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·7. August 2026

Nemeth führt St. Pauli – 24 Stunden nach Irvines Abgang

Artikelbild:Nemeth führt St. Pauli – 24 Stunden nach Irvines Abgang

Mittwoch geht der Kapitän. Donnerstag steht der neue fest. Sonntag beginnt die Saison. Der FC St. Pauli hat seine Hierarchie in 48 Stunden neu sortiert – und das sagt mehr über die Lage des Absteigers aus als über David Nemeth.

Mittwoch Irvine, Donnerstag Nemeth, Sonntag Fürth

Jackson Irvine, seit 2022 Spielführer, wechselt mit sofortiger Wirkung zu Cerezo Osaka in die J-League. Sportchef Andreas Bornemann erklärte, der Australier sei mit einem Wechselwunsch an den Verein herangetreten, dem man nach „intensiven Gesprächen“ entsprochen habe. Über die Ablöse schwiegen beide Klubs. 153 Pflichtspiele, 15 Tore, 21 Vorlagen, ein Aufstieg – nach etwas mehr als fünf Jahren endet das kurz vor dem Zweitligastart.


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Einen Tag später meldete der Klub den Nachfolger. Trainer Marcel Rapp, der nach dem Aus von Alexander Blessin übernommen hat, bestimmte den 25-jährigen Österreicher Nemeth zum Kapitän. Stellvertreter werden Marcus Mathisen und Branimir Hrgota, dem Mannschaftsrat gehören Ben Voll, Lars Ritzka und Martijn Kaars an.

Die Binde trug er längst

Von einem Machtwort zu sprechen, überzeichnet den Vorgang. Nemeth führte die Mannschaft bereits in der gesamten Vorbereitung aufs Feld. Wer die Testspiele gesehen hat, wusste seit Wochen, worauf das hinausläuft.

Bemerkenswert ist eher, was davor lag: Rapp hatte sich öffentlich nicht darauf festlegen wollen, dass Irvine nach dem Abstieg Kapitän bleibt. Danach kam der Wechselwunsch. Wer diese Reihenfolge für Zufall hält, hat in der Vergangenheit selten richtig gelegen.

Zwei Neuzugänge als Stellvertreter – und ein Klub, der von Kontinuität lebt

Der eigentliche Bruch steckt im Kleingedruckten. Mathisen kam vom 1. FC Magdeburg, Hrgota von der SpVgg Greuther Fürth. Zwei Drittel der Kapitänsriege sind seit wenigen Wochen im Verein. Ausgerechnet St. Pauli, wo Identität sonst über Jahre wächst und nicht über Transferfenster, verteilt seine Führungsämter an Männer, die den Millerntor-Alltag noch gar nicht kennen.

Nemeth selbst bringt Zugehörigkeit mit, seit 2022/23 und mit dem Zweitligatitel 2024 im Rücken. Er bringt auch eine Akte mit: Nach acht Einsätzen fiel er ab Oktober 2023 für den Rest der Saison aus. Ein Kapitän, der nicht auf dem Platz steht, ist ein Symbol ohne Funktion.

Wer führt eine Mannschaft, die es so noch nicht gibt?

Am Sonntag um 13.30 Uhr empfängt St. Pauli Greuther Fürth – Hrgotas alten Klub, drei Tage nach dessen Ernennung zum Vize-Kapitän. Der Kader ist umgebaut, der Trainer neu, der wichtigste Bezugspunkt der vergangenen vier Jahre sitzt im Flieger nach Osaka.

Rapp hat die Personalie schnell und ohne Debatte geregelt, und das war die richtige Entscheidung. Nur löst sie die Frage nicht, die über dieser Saison steht: Der Absteiger muss eine Identität wiederfinden, während er sie gerade personell auseinandergenommen hat.

Eine Binde macht keinen Anführer. Sie zeigt nur, wen der Trainer dafür hält.

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