Neu im Brustring: Grischa Prömel | OneFootball

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Rund um den Brustring

·1. Juni 2026

Neu im Brustring: Grischa Prömel

Artikelbild:Neu im Brustring: Grischa Prömel

Direkt nach dem Ende der abge­lau­fe­nen Sai­son hat der VfB noch am Pfingst­mon­tag die ers­ten bei­den Neu­zu­gän­ge für die kom­men­de Spiel­zeit ver­kün­det. Die Trans­fers von Mit­tel­feld­spie­ler Gri­scha Prö­mel und Tor­hü­ter Mari­us Funk stan­den schon län­ger fest und bedeu­ten für bei­de eine Rück­kehr nach Stutt­gart — aller­dings unter unter­schied­li­chen Vor­zei­chen. Vor allem Prö­mel könn­te ein wich­ti­ger Bau­stein für die kom­men­de Sai­son wer­den.

Es lief schon mal unge­ord­ne­ter ab in Bad Cannstatt. Am Sams­tag das Pokal­fi­na­le, am Mon­tag die ers­ten bei­den Neu­zu­gän­ge fix gemacht, am Diens­tag Pas­cal Sten­zel und Alex Nübel ver­ab­schie­det und am Don­ners­tag die Dis­kus­si­on um Den­nis Sei­men öffent­lich been­det. Fehlt eigent­lich nur noch die Ver­trags­ver­län­ge­rung von Deniz Undav, die dem Ver­neh­men nach auch nicht mehr lan­ge auf sich war­ten lässt. Kurz: Der VfB hat nicht nur sport­lich sei­ne Haus­auf­ga­ben gemacht — trotz des ver­lo­re­nen Pokal­fi­na­les — son­dern arbei­tet auch neben dem Platz die offe­nen Punk­te einen nach dem ande­ren ab. Neben dem Tor­hü­ter­team, dem ich mich an ande­rer Stel­le noch wid­men möch­te, ist vor allem die Ver­pflich­tung von Gri­scha Prö­mel ein wich­ti­ger Fak­tor, um das in der abge­lau­fe­nen, her­vor­ra­gen­den Sai­son, auf­ge­tre­te­ne Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al wei­ter aus­zu­schöp­fen. Denn bei aller spie­le­ri­schen Qua­li­tät ging der Mann­schaft im Brust­ring bis­wei­len die Resi­li­enz ab — gera­de gegen jene Geg­ner, denen wir sport­lich auf Augen­hö­he begeg­ne­te, die uns aber in punk­to Cle­ver­ness eine lan­ge Nase mach­ten. Abge­zock­heit allei­ne macht den VfB natür­lich auch nicht zum Titel­kan­di­da­ten, ist aber ein Puz­zle­stück, um zumin­dest die ver­meid­ba­ren Punkt­ver­lus­te der ver­gan­ge­nen Sai­son, nun­ja, zu ver­mei­den.


