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·17. April 2026

Michael Urbansky: "Diese Fortschritte zu sehen, ist wichtig"

Artikelbild: Michael Urbansky: "Diese Fortschritte zu sehen, ist wichtig"

Mit zwei Siegen gegen Belgien und Italien hat die deutsche U 23-Frauen-Nationalmannschaft ihre Länderspielrunde 2025/2026 erfolgreich auf Platz fünf beendet. Im Interview mit DFB.de zieht Cheftrainer Michael Urbansky ein insgesamt positives Fazit – geprägt von klaren Entwicklungsschritten, wachsendem Selbstverständnis und wichtigen individuellen Durchbrüchen.

DFB.de: Herr Urbansky, am Ende ist es der fünfte Platz mit insgesamt sechs Siegen aus acht Spielen – wie ordnen Sie die gesamte U 23-Länderspielrunde 2025/2026 ein, auch mit Blick auf die Entwicklung der Mannschaft?


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Michael Urbansky: Insgesamt sehr positiv. Wenn wir chronologisch zurückblicken, sind wir im Oktober mit einem starken Auftritt gegen England gestartet. Das war ein überraschend deutlicher Sieg in Fulda, bei dem vieles sehr schnell funktioniert hat. Danach hatten wir Spiele, die insgesamt zufriedenstellend waren, aber auch Phasen mit Auf und Abs. Gegen Teams wie Portugal oder Norwegen haben wir uns durch eigene Fehler um den Lohn gebracht. Auffällig war: Gegen Gegner, die selbst aktiv mitspielen – etwa Frankreich, England oder Schweden – sind wir oft leichter ins Spiel gekommen. Gegen tiefstehende Mannschaften haben wir hingegen Potenziale erkannt, an denen wir im Training intensiv gearbeitet haben. Insgesamt also ein gutes Fazit, aber mit typischen Schwankungen, wie sie zu einer U 23 gehören.

DFB.de: War das auch einer der wichtigsten Erkenntnisse – dass sich die Mannschaft gegen tiefstehende Gegner schwerer tut?

Urbansky: Das ist definitiv ein zentraler Punkt. Die Spielerinnen wollen in ihrer Ausbildung oft sehr schnell nach vorne spielen. Der nächste Schritt ist, Geduld zu entwickeln: einen tiefen Block zu bespielen, ohne hektisch zu werden, wenn Dinge nicht sofort funktionieren. Diese Ruhe aufzubringen und gleichzeitig im richtigen Moment konsequent und dynamisch nach vorne zu spielen – das ist ein wichtiger Entwicklungsschritt.

DFB.de: Wie gut ist es Ihrer Mannschaft gelungen, die Trainingsinhalte in die Spiele zu übertragen?

Urbansky: Sehr gut. Das gilt für die gesamte Runde, aber besonders für die Maßnahme in Spanien, wo wir etwas mehr Zeit hatten. Die Spielerinnen haben top mitgezogen. Wir haben Trainingsformen angeboten, die Freude machen, aber gleichzeitig unsere Schwerpunkte transportieren. Die Bereitschaft und das Engagement waren herausragend.

DFB.de: In welchen Bereichen hat sich die Mannschaft am stärksten verbessert?

Urbansky: Vor allem im Defensivbereich. Ähnlich wie die A‑Mannschaft agieren wir häufiger aus einem etwas tieferen Mittelfeldpressing heraus. Dabei geht es darum, aktiv zu bleiben und bewusst zu entscheiden, wo wir den Ball gewinnen wollen. Das entspricht oft nicht dem, was die Spielerinnen aus ihren Vereinen gewohnt sind. Deshalb haben wir viel Zeit investiert. Perfekt ist es noch nicht, aber im Vergleich zum Start der Runde haben wir große Schritte gemacht.

DFB.de: Wie perfektionistisch sind Sie dabei?

Urbansky: Sehr – manchmal vielleicht zu sehr (lacht). Perfektionismus kann auch hinderlich sein. Aber wir vermitteln den Spielerinnen, hohe Ansprüche an sich selbst zu haben, und das gilt auch für uns als Trainerteam. Vielleicht tut uns manchmal etwas mehr Lockerheit gut, aber auch das ist Teil unserer eigenen Entwicklung.

DFB.de: Sie haben viel rotiert. Wie wichtig war es, vielen Spielerinnen Einsatzzeit zu geben?

Urbansky: Sehr wichtig. Eine gesunde Fluktuation tut jeder Gruppe gut. Spielerinnen, die in der Bundesliga auffallen, sollen die Chance bekommen, sich zu zeigen. Gleichzeitig gilt das Leistungsprinzip: Wenn Entwicklungsschritte ausbleiben, rücken andere nach. Das ist normal und wichtig.

