, sieht Zeichnungen und auf einmal taucht ein Luftbild auf, das alles bestätigt“, berichtet Dr. Sabine Kittel vom Institut für Stadtgeschichte über die Lage des Sammelgrabs. Die Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern beschreibt sie als bereichernd: „Der Austausch bei uns findet auf Augenhöhe statt und man hilft sich gegenseitig für das übergeordnete Ziel, neue Erkenntnisse zu gewinnen.“

Dr. Susanne Franke von der Schalker Fan-Initiative e.V. betont: „Die Geschichte ist nie zu Ende, solange wir uns für sie interessieren. „Laufend Erinnern“ hat zwei Bedeutungen: Einerseits erkunden wir die Hintergründe beim Laufen durch unsere Stadt, und auf der anderen Seite beschreibt das Laufende den kontinuierlichen Prozess der Forschung.“

Besonders bewegend bei der Führung: Mit Heinz Pfaff nahm auch ein Zeitzeuge teil. Er erinnert sich daran, als Kind das Massengrab der Zwangsarbeiter gesehen zu haben: „Da war ich ein kleiner Junge, vielleicht 10 Jahre jung. Ich lief mit meiner Mutter öfter dran vorbei. Es wurde nicht viel darüber gesprochen, aber ich wusste, dass dort die Italiener liegen. Die Hügel waren groß, sodass ich gar nicht darüber schauen konnte.“

Geschichte ist nicht zu Ende

Im Jahr 2004 gab der FC Schalke 04 als erster Bundesligist ein unabhängiges Gutachten in Auftrag, um seine NS-Vergangenheit analysieren zu lassen . Die Projektgruppe „Laufend Erinnern“ setzt diese Tradition der Aufarbeitung fort und zeigt: Das Gedenken an die Opfer bleibt lebendig, solange wir uns an sie erinnern.

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