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Schwierige sportliche Vita

Gri­scha Prö­mel wur­de zwar am 9. Janu­ar 1995 in Bad Cannstatt gebo­ren, hat aber bis dato nie das Tri­kot mit dem Brust­ring getra­gen. Statt­des­sen liest sich sei­ne sport­li­che Vita wie ein Alb­traum für jeden VfB-Fan: Kickers, Hof­fen­heim, Karls­ru­he, Uni­on und wie­der Hof­fen­heim. Nun fin­det er mit 31 Jah­ren end­lich den Weg zu dem Ver­ein, bei dem er dem Ver­neh­men nach schon als Jugend­li­cher in der Kur­ve stand und ist damit seit Gen­ki Hara­guchi, der Anfang 2023 kam, der ers­te Neu­zu­gang, der zum Zeit­punkt sei­ner Ver­pflich­tung älter als 30 Jah­re ist. Um zu erfah­ren, was Prö­mel in sei­ner Kar­rie­re so gemacht hat, nach­dem er Stutt­gart mit 18 Jah­ren ver­ließ und gen Mordor (par­don) zog, haben wir wie­der ver­schie­de­ne Exper­tin­nen und Exper­ten befragt. Über sei­ne zwei Sta­tio­nen in Hof­fen­heim spra­chen wir mit Ben­ja­min Hof­mann, beim Kicker nicht pro­fi­lier­ter Inves­ti­ga­ti­v­jour­na­list, son­dern auch Exper­te für sowohl den VfB als auch den Club von der A6. Über sei­ne zwei Jah­re in Karls­ru­he berich­te­te uns KSC-Fan Kirs­ten. Am prä­gends­ten für VfB-Fans war ver­mut­lich Prö­mels Zeit in Köpe­nick, schließ­lich stand er auch auf dem Platz, als der 1. FC Uni­on uns 2019 ein nach­hal­ti­ges Trau­ma ver­pass­te. Über sei­ne Zeit in Ber­lin spra­chen wir mit Sebas­ti­an vom FCU-Pod­cast Tex­til­ver­ge­hen.

Aber gehen wir zurück an den Anfang, nach Ess­lin­gen. Dort fing Prö­mel mit sechs Jah­ren beim TSV RSK Ess­lin­gen mit dem Fuß­ball­spie­len an und wech­sel­te acht Jah­re spä­ter nach Deger­loch. Mit den Kickers spiel­te er in sei­nem letz­ten Jahr dort in der A‑Ju­nio­ren-Bun­des­li­ga, der Auf­stei­ger vom Fern­seh­turm stieg jedoch damals sang und klang­los mit nur 16 Punk­ten wie­der ab. Dabei bestritt Prö­mel auch das Rück­spiel gegen die U19 des VfB, damals übri­gens mit Sech­ser Joshua Kim­mich und Stür­mer Timo Wer­ner — und Ersatz­tor­wart Mari­us Funk. 2013 zog es ihn dann nach Hof­fen­heim, mit deren U19 er nicht nur vor 1860 und dem VfB, dann mit Stamm­kee­per Mari­us Funk, die Süd­west-Meis­ter­schaft hol­te, son­dern im End­spiel gegen Han­no­ver auch die Deut­sche Meis­ter­schaft. Der U19 ent­wach­sen, absol­vier­te er in der Fol­ge­sai­son 23 Spie­le für die zwei­te Mann­schaft Hof­fen­heims in der Regio­nal­li­ga und erziel­te dabei immer­hin fünf Tore. Im April 2015 saß er dann beim Aus­wärts­spiel in Han­no­ver auch das ers­te Mal in der Bun­des­li­ga auf der Bank, kam aber in die­ser Sai­son zu kei­nen Ein­sät­zen in der ers­ten Liga, so dass er sich 2015 dem KSC anschloss. Ben­ni zufol­ge habe man in Hof­fen­heim damals noch nicht so sehr auf die eige­ne Nach­wuchs­ar­beit gesetzt, das habe sich erst mit der Ankunft von Alex­an­der Rosen stär­ker aus­ge­bil­det. Nimmt man ein­mal bei­spiel­haft die Auf­stel­lung des letz­ten Spiel­tags der zwei­ten Mann­schaft 2014/15 her, wird das auch deut­lich: Neben Prö­mel haben sich in der Fol­ge nur Kevin Akpo­gu­ma (in Hof­fen­heim) und Baris Atik (heu­te in Mag­de­burg) im Pro­fi­fuß­ball eta­bliert — wobei die Quo­te bei uns jetzt aktu­ell auch nicht bes­ser ist. Zudem, so Ben­ni, habe Hof­fen­heim damals mit Sebas­ti­an Rudy, Eugen Pol­an­ski, Pir­min Schweg­ler und Tobi­as Stro­bel vie­le eta­blier­te Kräf­te auf sei­ner Posi­ti­on gehabt, mit Rudy auch einen spä­te­ren Natio­nal­spie­ler — die Ein­satz­zei­ten für Prö­mel sei­en also rela­tiv gering gewe­sen.

