Mbappé selbstkritisch: „Ich verteidige weniger und das kann ein Problem sein“ | OneFootball

Mbappé selbstkritisch: „Ich verteidige weniger und das kann ein Problem sein“ | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: REAL TOTAL

REAL TOTAL

·4. April 2026

Mbappé selbstkritisch: „Ich verteidige weniger und das kann ein Problem sein“

Artikelbild:Mbappé selbstkritisch: „Ich verteidige weniger und das kann ein Problem sein“
Artikelbild:Mbappé selbstkritisch: „Ich verteidige weniger und das kann ein Problem sein“

Mbappé gewährt spannende Einblicke – Foto: YouTube

Zwischen Weltstar-Status und Selbstreflexion

Es sind Sätze, die man von einem Spieler wie Kylian Mbappé nicht oft hört. Keine ausweichenden Antworten, keine PR-Floskeln, sondern ehrliche Einblicke. Gerade bei Real Madrid steht der Franzose naturgemäß im Mittelpunkt. Seine Leistungen werden analysiert, seine Körpersprache diskutiert, seine Rolle im Team hinterfragt. Umso bemerkenswerter ist es, dass er sich diesen Themen nicht entzieht, sondern sie aktiv anspricht. Im Gespräch mit The Bridge von ESPN Media wird deutlich: Mbappé weiß genau, wie er wahrgenommen wird und was von ihm erwartet wird.


OneFootball Videos


„Interviews sind wie ein Boxkampf“

Schon zu Beginn der Runde wird deutlich, warum dieses Gespräch anders verläuft als gewohnt. Klassische Interviews, so erklärt Mbappé, seien für ihn oft „wie ein Boxkampf“, bei dem es weniger um Inhalte gehe, sondern vielmehr darum, sich gegen kritische Fragen zu behaupten: „Ich habe Interviews satt. Du verteidigst dich, der Journalist möchte nur, dass du Dinge sagst, die du nicht sagen willst und die er hören möchte“, beschreibt er diese Dynamik. Umso mehr genieße er es, in einem persönlicheren Umfeld zu sprechen: „Hier sprechen wir einfach, es ist natürlicher.“ Genau dieser Rahmen sorgt dafür, dass der französische Offensiv-Star im weiteren Verlauf deutlich offener agiert als üblich. Auch Aurélien Tchouaméni war dabei und lenkte das Gespräch immer wieder bewusst in eine lockere, persönliche Richtung und schaffte damit Raum für ehrliche Antworten.

„Ich verteidige weniger“

Der wohl prägnanteste Moment des Interviews ist Mbappés Gedanke zur eigenen Defensivarbeit. Eine Thema, das ihn seit Jahren begleitet und so gesteht er offen: „Ich bin ein Spieler, der etwas weniger verteidigt als die anderen und manchmal kann das ein Problem sein.“ Eine bemerkenswert klare, fast schon ungewohnt direkte Analyse. Gerade in einer Mannschaft wie Real Madrid, in der kollektives Pressing und Defensivarbeit zentrale Elemente sein sollten, ist dieser Punkt entscheidend. Doch Mbappé bleibt nicht bei der Kritik an sich selbst stehen. Er erklärt auch, wie sehr sein Verhalten das Team beeinflusst: „Die Leute sehen nur Tore und Assists, aber Fußball ist mehr als das. Es stimmt, dass ich weniger tue, aber wenn ich den ersten Schritt mache, wenn ich anfange zu pressen, dann folgen die anderen.“ Eine Aussage, die seine Rolle als Führungsspieler unterstreicht – nicht nur offensiv. Tchouaméni greift diesen Gedanken auf und betont, wie wichtig genau diese Details auf höchstem Niveau sind. Jeder Spieler müsse seinen Beitrag leisten, gerade in den Momenten ohne Ball. Dass Mbappé dieses Thema so offen anspricht, zeigt auch seinen Umgang mit Kritik: „Ich weiß, was die Leute sagen. Ich weiß, dass ich kritisiert werde, ich höre das alles. Konstruktive Kritik stört mich nicht. Anstatt sich davon zu distanzieren, bleibt er reflektiert: „Ich bin nicht perfekt. Ich weiß, dass ich mich verbessern kann.“ Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Gespräch. Mbappé wirkt nicht wie ein Spieler, der sich rechtfertigt, sondern wie einer, der seine Entwicklung bewusst steuert.

