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·2. Juni 2026
„Nationenhopping“: Völlers Vorschlag und das bleibende Dilemma

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Der Streit um Talente mit doppelter Staatsbürgerschaft spitzt sich weiter zu. Rudi Völler sieht im späten Verbandswechsel ein wachsendes Problem und fordert von der FIFA eine klare Grenze. Gleichzeitig liefern Fälle wie Can Uzun neuen Stoff für die Debatte.

Rudi Völler, Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), spricht am 27. Mai 2026 bei einer Pressekonferenz im adidas HQ Homeground Herzo-Base in Herzogenaurach mit den Medien. Das DFB-Team bereitet sich auf die bevorstehenden Länderspiele vor, bevor es zur FIFA Weltmeisterschaft 2026 in die Vereinigten Staaten reist. Alexander Hassenstein / Getty Images Europe via Getty Images
Can Uzun fasste sich jüngst ein Herz, zog aus 20 Metern ab und grinste breit vor den Fans. Für ihn war es der Premierentreffer im Nationaltrikot, allerdings nicht für Deutschland, sondern in Istanbul für die Türkei. Bis zur U16 hatte der 20-Jährige für den DFB gespielt, dann wurde er aussortiert und wechselte zum türkischen Verband. Statt 2024 wieder für die deutsche U21 aufzulaufen, traf Uzun eine „Herzensentscheidung“ für die Türkei.
Damit steht der Offensivspieler stellvertretend für eine Entwicklung, die den deutschen Verband immer häufiger beschäftigt. Es geht um Talente, die mehrere Staatsbürgerschaften besitzen und bei denen sich die Verbände zunehmend gegenseitig Konkurrenz machen. Unter anderem wurden auch Ibrahim Maza, Josip Stanisic, Fisnik Asllani und Paul Wanner für den DFB schmerzhaft zu solchen Fällen. Die Liste ließe sich noch deutlich verlängern.
Rudi Völler ist diese Entwicklung längst ein Dorn im Auge. „Dieses Nationenhopping ist ganz schlecht und wertet auch die Nationalmannschaften ab“, kritisierte der DFB-Sportdirektor zuletzt gegenüber der Funke-Mediengruppe: „Es kann nicht sein, dass Spieler sich permanent entscheiden können, für wen sie spielen möchten. Das ist nicht gut.“ Für Völler ist das Werben um junge Spieler, die sich noch nicht festgelegt haben, ein falscher Weg. „Jemanden zu überreden, sich für eine Nation zu entscheiden, empfinde ich als unglücklich“, sagte er: „Entweder willst du für dieses Land spielen, weil dein Herz und deine Heimat daran hängen. Oder eben nicht.“
Der Ärger kommt nicht von ungefähr. In den vergangenen Jahren verlor der DFB immer wieder das Rennen um Talente, die er zuvor häufig, aber eben nicht immer selbst ausgebildet hatte. Die Beweggründe der Spieler fallen dabei sehr unterschiedlich aus. Mal zählen reine sportliche Aussichten, oft spielen aber auch Identität und das Gefühl von Zugehörigkeit eine Rolle. Das sind Fragen, die Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland auch jenseits des Fußballs begleiten.
Hinzu kommt, dass die Zahl solcher Fälle weiter steigen dürfte. Laut Statistischem Bundesamt hatten 2024 in Deutschland 42,6 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund. Bei den U21-Vizeeuropameistern des Sommers 2025 waren es insgesamt elf Spieler, die noch für einen Verbandswechsel infrage kamen oder weiterhin infrage kommen. Auch deshalb setzt sich der DFB für eine Ausbildungsentschädigung ein.
Zugleich profitiert Deutschland selbst von solchen Entscheidungen. Jamal Musiala erlernte das Fußballspielen in England, entschied sich dann aber für den DFB und ist inzwischen eine Schlüsselrolle in der Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann zugewachsen. Dennoch kann und will der Verband nicht jedem Teenager Zusagen machen. Andere, „kleinere“ Verbände gehen deutlich offensiver vor und buhlen heftig um die Talente.
Nach der derzeitigen FIFA-Regel darf ein Spieler jederzeit den Verband wechseln, solange er noch kein A-Länderspiel bestritten hat und die Einbürgerung vorliegt. Mit dem vierten Länderspiel vor dem 21. Geburtstag oder einem Einsatz bei einer Welt- oder Kontinentalmeisterschaft ist die Entscheidung dann bindend. Auch bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada werden deshalb bekannte Namen nach einem Wechsel auflaufen, darunter Dortmunds Carney Chukwuemeka, der sich für Österreich entschieden hat, sowie der Berliner Rani Khedira, der künftig für Tunesien spielen wird.
Völler hält eine Anpassung der Regeln für nötig. „Dass du dich so spät wie jetzt entscheiden kannst, ist falsch“, sagte er: „Warum gibt es nicht eine einfache Regelung, sich spätestens mit dem 18. Lebensjahr zu entscheiden, für welches Land ich spiele? Das wäre die beste Lösung. Das ist meine feste Überzeugung.“ Doch selbst mit einem Stichtag bei 16, 18, 20 oder 21 Jahren bleibt das Grundproblem bestehen.







