In Karls­ru­he sei­en die Erwar­tun­gen an Prö­mel, der bis­her ledig­lich über Erfah­run­gen in der vier­ten Liga ver­füg­te, nicht beson­ders groß gewe­sen. Dafür schlug er dort sofort ein, wie Kirs­ten berich­tet, und wur­de in der zwei­ten Liga auf Anhieb zum Stamm­spie­ler. Wich­tig aus Karls­ru­her Sicht war natür­lich auch das Tor im 2:0‑Derbysieg gegen Kai­sers­lau­tern am 12. Spiel­tag. Am Ende der Sai­son, die der KSC auf Platz 7 abschloss, brach­te er es auf 21 Ein­sät­ze, davon 17 von Beginn an. 2016/2017 traf er mit sei­nem Ver­ein dann auf den gera­de zum ers­ten Mal seit 41 Jah­ren abge­stie­ge­nen VfB und stand auch bei der 1:3‑Heimniederlage in der Hin­run­de auf dem Platz. Ins­ge­samt kam er auf 23 Ein­sät­ze, davon 22 in der Start­elf, jedoch ver­pass­te er in der Rück­run­de sie­ben Spie­le ver­let­zungs­be­dingt, auch die zwei­te Begeg­nung mit dem VfB. Und so muss­te er größ­ten­teils von der Tri­bü­ne aus zuse­hen, wie sei­ne Mann­schaft als Tabel­len­letz­ter in die 3. Liga abstieg. Zwi­schen­durch, so Kirs­ten, habe es Spe­ku­la­tio­nen gege­ben, ob sei­ne Abwe­sen­heit mit dem bevor­ste­hen­den Wech­sel zu Noch-Liga­kon­kur­rent Uni­on zu tun haben könn­te. Es stell­te sich zwar her­aus, dass dem nicht so war, den­noch wur­de sein Abschied zwie­späl­tig auf­ge­nom­men. Immer­hin bleibt er dort als “Karls­ru­her Sport­ler des Jah­res 2016” in Erin­ne­rung — unter ande­rem auch, weil er im August 2016 mit der deut­schen Olym­pia-Aus­wahl die Sil­ber­me­dail­le gewann.

Mit Union in die Bundesliga

Auch in Ber­lin avan­cier­te er mit dann 22 Jah­ren direkt zum Stamm­spie­ler in einer Mann­schaft, die in der Vor­sai­son knapp den Bun­des­li­ga-Auf­stieg ver­passt hat­te. Sebas­ti­an freu­te sich damals erst­mal dar­über, dass mit Prö­mel ein jun­ger, viel­ver­spre­chen­der Spie­ler zu Uni­on kam, zudem mit der eben erwähn­ten olym­pi­schen Sil­ber­me­dail­le, der ein guter Back­up für Ste­phan Fürst­ner sein könn­te — Fürst­ner stand in jener Sai­son nur neun Mal in der Start­elf, Prö­mel dop­pelt so häu­fig. Uni­on ran­gier­te nach 17 Spie­len in jener Sai­son noch auf Platz 4, am Ende der Sai­son stand man auf Platz 8. Umso erfolg­rei­cher war die Fol­ge­sai­son, in der Prö­mel nur ein Spiel wegen einer gelb-roten Kar­te, eins wegen einer Gelb­sper­re und wei­te­re drei wegen einer Ver­let­zung ver­pass­te und auch in der Rele­ga­ti­on gegen den VfB zwei Mal 90 Minu­ten auf dem Platz stand. Hin­zu kamen sie­ben Tref­fer und zwei Vor­la­gen und natür­lich am Ende der Auf­stieg, so dass man zwei Jah­re nach sei­nem Wech­sel fest­stel­len muss­te: Prö­mel und mit ihm Uni­on waren der zwei­ten Liga ent­wach­sen — in bei­den Fäl­len dau­er­haft.