„Wollte nicht mehr für Frankreich spielen“

Neben den sportlichen Themen wird das Interview auch sehr persönlich. Besonders eindrücklich schildert Mbappé die Zeit unmittelbar nach der Europameisterschaft 2021. Nach seinem verschossenen Elfmeter gegen die Schweiz wurde er massiv rassistisch beleidigt: „Ich bin in den Urlaub gefahren und war wie ein toter Mann“, beschreibt er seinen Zustand damals. Die Angriffe hätten ihn tief getroffen: „Sie haben mich einen Affen genannt. In solchen Momenten fragst du dich: Warum mache ich das alles? Ich fragte mich, ob das wirklich die Menschen sind, für die ich auf dem Platz kämpfe.“ Die Konsequenz war drastisch: „Ich wollte nicht mehr für Frankreich spielen“, sagt Mbappé offen. Er habe sogar das Gespräch mit dem Verband gesucht: „Ich habe gesagt: Ich höre auf. Ich will das nicht mehr.“ Ex-Blanco und PSG-Verteidiger Achraf Hakimi zeigt im Gespräch großes Verständnis für diese Phase: „Die Leute sehen nicht, was hinter den Kulissen passiert. Das ist schwer.“ Seine Worte unterstreichen, wie belastend solche Erfahrungen für Spieler sein können, gerade mit Blick auf Mbappés Anfangszeit in der Nationalmannschaft: „Ich habe direkt die Weltmeisterschaft gewonnen und wurde zum Nationalhelden. Das war tatsächlich nicht einfach.“

„Machte einfach keinen Sinn mehr“

Hakimi, der immer wieder mit einer Rückkehr an die Concha Espina in Verbindung gebracht wird, bringt ebenfalls eigene Themen ein und spricht über seine Entscheidung gegen die spanische und für die marokkanische Nationalmannschaft: „Spanien kontaktierte mich mehrfach, aber ich fühlte mich unwohl. Ich habe mich für Marokko entschieden, weil das ein Teil von mir ist.“ Diese persönliche Perspektive ergänzt das Gespräch und zeigt, wie wichtig Identität und Herkunft im modernen Fußball sind. Auch Mbappé erklärt seinen Entschluss für die französische Nationalmannschaft, obwohl seine Eltern Wurzeln im Kamerun und Algerien haben: „Ich bin in Frankreich geboren und Franzose. Ich habe mein ganzes Leben dort verbracht und bin mit der Kultur aufgewachsen.“ Auch die Verbindung zwischen ihm und Hakimi, mit dem er regelmäßig in den Urlaub fährt, wird während des Interviews immer wieder deutlich. „Er ist wie ein Bruder für mich“, betont der Franzose über den ehemaligen Madrilenen. Diese Vertrautheit sorgt für eine besondere Dynamik zwischen Humor und Ernsthaftigkeit. Auch seine letzten Monate bei Paris Saint-Germain kommen zur Sprache. Mbappé beschreibt diese Phase als schwierig: „Es war kompliziert. Viele Dinge sind passiert.“ Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, wird klar, dass ihn diese Zeit geprägt hat. Sein Fazit fällt entsprechend eindeutig aus: „Nach sieben Jahren war es Zeit zu gehen.“ Hakimi ergänzt: „Wir haben viel zusammen erlebt. Gute und schwierige Momente.“

Mappé äußert sich darüber hinaus auch zu seinem Ex-Coach Luis Enrique: „Er ist ein großartiger Trainer und sagt immer, was er denkt. Leider hatte ich ihn aber in meinem letzten Vertragsjahr und das war eine Achterbahn der Gefühle.“ Im Rückblick auf den späteren Champions-League-Titel von PSG nach seinem Abschied betont er, dass er keinen Groll empfand: „Ich hatte das Gefühl, am Ende eines Kapitels angelangt zu sein. Sieben Jahre, ich hatte alles erreicht: Viertelfinale, Halbfinale, Finale. Es machte einfach keinen Sinn mehr, weiterzumachen.”

