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·12. September 2026
Martín Demichelis in Leipzig vor dem aus? Klopp ist weg und Schäfer muss ihn allein verteidigen

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·12. September 2026

Leipzig. Es gibt Statements, die ein Klub veröffentlicht, weil etwas passiert ist. Und es gibt Statements, die ein Klub veröffentlicht, damit etwas nicht passiert. Das, was RB Leipzig am Freitagabend auf seine Website stellte, gehört zur zweiten Sorte. Geschäftsführer Sport Marcel Schäfer reagierte auf Berichte, wonach Trainer Martín Demichelis nach zwei Monaten im Amt „kaum Kredit“ in der Führungsetage habe und ihm am Sonntag gegen den Hamburger SV ein „Job-Endspiel“ drohe. Seine Antwort war lang, ruhig und in einem Punkt eindeutig: „Jeder hat unsere Unterstützung und unser Vertrauen.“
Man sollte den Satz zweimal lesen. Er sagt nicht: Demichelis hat unser Vertrauen. Er sagt: jeder.
Die Saison hatte begonnen, wie sie sollte. Souverän im Pokal, 3:0 gegen Gladbach zum Bundesliga-Auftakt, mit einem Debüttor von Rocco Reitz gegen seinen Ex-Klub. Dann kam Bremen: 1:3, mit Niclas Füllkrug als Torschützen für Werder, und die ersten kritischen Stimmen. Dann kam Como.
Der Champions-League-Auftakt am Donnerstag beim italienischen Debütanten endete 1:4. Como, trainiert von Cesc Fàbregas, gespielt um den 21-jährigen Nico Paz, war in der BBC-Saisonvorschau als „sehr unterhaltsame Mannschaft“ beschrieben worden – ein Team, das man beobachten sollte, nicht eines, gegen das man mit drei Toren Differenz verliert. Für einen Klub, der laut Sport1 Demichelis „nicht zuletzt verpflichtet hat, um RB auch auf europäischer Ebene wieder zu etablieren“, war es der falsche Abend. Ein Ausscheiden in der Ligaphase wie 2024/25 soll unbedingt vermieden werden. Nach einem Spieltag ist davon nichts entschieden. Aber die Richtung war sichtbar.
Das Statement hat drei Ebenen. Die erste ist das Eingeständnis: „Die beiden letzten Ergebnisse entsprechen nicht unserem Anspruch – das wissen wir und das reden wir auch nicht schön. Damit setzen wir uns intern sehr klar auseinander.“ Das ist die Formulierung, mit der man einem Trainer signalisiert, dass Gespräche stattfinden.
Die zweite ist die Erklärung: „Wir haben im Sommer viele Veränderungen vorgenommen, neue Spieler integriert und gleichzeitig immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen gehabt. Jetzt kommen wichtige Spieler zurück. Eine neu zusammengestellte Mannschaft braucht Zeit, um sich zu finden und Abläufe zu entwickeln. Das ist die Realität.“ Das ist die Formulierung, mit der man einen Trainer entlastet – und zugleich sich selbst. Denn die Veränderungen im Sommer hat nicht Demichelis vorgenommen. Yan Diomande für 125 Millionen Euro an Real verkauft, Reitz, Estève, Nkunku als Leihe geholt, dazu ein Trainerwechsel nach Platz drei: Das war Schäfers Sommer. Dpa merkt an, seine Transferpolitik werde „mitunter auch kritisch beäugt“. Wer den Trainer verteidigt, weil der Kader neu ist, verteidigt den, der den Kader gebaut hat.
Die dritte Ebene ist die Ansage: „Wir stehen zusammen, übernehmen gemeinsam Verantwortung und gehen unseren Weg konsequent weiter. Davon lassen wir uns auch durch die aktuellen Diskussionen nicht abbringen.“ Das ist an die „Bild“ gerichtet. Und an die Fans, bei denen Demichelis laut dpa „schon gehörig unter Druck“ steht.
Um zu verstehen, warum Schäfer so früh so ausführlich wird, muss man in den Juni zurück. Ole Werner hatte Leipzig mit 65 Punkten auf Platz drei geführt, Punkteschnitt 1,91, nach kicker-Zählung der drittbeste aller Leipziger Bundesliga-Trainer. Mitte Juni war er trotzdem weg – Schäfer sprach von der Notwendigkeit einer „veränderten Herangehensweise“. Nachfolger wurde Demichelis, 45, aus einer Ausstiegsklausel bei RCD Mallorca herausgekauft, wo er den Abstieg nicht hatte verhindern können. Vertrag bis 2028. Vorher: Bayern II, River Plate, Monterrey. Als Spieler 174 Bundesliga-Partien für den FC Bayern.
Die treibende Kraft hinter dem Wechsel war nach übereinstimmenden Berichten Jürgen Klopp – damals globaler Fußballchef bei Red Bull. Klopp ist seit August Bundestrainer. Der Mann, der die Entscheidung für Demichelis maßgeblich getroffen hat, ist nicht mehr im Konzern. Übrig ist Schäfer, der sie mitgetragen hat und jetzt allein dafür steht. Das erklärt den Ton des Statements besser als jede Tabelle: Ein Sportchef, der seinen Trainer fallen ließe, würde eine Entscheidung kassieren, die zwei Monate alt ist und seinen Namen trägt. Ein Sportchef, der ihn hält, muss Geduld predigen, die der Klub sonst nicht kennt.
Was für Demichelis spricht: Die Verletzungsliste ist real. Reitz fehlt seit dieser Woche mit einer Oberschenkelverletzung, nachdem er wegen eines Infekts bereits fast die gesamte Vorbereitung verpasst hatte – der 20-Millionen-Zugang, der das Mittelfeld stabilisieren sollte, hat zwei Pflichtspiele gemacht. „Jetzt kommen wichtige Spieler zurück“, sagt Schäfer. Wer, sagt er nicht.
Schäfer hat das Wort „Job-Endspiel“ nicht benutzt, und er hat ihm nicht widersprochen. Am Sonntag kommt der Hamburger SV in die Red Bull Arena – Tabellenletzter, ein Gegner, gegen den ein Klub mit Champions-League-Ambitionen zu Hause gewinnen muss. Dpa nennt einen Sieg „quasi alternativlos“. Danach folgt die Länderspielpause, zwei Wochen ohne Spiel, in denen ein Klub Entscheidungen treffen kann, ohne dass ein Spieltag dazwischenliegt.
Es ist die Konstellation, die im Fußball immer gleich abläuft: Der Sportchef spricht von Geduld, der Trainer braucht ein Ergebnis, die Pause wartet. Leipzig hat sie selbst geschaffen – mit einem Trainerwechsel nach einer guten Saison, einem Kaderumbau, der Zeit braucht, und einem Fürsprecher, der den Konzern verlassen hat. „Das ist die Realität“, schreibt Schäfer. Es ist eine, die er mitgestaltet hat. Und die er jetzt allein erklären muss.


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