Artikelbild:Neu im Brustring: Grischa Prömel

Prö­mel bei beim 1. FC Uni­on Ber­lin. Bild: © Sebas­ti­an Widmann/Getty Images

Umso bit­te­rer, dass er nach sei­nen ers­ten zwei Bun­des­li­ga­spie­len die Hälf­te der Sai­son mit einer Patel­la­seh­nen­rei­zung aus­fiel, auch wenn er sich im Anschluss sei­nen Stamm­platz wie­der erkämp­fen konn­te — wohl­ge­merkt erst im Mai 2020, als die Bun­des­li­ga nach zwei­mo­na­ti­ger Coro­na-Pau­se den Spiel­be­trieb wie­der auf­ge­nom­men hat­te. Dabei war die Bun­des­li­ga für ihn, wie für alle bei Uni­on, inklu­si­ve Sebas­ti­an, Neu­land. “Ihm wur­de so ein biss­chen das Erleb­nis der ers­ten Bun­des­li­ga-Sai­son genom­men. Man steigt eben nur ein­mal das ers­te Mal in die Bun­des­li­ga auf”, so unser Exper­te. 2020/2021 kam er immer­hin auf 24 Ein­sät­ze, 21 davon in der Start­elf, ver­pass­te aber auch inge­samt neun Spie­le ver­let­zungs­be­dingt und war dem­entspre­chend nicht immer ein Kan­di­dat für die vol­len 90 Minu­ten. Sebas­ti­an ver­mu­tet, dass auch die Ver­let­zun­gen ihren Teil dazu bei­tru­gen, dass er lan­ge bei Uni­on blieb und die gro­ßen Clubs nicht bei ihm anklopf­ten. Für den FCU, der den bekann­ten mär­chen­haf­ten Auf­stieg nach Euro­pa hin­leg­te, war das nicht das Schlech­tes­te.

2021 been­de­te Uni­on die Bun­des­li­ga-Sai­son auf Platz 7 und qua­li­fi­zier­te sich damit für die Con­fe­rence League. In sei­nem letz­ten Ver­trags­jahr für Uni­on ver­pass­te Prö­mel nur weni­ge Spie­le zu Sai­son­be­ginn wegen einer Leis­ten­ope­ra­ti­on, fand dann aber zur gewohn­ten Sta­bil­ti­tät zurück, bestritt 28 Par­tien von Beginn an und lief auch zum ers­ten Mal in sei­ner Kar­rie­re inter­na­tio­nal auf, auch wenn für Uni­on nach Spie­len gegen Feye­noord, Sla­via Prag und Mac­ca­bi Hai­fa bereits nach der Grup­pen­pha­se Schluss war. Im DFB-Pokal schei­ter­te Uni­on erst im Halb­fi­na­le an Leip­zig und wäh­rend wir uns gegen Köln zum Last-Minu­te-Klas­sen­er­halt robb­ten, lie­fen die Ber­li­ner auf Platz 5 ein und qua­li­fi­zier­ten sich für die Euro­pa League. In der soll­te Prö­mel jedoch im Tri­kot der Köpe­ni­cker nicht auf­lau­fen, denn mit Ablauf sei­nes Ver­tra­ges wech­sel­te er ablö­se­frei zurück nach Hof­fen­heim. Inter­es­sant: Alle Ver­eins­wech­sel Prö­mels gescha­hen erst nach Ver­trags­en­de, abge­se­hen von den übli­chen beglei­ten­den Zah­lun­gen wur­de für ihn also nie auch nur ein Cent Ablö­se gezahlt. Sebas­ti­an ord­net das fol­gen­der­ma­ßen ein: “Ich habe ihn immer als sehr kla­ren Men­schen wahr­ge­nom­men, der das Pri­vi­leg des Pro­fi­fuß­bal­lers aner­kennt. Viel­leicht gehört das dazu, dass er für sich ver­sucht, an einem Ort das Bes­te her­aus­zu­ho­len und nicht immer schaut, wo es noch bes­ser sein könn­te.” Immer­hin hat­te Uni­on die Sai­son vier Plät­ze vor Hof­fen­heim abge­schlos­sen. Gleich­zei­tig war aber auch klar, dass er in Hof­fen­heim bes­ser ver­die­nen wür­de, wenn­gleich Prö­mel in sei­ner Kom­mu­ni­ka­ti­on immer sehr klar gewe­sen sei, was den dama­li­gen Sport­ge­schäfts­füh­rer Oli­ver Ruh­nert zu der Aus­sa­ge ver­lei­te­te, dass er grund­sätz­lich zwar nichts von Rück­hol­ak­tio­nen hiel­te — bei Prö­mel aber eine Aus­nah­me machen wür­de.

