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·23. August 2026

Nach Reals Auftaktsieg: Warum der Start Lust auf mehr macht

Artikelbild:Nach Reals Auftaktsieg: Warum der Start Lust auf mehr macht
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José Mourinho bricht Strukturen auf – Foto: Alex Caparros/Getty Images

Bankwaffe Espí

Als am Samstagabend in Barcelona die Uhr Richtung 90. Minute lief, war das Spiel eigentlich schon auf dem Weg in jene Kategorie, die Real Madrid in den vergangenen Jahren zu oft erlebt hatte: Viel Ballbesitz, viel individuelle Qualität, aber irgendwann fehlt der letzte Punch. Doch dann kam Carlos Espí. Der 21-Jährige, erst zehn Minuten zuvor eingewechselt, stand dort, wo ein Mittelstürmer stehen muss. Ein freier Ball, ein kurzer Moment der Unordnung, und Espí drosch ihn zum 2:1 ins Netz. Kein Kunstwerk, kein Tor für eine Fußballästhetik-Ausstellung, sondern ein Tor, das etwas über dieses neue Real Madrid erzählt: Wenn es hässlich wird, soll diese Mannschaft trotzdem gewinnen. Und plötzlich war dieser typische Madrid-Moment wieder da. Nicht unbedingt Dominanz, nicht zwingend Überlegenheit, sondern die Gewissheit, dass das Spiel erst vorbei ist, wenn der Gegner wirklich erlöst ist.


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Carlos Espí ist deshalb mehr als nur der Mann des Abends. Seine Aufgabe in Madrid ist zunächst klar umrissen: Er soll eine Waffe sein. Wenn Mbappé Räume braucht, Vinícius Geschwindigkeit und Bellingham Dynamik, bringt Espí etwas völlig anderes mit: Größe, Präsenz, Wucht im Strafraum. Er ist der Spieler, den man in ein festgefahrenes Spiel werfen kann, wenn die feine Lösung nicht mehr funktioniert. Wenn zehn Gegenspieler hinter dem Ball stehen und irgendwann nur noch Zentimeter entscheiden.

Und José Mourinho hat genau diese Situation gegen Espanyol genutzt. Espí kam in der 80. Minute, zehn Minuten später hatte er das Spiel entschieden. Das Entscheidende daran: Madrid hat plötzlich eine echte Bankwaffe. Nicht mehr nur eine Ansammlung großer Namen auf der Ersatzbank, sondern unterschiedliche Spielertypen, mit denen Mourinho eine Partie verändern kann. Das ist für eine lange Saison enorm wertvoll.

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Blitzstarter Konaté

Noch auffälliger als Espí war zunächst aber ein anderer Neuzugang: Ibrahima Konaté. Der Franzose stand direkt in Mourinhos erster Startelf. Kein langsames Heranführen, kein „erst einmal ankommen“, sondern direkt rein ins Zentrum der Abwehr, neben Dean Huijsen, und los. Konaté sollte genau das verkörpern, was Madrid in den vergangenen Jahren teilweise gefehlt hat: Physis, Geschwindigkeit und Präsenz in den direkten Duellen. Und schon gegen Espanyol war zu sehen, warum Mourinho ihn wollte. Konaté gewann Luftduelle, räumte Situationen weg und brachte eine Dimension in die Defensive, die über reine Passqualität hinausgeht. Gemeinsam mit Huijsen kam er auf zehn wichtige Klärungsaktionen.

Sein Einstand war nicht fehlerfrei. Aber das ist fast nebensächlich, denn interessanter ist das Signal dahinter: Real beginnt wieder, Spiele auch über Körperlichkeit zu kontrollieren. Der Gegner soll nicht mehr einfach durch die erste Linie laufen können. Er soll spüren, dass hinter ihr jemand wartet.

Arda ist voll da

Wenn es einen Spieler gibt, der an diesem ersten Abend besonders deutlich gemacht hat, warum der Konkurrenzkampf unter Mourinho so interessant werden könnte, dann ist es Arda Güler. Der Türke war gegen Espanyol einer der auffälligsten Madrilenen. Er bereitete Bellinghams Führungstor mit einer präzisen Flanke vor und war darüber hinaus ständig an den gefährlichen Aktionen beteiligt. Sieben Key-Pässe wurden ihm zugeschrieben.

