come-on-fc.com
·16. September 2026
Locho, Skhiri, Mensah, Moore und Dallinga: Neue Startelf-Einzelteile, noch kein großes Ganzes – Der FC braucht Zeit, aber nicht nur

In partnership with
Yahoo sportscome-on-fc.com
·16. September 2026


Elias Schnaubelt
16 September, 2026
Ein jeder Neuanfang ist schwer und bringt seine ganz eigenen Herausforderungen mit sich. Beim 1. FC Köln entschied man sich nach der Saison dazu, mit Cheftrainer René Wagner in die neue Spielzeit zu gehen. Während dort auf Kontinuität gesetzt wurde, staffierte man den Kader mit zahlreichen Neuzugängen aus. Einige davon bilden bereits in der Frühphase der Saison das Zentralgestirn der Mannschaft. In der Abwehr hat Luka Lochoshvili prompt das Kommando übernommen, flankiert von Gideon Mensah. Eine Ebene weiter vorn fungiert Ellyes Skhiri als Anker und Bindeglied zwischen Offensive und Defensive. Auf der Zehn wirbelt in bester Freigeist-Manier Mikey Moore, während im Sturmzentrum Strafraumräuber Thijs Dallinga sein Unwesen treibt. So zumindest die Theorie.
Gleich mehrere Neuverpflichtungen bilden die neue Achse
Ihr wollt immer aktuell informiert sein? Folgt dem WhatsApp-Kanal von come-on-fc.com.



Dass dieser Umbruch nicht einfach reibungslos von Statten geht, zeigten die vergangenen Spiele eindrucksvoll. In einzelnen Momenten und Phasen blitzte die Qualität eines jeden einzelnen klar sichtbar auf. Auch das Zusammenspiel funktionierte vereinzelt und präsentierte einen durchaus ansehnlichen Anblick. Sobald der Gegner den FC jedoch vor eine neue Aufgabe stellte, waren die Fragezeichen groß. „Ich glaube, dass jeder so ein bisschen mit sich selbst beschäftigt war und nicht so richtig wusste, was jetzt genau der Grund und der Fehler ist“, bilanzierte Linton Maina nach der Partie gegen Bremen. Damit trifft der 27-Jährige den Nagel auf den Kopf. Keiner weiß, was der Nebenmann im nächsten Moment tun wird. Die Automatismen sind noch nicht ausgereift. Das können sie aber auch noch nicht sein.
Das Hoffnungsvolle aus FC-Sicht ist die Tatsache, dass es nicht an der individuellen Qualität mangelt. Wenn in einer Situation einmal alles ineinandergegriffen hat, konnte jeder Neuzugang seinen Wert bereits unter Beweis stellen. Auch die Kaderstruktur wurde nach einem altbewehrten Muster zusammengestellt. Erfahrene, routinierte Abwehrrecken in der Defensive, junge, vielversprechende Spieler in der Offensive. Zudem mit Mikey Moore und Thijs Dallinga zwei Spieler, bei denen man über der eigenen Gewichtsklasse verpflichten konnte.
Mehr zum Thema:>> Das Führungsvakuum beim 1. FC Köln>> Die Kölner Standardschwäche
Es gibt allerdings nur wenige Beispiele, wo ein so großer Umbruch von heute auf morgen funktioniert hat. In den meisten Fällen wird die altgediente Achse über Jahre hinweg erneuert, sodass überhaupt kein wirklicher Bruch zu erkennen ist. Bei den Kölnern standen zuletzt gleich fünf Neuzugänge auf dem Platz. Dass da noch nicht alles rund läuft, ist eigentlich eingepreist. René Wagner ordnete die Situation nach der Partie gegen Bremen ein: „Das war jetzt Ellyes sein erster Startelfeinsatz. Von ihm versprechen wir uns natürlich für die Zukunft, dass er in genau den Phasen auch Führung übernimmt. Wir sind noch früh in der Saison. Auch für Mikey war es sein erster Beginn. Wir hatten auch andere die so noch nicht zusammengespielt haben und dann ist es für eine Mannschaft, wo wir gerade stehen, in Phasen auch mal ein bisschen schwieriger den Halt wieder zurückzubekommen.“
Hierfür ist es wichtig, Sprachrohre auf dem Feld zu haben. Nur sind auch diese mit Luka Lochoshvili und Ellyes Skhiri beide neu im Team. Erschwerend kommt hinzu, dass sie nicht immer Gehör finden. „Es ist natürlich dann schwer, in so einem lauten Stadion dann irgendwie jeden ranzuholen und mit jedem zu reden“, erklärte Linton Maina die Kommunikationsschwierigkeiten.
Im Optimalfall müssen auf dem Feld nicht mehr so viele Anweisungen gegeben werden, wenn jeder weiß, was er zu tun hat. Ja, der Umbruch braucht seine Zeit, aber auch der Trainer ist in die Pflicht zu nehmen. Die Mannschaft sah zuletzt nicht so aus, als wurden ihnen die passenden Lösungen an die Hand gegeben. Sobald der Gegner etwas änderte, wusste niemand mehr, was zu tun war. In der Folge verließ man sich auf das, was immer geht: Tief hinten reinstellen und auf Konter lauern. Zudem stellt sich die Systemfrage, wenn Spieler vermehrt – wie beispielsweise Lochoshvili gegen den VfB Stuttgart – in undankbare Situationen gebracht werden. Es ist die Aufgabe des taktischen Korsetts, die vorhandenen Spieler in die bestmöglichen Situationen zu bringen. Und zu guter Letzt ist da die fortwährende Thematik der Standardsituation. In der abgelaufenen Spielzeit bildeten die Domstädter mit 20 Standardgegentoren das Schlusslicht der Liga. In dieser noch jungen Saison scheinen sie ihren Titel verteidigen zu wollen. Die Schwäche beim ruhenden Ball ist also ebenfalls nicht mit der großen Menge an Neuzugängen zu rechtfertigen.
Nichtsdestotrotz muss man am Rhein nicht gleich alles zu dramatisch sehen. Die Mannschaft wird mit der Zeit zusammenwachsen, die Automatismen werden sich einschleifen. Darüber hinaus steht der Trainer vor einigen Aufgaben, um die Mannschaft optimal für die Begegnungen zu rüsten. Der Druck ist früh in der Saison bereits groß. Aber vielleicht ist der FC ja kein ICE, sondern eine Dampflok. Vielleicht brauchen sie erst etwas Druck, bevor sie richtig Fahrt aufnehmen können.







