Schlüsselspieler in Hoffenheim

Auch Ben­ni Hof­mann geht davon aus, dass für Prö­mel auch die finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten in Hof­fen­heim ver­lo­ckend waren, also auch die Inves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten in den Kader, unab­hän­gig vom eige­nen Gehalt. Beim Club wie­der­um erhoff­te man sich eine lauf­star­ke und aggres­si­ve Ergän­zung zum spie­le­risch durch­aus begab­ten Kader — etwas, das uns bekannt vor­kom­men dürf­te. Die Sai­son ließ sich für Prö­mel und den neu­en Trai­ner André Brei­ten­rei­ter, Nach­fol­ger eines gewis­sen Sebas­ti­an Hoe­neß, eigent­lich ganz gut an. Unser Neu­zu­gang zog sich jedoch Anfang Novem­ber in einem Spiel gegen Leip­zig einen Knö­chel­bruch zu. Die­se zwei­te gro­ße Ver­let­zung sei­ner bis­he­ri­gen Kar­rie­re setz­te ihn bis weit in den April hin­ein außer Gefecht, zwi­schen­durch mach­te er, um Spiel­pra­xis zu sam­meln, gar einen kur­zen Abste­cher zurück in die Regio­nal­li­ga Süd­west. In der Zwi­schen­zeit wur­de die Mann­schaft von Pel­le­gri­no Mat­a­raz­zo betreut, nach­dem sie in die zwei­te Tabel­len­hälf­te abge­rutscht und Brei­ten­rei­ter den Job gekos­tet hat­te. Gegen Ende der Spiel­zeit zähl­te Prö­mel wie­der zum Stamm der Mann­schaft, so auch beim 1:1 am letz­ten Spiel­tag, wel­ches den VfB in die Rele­ga­ti­on beför­der­te.

Artikelbild:Neu im Brustring: Grischa Prömel

Prö­mel war in Hof­fen­heim qua­si uner­setz­bar. Bild: © Stuart Franklin/Getty Images