„Würde heute absurde Gehälter verdienen“

Neben all den persönlichen und sportlichen Themen wird Mbappé auch grundsätzlicher, wenn es um seine Vorbilder und seinen eigenen Karriereweg geht. Dabei nennt er zwei Namen, die bei Real Madrid kaum größer sein könnten: Zinédine Zidane und Cristiano Ronaldo. „Mein erstes Idol war Zidane und Cristiano kam danach.“ Vor allem Ronaldo habe ihn in seiner Entwicklung als Offensivspieler geprägt: „Als Stürmer hat Cristiano jede mögliche Version dieser Rolle gezeigt.“ Aber auch Lionel Messi, mit dem er in Paris zwei Jahre lang gemeinsam auf dem Platz stand, machte ihn sprachlos: „Wir machten Abschlussübungen und während Neymar und ich sechs oder sieben von insgesamt zehn Schüssen trafen, verwandelte Messi alle identisch und perfekt platziert.Doch nicht nur auf dem Platz zieht Mbappé klare Linien – auch abseits davon. Überraschend offen spricht er über das Thema Geld und Verträge: „Mein Vater hat sich nie um meine Deals gekümmert. Wenn er das getan hätte, würde ich heute wahrscheinlich absurde Gehälter verdienen.“ Stattdessen habe man sich bewusst für einen anderen Weg entschieden. Weniger Fokus auf maximale Einnahmen, mehr auf sportliche Entwicklung und persönliche Überzeugung.

Verwandte Beiträge

Sieben Blancos unter 90 Minuten

Diese Länderspielpause hatte es in sich: ein paar Erfolgserlebnisse, viel Rotation und... weiterlesen

Atlético-Prüfer und Probleme beim Einparken

Für einen der lockersten Momente des Gesprächs sorgt eine Anekdote rund um Mbappés Führerschein. Reals Nummer 10 erzählt, dass er seine Fahrerlaubnis ursprünglich in Paris machen wollte, das Ganze dort aber „zu kompliziert“ gewesen sei. In Madrid habe man dann vor wenigen Wochen eine diskrete Lösung gefunden – eine Art private Prüfungssituation, anonym und ohne großes Aufsehen. Doch damit nicht genug: Tchouaméni kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen und kommentiert trocken: „Er hat bestanden, weil er bezahlt hat.“ Mbappé kontert prompt mit einem Grinsen und stellt klar: „Wenn du gut fährst, musst du bestehen.“ Die Pointe folgt direkt danach: Ausgerechnet der Prüfer sei Atlético-Fan gewesen. Eine Konstellation, die das Ganze aus Madrider Sicht natürlich noch unterhaltsamer macht. Ganz ohne kleine Pannen lief die Sache aber trotzdem nicht. Der Angreifer gibt zu, dass er einmal beim Einparken gescheitert ist und das auch noch vor laufender Kamera: „Wenn du gefilmt wirst, bist du ein bisschen nervös.“

Eine klare Botschaft

Zum Schluss erklärt der französische Angreifer noch seinen leicht provokanten Torjubel gegen Joško Gvardiol im Playoff-Rückspiel der UEFA Champions League gegen Manchester City in der vergangenen Saison: „Es begann im Hinspiel. Bei einem Konter grätschte er mich um und rief: Yeah! Ich vergesse so etwas nicht.“ Unterm Strich bleibt der Eindruck eines Spielers, der sich seiner Rolle voll bewusst ist. Mbappé spricht nicht nur über seine Stärken, sondern benennt auch klar seine Schwächen: „Ich kann mich noch verbessern und ich will das auch.“ Gerade seine Aussagen zur Defensivarbeit stechen hervor. Sie zeigen einen Superstar, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und sich weiterzuentwickeln. Für Real Madrid könnten das entscheidende Worte für die zukünftige Entwicklung sein.

REAL TOTAL-App

Neu: Wir haben die REAL TOTAL-App nicht nur geupdatet, sondern neu entwickelt – und das diesmal inhouse! So können unsere Gold-Supporter die neue App jetzt runterladen via Apple und Android.

Impressum des Publishers ansehen