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·1. Oktober 2026

Nach dem City-Schuldspruch kommen die Rechnungen der Rivalen

Artikelbild:Nach dem City-Schuldspruch kommen die Rechnungen der Rivalen

115 Anklagepunkte, 115 Schuldsprüche, rund 900 Millionen Pfund in Scheinverträgen – und trotzdem ist die Strafe der Liga womöglich Manchester Citys kleineres Problem. Das größere sitzt in den Rechtsabteilungen der Konkurrenz.

Die Ausgangslage: schuldig, aber noch ohne Strafe

Am Dienstag hat die Premier League den Spruch der unabhängigen Kommission veröffentlicht. City habe zwischen 2009/10 und 2017/18 über Scheinverträge mit Sponsoren die Einnahmen künstlich erhöht und Kosten verschleiert. Das Strafmaß steht aus, der Klub bestreitet alles und wird Rechtsmittel einlegen. Die Sportschau hat die möglichen Folgen des Urteils aufgeschlüsselt und nennt ein Detail, das für alles Weitere zählt: Eine Verjährung kennen die Regeln der Liga nicht. Daran war 2020 das UEFA-Verfahren vor dem CAS gescheitert.


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Punktabzug, Geldstrafe, im äußersten Fall Ausschluss – darüber wird nun monatelang spekuliert. Spannender ist, was unabhängig vom Strafmaß in Gang kommt.

Vier Klubs haben sich das Klagerecht längst gesichert

Arsenal, Liverpool, Manchester United und Tottenham haben sich bereits 2024 formell das Recht vorbehalten, Schadenersatz zu verlangen. So verhinderten sie, dass ihre Ansprüche verfristen, wie das Londoner Wirtschaftsblatt City AM berichtet. Der „Independent“ beziffert das mögliche Volumen auf mehr als 200 Millionen Pfund, andere Schätzungen liegen bei über 100 Millionen je Klub. Wohlgemerkt: Das sind Schätzungen, keine eingereichten Forderungen. Verhandelt würde nach übereinstimmenden Berichten erst, wenn Citys Berufungsweg ausgeschöpft ist.

Wer auf welchen Platz zeigen kann

Ein Blick in die Abschlusstabellen des fraglichen Zeitraums zeigt, wo die Anwälte ansetzen dürften.

Dazu kommen vier Pokalfinals, die City in dieser Zeit gewann: 2011 gegen Stoke, 2014 gegen Sunderland, 2016 gegen Liverpool, 2018 gegen Arsenal.

Das Rechenspiel: Eine Tabelle ohne City existiert nicht

So eindeutig die Liste aussieht, so wacklig ist sie juristisch. Wer klagt, muss belegen, dass gerade Citys Regelbruch den eigenen Platz gekostet hat, und den Schaden beziffern. Hätte United 2012 den Titel geholt, wenn City sauber bilanziert hätte? Vermutlich. Beweisbar? Das ist eine andere Hausnummer. Mit weniger Geld wäre City schwächer gewesen. Aber um wie viele Punkte?

Dass solche Klagen trotzdem Erfolg haben können, zeigt der Fall Burnley. Dem Absteiger von 2022 wurden laut Sportschau mehr als 35 Millionen Pfund von Everton zugesprochen, weil Everton trotz Regelverstößen die Klasse hielt. Die Entscheidung wird nach Angaben von City AM allerdings angefochten. Und Evertons Verstoß war gemessen an Citys neun Jahren eine Bagatelle.

Vom Titelkampf bis ins Tabellenmittelfeld

Hält der Schuldspruch, sind mehrere Kettenreaktionen denkbar:

  • Sammelklage der Liga-Konkurrenz: Die Premier League schüttet Prämien nach Tabellenplatz aus. Theoretisch hat jeder Klub, der hinter City landete, einen Rang verloren – Saison für Saison.
  • Pokalfinalisten: Stoke oder Sunderland entgingen Trophäen, Prämien und im Fall Stoke womöglich ein besserer Europapokal-Einstieg.
  • Sponsoren: Von City AM befragte Juristen halten auch den Absprung von Partnern für möglich.
  • UEFA: Laut Kommission wurden auch die Ausgabengrenzen des europäischen Verbands überschritten. Ob Nyon den Fall noch einmal anfasst, ist offen.
  • Titelaberkennung: Im Fußball selten, aber nicht ohne Vorbild – Juventus verlor die Meisterschaften 2005 und 2006, Marseille die von 1993.

Und wenn City vor der Berufungsinstanz gewinnt?

Dann fällt das gesamte Gebäude in sich zusammen. Auch das gehört zur Wahrheit. Bis dahin vergehen Monate, eher Jahre – und City ist aktuell Tabellenführer. Eine Meisterschaft unter laufendem Verfahren wäre für die Liga der unangenehmste aller Ausgänge.

Einen Punktabzug sitzt man in einer Saison ab. Über Schadenersatz streitet man ein Jahrzehnt. Wer neun Jahre lang die Bücher frisiert, sollte nicht darauf hoffen, dass die Nachbarn vergesslich sind.

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