In jener Sai­son habe man Prö­mels Ein­fluss auf die Mann­schaft vor allem dadurch gemerkt, dass er fehl­te, erklärt Ben­ni. Zwi­schen­durch blieb die Mann­schaft sehr lan­ge sieg­los und hät­te einen aggres­si­ve lea­der gut gebrau­chen kön­nen: “Ich glau­be, mit Prö­mel wäre die Sai­son bes­ser ver­lau­fen.” In der Fol­ge­sai­son lief es in der Tat bes­ser, mit einem 4:2 am letz­ten Spiel­tag gegen die Bay­ern mach­te Hof­fen­heim den VfB zum Vize­meis­ter, bereits vor­her hat­te sich die Mann­schaft Platz 7 und damit die Teil­nah­me an der Euro­pa League gesi­chert. Im Novem­ber 2023 wur­de er auch erst­mals für die A‑Nationalmannschaft beru­fen, kam aller­dings in zwei Test­spie­len nicht zum Ein­satz. In der Liga ver­pass­te er nur eine Hand­voll Spie­le wegen Ver­let­zun­gen oder Sper­ren, trug aber mit vier Toren und fünf Assists zur guten Sai­son der Kraich­gau­er bei — bevor es in der anschlie­ßen­den Spiel­zeit wie­der stark berg­ab ging. Prö­mel riss sich nach zwei Spiel­ta­gen im Trai­ning das Kreuz­band und ver­pass­te damit den Rest der Sai­son, inklu­si­ve der Spie­le in der Euro­pa League. Ohne ihn ging es auch sport­lich für Hof­fen­heim berg­ab, statt eines 4:2 gab es am letz­ten Spiel­tag ein 0:4 gegen die Bay­ern, statt Platz 7 lan­de­te man auf Platz 15, statt Pel­le­gri­no Mat­a­raz­zo saß Chris­ti­an Ilzer auf der Trai­nings­bank. Erneut ist sich Ben­ni hier sicher, dass man ohne ihn nicht in Abstiegs­nö­te gera­ten sei. Der Kreuz­band­riss war nach dem Knö­chel­bruch und der Patel­la­seh­nen­rei­zung die drit­te gro­ße, viel­leicht die schwer­wie­gends­te Ver­let­zung Prö­mels. Unser Exper­te betont jedoch, dass er ihn nicht für über­mä­ßig ver­let­zungs­an­fäl­lig hält. Der Knö­chel­bruch sei bespiels­wei­se durch einen Zusam­men­stoß zustan­de gekom­men, grund­sätz­li­che mus­ku­lä­re Pro­ble­me sieht Ben­ni bei ihm nicht.

Viel­leicht ist es des­halb auch nur fol­ge­rich­tig, dass die TSG in Prö­mels bes­ter Sai­son seit sei­nem letz­ten Jahr in Ber­lin zuletzt wie­der einen Auf­schwung erleb­te. Er schoss sie­ben Tore und berei­te­te zwei vor, und hat­te damit einen gro­ßen Anteil am jüngs­ten Erfolg der Hof­fen­hei­mer. Der Wech­sel nach Stutt­gart stand indes schon lan­ge fest, noch bevor klar war, ob sich sein alter oder sein neu­er Ver­ein für die Cham­pi­ons League qua­li­fi­zie­ren wür­den. Erneut ließ er sei­nen Ver­trag aus­lau­fen und erneut ent­schied sich Prö­mel für eine neue Sta­ti­on, die sei­ner Mei­nung nach zu ihm pass­te, unab­hän­gig von Tabel­len­stän­den. Hin­zu kommt, wie Ben­ni betont, sei­ne VfB-Ver­gan­gen­heit abseits des Plat­zes und die Mög­lich­keit, gegen Ende sei­ner Kar­rie­re auch end­lich das Tri­kot mit dem Brust­ring tra­gen zu kön­nen. Für die Hof­fen­hei­mer jeden­falls sport­lich ein schmerz­haf­ter Ver­lust. Was ihn in der ver­gan­ge­nen Sai­son, aber auch an sei­nen vor­he­ri­gen Sta­tio­nen stark gemacht hat, wol­len wir uns als nächs­tes anschau­en.

