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·9. Januar 2026

Lieberknecht: „Diese Erwartungshaltung ist Teil des Vereins“

Artikelbild:Lieberknecht: „Diese Erwartungshaltung ist Teil des Vereins“

Im ersten Teil unseres Interviews mit FCK-Trainer Torsten Lieberknecht haben wir mit dem Ur-Pfälzer über sein Fazit zur Vorrunde, Verbesserungspotenzial in der Spielausrichtung sowie die Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsspielen gesprochen. Im zweiten Teil spricht der 52-Jährige über die Breite des Kaders, das Nachwuchsleistungszentrum des FCK und die Erwartungshaltung der Fans.

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„Wollen den Kader aufwerten“

Treffpunkt Betze: Auch wenn der Kader nach der Rückkehr von Spielern wie Ivan Prtajin, Simon Asta, Mahir Emreli, Jisoo Kim oder Kenny Redondo breit aufgestellt ist, wurde in der Hinrunde selbst bei Siegen mehrfach deutlich, dass die Einwechselspieler das Leistungsniveau der Startelf nicht immer halten konnten. Siehst du hier Handlungsbedarf?

Torsten Lieberknecht: Wir haben klar darüber gesprochen, dass wir den Kader aufwerten wollen. Gerade bei einigen verletzten Spielern gibt es immer wieder Fragezeichen. Wann können sie wieder ins Mannschaftstraining einsteigen? Wann sind sie wirklich im Vollbesitz ihrer Kräfte? Das betrifft genau die von dir genannten Spieler.

Gleichzeitig will ich aber auch betonen: Wir haben unsere Punkte und Siege mit dem bestehenden Kader geholt. Auch Spieler, die in der Öffentlichkeit oft im Zusammenhang mit einem Abgang genannt werden, haben wichtige Beiträge geleistet. Wenn ich an das Spiel gegen Darmstadt denke, dann waren es genau diese Jungs, die das Spiel gedreht haben. Deshalb wäre es zu einfach, verlorene Punkte allein auf die Verletzungen zu schieben.

Treffpunkt Betze: Auf welchen Positionen würdet ihr im Winter dennoch gerne nachjustieren?

Torsten Lieberknecht: Wir haben das in der Vergangenheit bereits offen angesprochen. Aufgrund der Unwägbarkeiten sahen wir vor allem im Sturm Bedarf, der mit Norman Bassette nun aber gedeckt werden konnte. Zudem liegt aufgrund der Verletzungssituation bei Jisoo Kim und seines leider absehbar längeren Ausfalls ein Schwerpunkt auch auf der Innenverteidigerposition.

„Legitim, über die Situation nachzudenken“

Treffpunkt Betze: Stichwort Jisoo Kim. Der Spieler ist von Brentford ausgeliehen. Ist es in solchen Fällen üblich, dass ein Leihspieler seine Rehamaßnahme beim Stammverein absolviert?

Torsten Lieberknecht: Ja, das ist grundsätzlich nicht unüblich. Ohne die genauen Vertragsdetails zu kennen, ist es einfach so, dass der Stammverein ein großes Interesse daran hat, den Spieler eng zu begleiten. Brentford hat da klare Abläufe und kümmert sich intensiv um seine Spieler, die am Ende des Tages auch deren Kapital sind. Unglücklich war letztlich nur, dass er sich dort erneut verletzt hat.

Treffpunkt Betze: In den Medien wurde über mögliche Abgänge spekuliert. Welche sportliche Perspektive hätten diese Spieler beim 1. FC Kaiserslautern, wenn sie sich für einen Verbleib entscheiden sollten?

Torsten Lieberknecht: Ich habe bewusst nie Namen genannt und werde das auch nicht tun. Fakt ist: Die Spieler merken selbst, wie viele Einsatzminuten sie bekommen – nicht nur unter mir, sondern auch in der Vergangenheit. Wenn jemand den Anspruch hat, deutlich mehr zu spielen, ist es legitim, über seine Situation nachzudenken.

Solange ein Spieler Teil meines Kaders ist, wird er von mir fair behandelt und berücksichtigt. Natürlich kann jeder die Einsatzzeiten betrachten und sich ein eigenes Bild machen. Aber Spekulationen liegen nicht immer richtig. Dickson Abiama ist ein gutes Beispiel dafür. Ich sehe ihn deutlich positiver, als er teilweise wahrgenommen wird. Er hat Spiele mitentschieden, etwa gegen Darmstadt, und auch in anderen Partien gute Leistungen gezeigt. Gleichzeitig ist klar: Gerade in jungen Jahren ist Spielpraxis enorm wichtig. Ob er diese beim FCK oder in einer anderen Liga sammelt, muss jeder Spieler für sich selbst entscheiden.

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„Eines der schönsten NLZ in Deutschland“

Treffpunkt Betze: Die Nachwuchsarbeit spielt beim FCK traditionell eine große Rolle. Mit Dion Hofmeister, Owen Gibs und Erik Müller hast du zuletzt so viele junge Talente an die Profis herangeführt wie kein Trainer vor dir. Wie ordnest du das aktuelle Niveau des Nachwuchsleistungszentrums insgesamt ein, auch im Vergleich mit Nachwuchsleistungszentren mehr oder weniger benachbarter Vereine?