DFB.de: Gab es Muster oder Trends, die Ihnen besonders positiv aufgefallen sind?

Urbansky: Die U 23 hat sich als Marke sehr positiv entwickelt. Das hat man schon in Fulda mit über 3000 Zuschauer*innen gesehen, aber auch in Frankfurt oder Wattenscheid. Der Stellenwert der Mannschaft wächst. Auf individueller Ebene freut mich die Entwicklung von Spielerinnen wie Larissa Mühlhaus, Jella Veit oder Sarah Mattner, die den Sprung in die A‑Nationalmannschaft geschafft haben. Genau das ist unser Ziel.

DFB.de: Wie stolz sind Sie auf die Spielerinnen, die nun ihre ersten Schritte im A‑Team gemacht haben?

Urbansky: Sehr stolz. Für Larissa hat es mich genauso gefreut wie für Jella – und jetzt für Sarah, die erst zum zweiten Mal bei uns war und direkt nachnominiert wurde und das ausgerechnet gegen Österreich. Sie spielt bei St. Pölten in der österreichischen Liga – und zeigt, wie schnell es manchmal gehen kann. Wenn man weiß, welche Persönlichkeiten hinter diesen Spielerinnen stehen, freut man sich doppelt: für den Menschen und für die Sportlerin. Und es zeigt allen anderen im Kader, dass der letzte Schritt wirklich möglich ist.

DFB.de: Genau diese Geschichten machen die U 23 als Entwicklungsmannschaft aus. Wie sehr leben Sie diesen Ansatz?

Urbansky: Sehr. Natürlich wollen wir Spiele gewinnen, aber im Mittelpunkt steht immer die inhaltliche Weiterentwicklung – sowohl im Mannschaftsverbund als auch individuell. Wir arbeiten viel mit Einzelanalysen vor und nach den Spielen und bieten Individualtraining an. Unser Ziel ist, die Spielerinnen so vorzubereiten, dass der Sprung in die A‑Mannschaft kein komplett neues System bedeutet, sondern sich möglichst nahtlos anfühlt.

DFB.de: Wie wichtig war es, die Runde mit zwei Siegen – zuletzt dem 1:0 gegen Italien – abzuschließen?

Urbansky: Sehr wichtig. Ein gutes Gefühl ist immer wertvoll und Siege erzeugen dieses Gefühl. Nach dem Belgien‑Spiel und jetzt gegen Italien war es schön, die Maßnahme positiv zu beenden. Gleichzeitig darf man sich von Gefühlen nicht täuschen lassen. Auch nach einem Sieg muss man die Haltung und die Bereitschaft beibehalten, die man im Training und in der Vorbereitung gezeigt hat.

DFB.de: Was war an den zwei Siegen besonders positiv?

Urbansky: Wenn man die Spiele vergleicht, waren das Portugal- und Belgien-Spiel sehr ähnlich: viel Ballbesitz, ein tiefstehender Gegner. Gegen Belgien waren wir geduldiger und klarer in unseren Aktionen. Das war der Unterschied. Diese Fortschritte zu sehen, ist wichtig – auch wenn wir durch die Niederlage gegen Portugal das Final Four verpasst haben. Aber über allem steht, was mit den drei Spielerinnen passiert ist, die den Sprung nach oben geschafft haben. Dafür verzichte ich gerne auf ein Final Four.

DFB.de: Im Juni stehen in Halle und Leipzig zwei Länderspiele gegen Dänemark an. Was haben Sie sich für beide Partien vorgenommen?

Urbansky: Wir wollen die Saison gut abschließen und freuen uns auf die Spiele in Leipzig und Halle – Regionen, in denen wir nicht so oft sind. Es wird erneut Veränderungen im Kader geben, weil wir weiteren Spielerinnen die Chance geben wollen, sich zu präsentieren. Inhaltlich arbeiten wir konsequent weiter an unseren Themen.

DFB.de: Und was ist das Ziel für die Saison 2026/2027?

Urbansky: Das Ziel bleibt klar: Wir wollen den Einzug ins Final Four schaffen. Gleichzeitig kommen neue Spielerinnen aus dem Jahrgang 2007 hoch, die internationale Erfahrung sammeln sollen. Ich freue mich darauf zu sehen, wer sich festbeißt und wer neu dazukommt. Und natürlich auf spannende Spiele – unter anderem gegen und in Schottland. Darauf freuen wir uns sehr.

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