Zwischen den Strafräumen

Klar ist: Abge­se­hen von sei­ner Zeit in der Jugend bei den Kickers, als man ihn als Innen­ver­tei­di­ger ein­setz­te, und bei man­chen Not­ein­sät­zen in der Abwehr beim KSC war Prö­mel immer im zen­tra­len Mit­tel­feld behei­mat — mal mehr, mal weni­ger offen­siv. Alle unse­re Exper­ten heben vor allem sei­ne Lauf­stär­ke her­vor, gera­de in Rich­tung des geg­ne­ri­schen Tors. Kirs­ten beschreibt dabei vor allem sei­nen auf­rech­ten Lauf­stil und sei­ne “Näh­ma­schi­nen­schrit­te”, ein Begriff, der mir vor allem bei Chris Füh­rich auch in den Sinn kommt. In sei­ner Anfangs­zeit beim KSC habe er auf­grund sei­nes Alters manch­mal noch zu viel gewollt, habe sich aber dort auch den Grund­stein für sei­ne spä­te­re Kar­rie­re gelegt, so Kirs­ten. Spä­ter, da sind sich Sebas­ti­an und Ben­ni einig, ent­wi­ckel­te er sich zum klas­si­schen box-to-box-Spie­ler, also zwi­schen bei­den Straf­räu­men, auf der Ach­ter­po­si­ti­on: Viel in Bewe­gung, mit vie­len Ball­be­rüh­run­gen, aber auch in jedem Zwei­kampf mit dabei —  vor allem bei Uni­on ver­kör­per­te er damit eine gan­ze Zeit lang ziem­lich gut die Spiel­wei­se der Mann­schaft.

Ben­ni, der sich ja auch beim VfB gut aus­kennt, sieht Prö­mel als jemand, der Ange­lo Stil­ler mit sei­ner Zwei­kampf­stär­ke den Rücken frei­hal­ten kann und der vie­le Wege sowohl nach hin­ten, als auch nach vor­ne macht. Er beschreibt Prö­mel als dyna­misch, raum­grei­fend und aggres­siv und dabei durch­aus auch mit einer gewis­sen Abschluss­stär­ke für einen Mit­tel­feld­spie­ler. Zudem gehe er kei­nem Zwei­kampf aus dem Weg: “Er ist auch mal jemand, der über Gren­zen geht, der dem Geg­ner auch mal weh­tut, wenn es nötig ist, der auch gegen sich selbst hart ist”, erklärt Ben­ni und ord­net auch die 18 gel­ben und eine gelb-rote Kar­te in 87 Spie­len für Hof­fen­heim ent­spre­chend ein. Grund­sätz­lich kön­ne man ihn über­all im Mit­tel­feld ein­set­zen, meint Sebas­ti­an, am Bes­ten sei er aller­dings auf der Acht, in Hof­fen­heim spiel­te er in einem 4–3‑3 als halb­rech­ter Ach­ter. Schwä­chen sieht Ben­ni eher im tech­ni­schen Bereich, er sei kein klas­si­scher Regis­seur — aber dafür haben wir ja Stand jetzt auch noch Ange­lo Stil­ler. Span­nend auch der Ver­gleich zwi­schen Prö­mel und Kara­zor, den ich mir von den Sei­ten Understat.com und oneversusone.com gezo­gen habe. Prö­mel hat sei­ne Stär­ken im Ver­gleich zum VfB-Kapi­tän vor allem in der Offen­si­ve und kann damit viel­leicht auch gegen tief­stehen­de Geg­ner für noch mehr offen­si­ve Impul­se sor­gen — oder zumin­dest Ange­lo Stil­ler in sol­chen Spie­len mehr Raum ver­schaf­fen.