Torsten Lieberknecht: Infrastrukturell habe ich manchmal das Gefühl, dass wir uns unter Wert verkaufen. Für mich ist unser NLZ eines der schönsten in ganz Deutschland – von der Lage bis zu den Trainingsplätzen. Entscheidend sind aber immer die Menschen, die dort arbeiten. Und da sehe ich eine sehr hohe Qualität.

Wenn ich mir anschaue, wie dort ausgebildet und gefördert wird, würde ich jederzeit einen Jugendspieler dorthin schicken. Die größte Auszeichnung ist doch, dass Spieler wie Mika Haas, Leon Robinson, Erik Müller, Owen Gibs, Dion Hofmeister oder Enis Kamga bereits an den Profibereich herangeführt wurden. Mehr Lob kann es eigentlich kaum geben.

Treffpunkt Betze: Der FCK ist für dich eine absolute Herzensangelegenheit. Du weißt, wie schnell in Kaiserslautern die Emotionen hochschlagen. Nach den Niederlagen in Berlin oder gegen Magdeburg wurde es – zumindest im Netz – teilweise schon sehr unruhig. Teile der Kritik bezogen sich auch auf dich. Bist du überrascht, wie wenig Kredit ein Trainer beim FCK besitzt – gerade, wenn er aus der Region stammt?

Torsten Lieberknecht: Natürlich gibt es eine Erwartungshaltung an mich, und das ist auch völlig in Ordnung. Diese Erwartungshaltung ist Teil dieses Vereins, sie gehört zum FCK dazu. Und genau deshalb möchte ich sie auch erfüllen. Das ist mein Anspruch an mich selbst.

Gleichzeitig versuche ich, mich von vielen Dingen frei zu machen. Ich nehme nicht alles wahr, was rund um den Verein diskutiert oder geschrieben wird. Im Stadion spürt man sehr schnell, ob die Menschen zufrieden oder unzufrieden sind. Das ist ehrlich und direkt. Darüber hinaus beteilige ich mich an diesen Diskussionen aber eher nicht. Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, wie er Dinge bewertet und ob diese Bewertung wirklich gerecht ist. Mir ist dabei wichtig, dass es neben den emotionalen Stimmen auch viele gibt, die die Situation sachlich einordnen. Diese Stimmen gibt es, und sie sind für mich genauso wichtig wie die Emotionen.

„Ich möchte jeden Fan glücklich machen“

Treffpunkt Betze: Thomas Hengen hat jetzt öffentlich gemacht, dass es beim Spiel gegen Magdeburg von der Nordtribüne aus zu massiven Beleidigungen in Richtung der Lautrer Bank kam. Es wurde sogar gespuckt. Wie sehr trifft dich so etwas?

Torsten Lieberknecht: Das trifft mich natürlich. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und ich will hier vor allem eines: das Beste für den 1. FC Kaiserslautern. Ich möchte jeden Fan glücklich machen. Auch denjenigen, der mich im Moment vielleicht am liebsten wegschicken würde. Und genauso die 90-jährige Oma, die immer noch den Betze hochläuft. Alle gehören dazu. Wenn wir Spiele gewinnen, dann gönne ich das in erster Linie den Fans. Deshalb versuche ich jeden Tag, mein Bestes zu geben. Und das Wichtigste für mich ist: Ich kann jederzeit in den Spiegel schauen und weiß, dass ich alles investiere, damit wir erfolgreich sind – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

Trotzdem gibt es Momente, die nicht schön sind und einen treffen. Vor allem dann, wenn man diesen Job nicht nur als Job begreift, sondern mit Herzblut ausfüllt. Das lässt einen nicht kalt. Aber gerade in solchen Situationen ist es meine Aufgabe, für die Mannschaft voranzugehen und für sie da zu sein. Ich glaube, viele sehen das auch so. Manche würden sich vielleicht wünschen, dass ich die Mannschaft nicht immer schütze. Aber das ist mein Verständnis von Trainerarbeit: Ich stehe für meine Mannschaft ein – für jeden einzelnen Spieler.

Treffpunkt Betze: Kalli Feldkamp hat dich einmal davor gewarnt, als Trainer zu deinem Herzensverein zu wechseln. Kannst du diese Warnung nach den Erfahrungen der letzten Monate nachvollziehen?

Torsten Lieberknecht: (lacht) Nein, überhaupt nicht. Ich fahre zu jeder Zeit total glücklich nach Kaiserslautern und zum Betzenberg hoch. Ich arbeite mit jedem einzelnen hier sehr gut und sehr gern zusammen und würde gern meinen Teil dazu beitragen, dass auch die jüngere Generation den FCK mal in der Bundesliga spielen sieht und nicht immer nur davon erzählt bekommt.

Treffpunkt Betze: Welchen Verlauf müsste die Rückrunde nehmen, damit du nach dem 34. Spieltag von einer erfolgreichen Saison sprechen könntest?

Torsten Lieberknecht: Wenn wir besser abschneiden als im letzten Jahr, ist es erstmal okay. Wenn die Zuschauer dann noch sehen, dass da eine Mannschaft auf dem Platz steht, in der es jeder Spieler genießt, das FCK-Trikot zu tragen, und auch die entsprechende Mentalität mitbringt, ist das umso besser.

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