Und genau hier beginnt die Geschichte von Yan Diomande. Der Ivorer ist einer der spektakulärsten Neuzugänge des Sommers. 125 Millionen Euro soll Real für den 19-Jährigen investiert haben. Das ist eine Ansage, denn ein Spieler mit diesem Preisschild kommt normalerweise nicht nach Madrid, um lange auf der Bank zu sitzen. Nur: Mourinho interessiert sich nicht für Preisschilder. Gegen Espanyol saß Diomande zunächst draußen. Güler spielte. Und Güler lieferte.

Das ist vielleicht eine der spannendsten Erkenntnisse dieses Auftakts. Denn genau diesen Zustand wollte Mourinho schaffen: keine automatische Startelf, keine unverrückbaren Hierarchien, keine Garantie, nur weil jemand teuer war oder einen großen Namen trägt. Güler ist in diesem Moment die Barriere für den Neuzugang, und das ist gut für Beide. Denn Diomande muss sich seinen Platz verdienen, und Güler muss beweisen, dass er ihn behalten kann.

Konkurrenzkampf als Philosophie

Man musste Mourinho vor und nach dem Spiel eigentlich nur zuhören, um zu verstehen, was sich in Madrid jetzt schon verändert hat. Der Trainer sprach nicht von einer „idealen Startelf“. Im Gegenteil: Er sagte ausdrücklich, dass er die Tür für Konkurrenz offenhalten wolle. Bei einem Kader voller Topspieler sei es schlicht nicht möglich, dass einer 60 Spiele mache und ein anderer zehn.

Noch bemerkenswerter war seine Beschreibung dessen, was passiert, wenn ein Spieler mit einer Entscheidung unzufrieden ist. Frustration werde kommen, sagte Mourinho sinngemäß. Einer werde spielen und zufrieden sein, ein anderer werde auf der Bank sitzen und frustriert sein. Entscheidend sei, wie die Spieler damit umgehen. Denn sobald ein Spieler sich von dieser Frustration auffressen lasse und sein Niveau sinke, würden die Entscheidungen für den Trainer einfacher. Und Mourinho will keine einfachen Entscheidungen. Er will schwierige.

Das ist eine bemerkenswert klare Botschaft an eine Mannschaft, in der Mbappé, Vinícius, Bellingham, Güler, Diomande, Bernardo Silva, Valverde, Camavinga und Co. um Minuten kämpfen. Es ist gleichzeitig eine Kampfansage an alte Gewissheiten – niemand soll sich sicher fühlen. Aber jeder soll wissen, was er tun kann: trainieren, liefern, dranbleiben.

Mehr Physis, mehr Widerstand

Und damit sind wir bei dem Punkt, der diesen Saisonstart vielleicht am stärksten von den vergangenen Jahren unterscheidet. Real Madrid wirkt wieder körperlicher. Nicht unbedingt schon über 90 Minuten – dafür war gegen Espanyol noch zu viel Unordnung im Spiel. Nach der starken Anfangsphase verlor Madrid Kontrolle, Espanyol kam zurück, und gerade nach der Pause wirkte die Mannschaft zeitweise schwerfällig. Die Integration der spät zurückgekehrten Stars und die noch nicht eingespielten Neuzugänge sind sichtbar.

Aber die Richtung stimmt. Denzel Dumfries bringt Wucht und Pressing auf der rechten Seite, Konaté bringt Präsenz ins Zentrum, Marc Cucurella kommt als weiterer aggressiver Außenverteidiger. Bellingham läuft, arbeitet, geht in Duelle. Und selbst die Offensivspieler bekommen von Mourinho eine klare Aufgabe.

Mourinho formulierte es auf der Pressekonferenz ungewöhnlich deutlich: Madrid müsse mit elf Spielern verteidigen. Je nach Spielsituation könne das bedeuten, hoch zu pressen oder Räume zu schließen. Aber das alte Konzept, wo einige verteidigen, während andere vorne auf die Balleroberung warten, existiere bei ihm nicht. Das ist vielleicht der wichtigste Satz des gesamten Auftakts. Denn Mourinho will nicht einfach nur ein anderes System installieren – er will die DNA verändern.

Natürlich wäre es übertrieben, nach einem einzigen Ligaspiel von einer Renaissance zu sprechen. Dafür war gegen Espanyol zu viel Stückwerk dabei. Die Abstimmung im Mittelfeld war nicht immer sauber, Vinícius und Mbappé fanden nicht durchgehend ins Spiel, und defensiv gab es Momente, in denen Madrid zu offen stand. Aber genau deshalb macht dieser Start Lust auf mehr. Weil man bereits erkennen kann, was Mourinho aus dieser Mannschaft machen will.

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