Artikelbild:Neu im Brustring: Grischa Prömel

Der Ver­gleich zwi­schen Prö­mel und Kara­zor auf oneversusone.com

Artikelbild:Neu im Brustring: Grischa Prömel

Der Ver­gleich zwi­schen Prö­mel und Kara­zor auf Understat.com

Inter­es­sant ist natür­lich auch, was er der Mann­schaft abseits von Päs­sen, Toren und Zwei­kampf­wer­ten geben kann: Wider­stands­fä­hig­keit. Exem­pla­risch führt Ben­ni an, wie wich­tig Prö­mel für Hof­fen­heim war und wie sehr er ihnen in den schwie­ri­gen Spiel­zei­ten mit sei­nen lan­gen Ver­let­zun­gen fehl­te. Gera­de mit Blick auf bei­spiels­wei­se die Duel­le mit dem FC Por­to, einer Mann­schaft, die eigent­lich nor­ma­ler­wei­se — und in der kom­men­den Sai­son wie­der — in der Cham­pi­ons League spielt, sei Prö­mel jemand, der dem VfB genau die feh­len­de Abge­zockt­heit geben könn­te. An sei­ner Qua­li­fi­ka­ti­on für die Bun­des­li­ga bestehen ohne­hin seit Jah­ren kei­ne Zwei­fel mehr und auch für Königs­klas­se sehen ihn unse­re Exper­ten gerüs­tet, auch wenn Ben­ni ihn eher als wich­ti­gen Bau­stein einer wett­be­werbs­fä­hi­gen Mann­schaft sieht und nicht als jemand, der auf die­sem Niveau Spie­le allei­ne ent­schei­de. Er habe sich aber sowohl unter Mat­a­raz­zo als auch unter Ilzer schnell an die jeweils sehr unter­schied­li­chen Spiel­wei­sen gewöhnt und wer­de sich, so Ben­ni, auch in der Cham­pi­ons League schnell anpas­sen.

Ein wichtiger Baustein?

Dem­entspre­chend trau­en ihm unse­re Exper­ten als Stand jetzt ältes­tem Feld­spie­ler auch eine Füh­rungs­rol­le in der Mann­schaft zu, wobei es inter­es­sant sein wird zu sehen, wie sich der VfB im zen­tra­len Mit­tel­feld auf­stellt. Ange­lo Stil­ler oder ein gleich­wer­ti­ger Ersatz als tech­nisch star­ker Sech­ser wäre wohl gesetzt, um den Platz dane­ben kon­kur­rie­ren in Zukunft nun Prö­mel, Kara­zor und Che­ma, wobei der VfB-Kapi­tän im Pokal­fi­na­le Inter­es­san­ter­wei­se trotz Spiel­be­rech­ti­gung nicht in der Start­elf stand. Natür­lich wer­den wir auch in der kom­men­den Sai­son rotie­ren — aber eben den einen Spie­ler mehr, den ande­ren weni­ger. Ben­ni Hof­mann attes­tiert Prö­mel aber auf jeden Fall, dass er sich auch bei Nie­der­la­gen oder schlech­ten Ergeb­nis­sen vor die Kame­ra stellt, ohne dabei aber ver­bal über die Strän­ge zu schla­gen. Auch sonst scheint Prö­mel recht boden­stän­dig zu sein, die Schlag­zei­le mit dem Ford Fies­ta im Spie­gel dürf­tet Ihr schon mit­be­kom­men haben. Es scheint, als habe Fabi­an Wohl­ge­muth, und damit kom­men wir zur Ein­ord­nung, bei dem Trans­fer nicht nur auf Erfah­rung und Wider­stands­fä­hig­keit geach­tet, son­dern auch dar­auf, dass der Neu­zu­gang in ein Team passt, wel­ches größ­ten­teils ähn­lich unauf­ge­regt daher kommt — was jetzt natür­lich auch nichts Bahn­bre­chen­des ist.

Ich muss ehr­lich sein: Bei Uni­on und in Hof­fen­heim ging mir Prö­mel immer ziem­lich auf den Keks. Aber genau so einen Spie­ler möch­te ich eigent­lich auch beim VfB haben. Der Trans­fer von Prö­mel ist auf jeden Fall eine Aus­nah­me­erschei­nung in der jün­ge­ren Ver­eins­ge­schich­te, schon allei­ne wegen sei­nes Alters. Dass Sebas­ti­an Hoe­neß genau so einen Spie­ler ger­ne schon im letz­ten Som­mer gehabt hät­te, mach­te er nach Ende der Trans­fer­pe­ri­ode ziem­lich unmiss­ver­ständ­lich deut­lich. Einer­seits sein gutes Recht, ande­rer­seits lief es natür­lich auch ohne einen Spie­ler wie Prö­mel nicht ganz schlecht in der abge­lau­fe­nen Sai­son. Es wird span­nend sein zu sehen, ob er sei­ne Rol­le, die er in er Bun­des­li­ga bei Uni­on und Hof­fen­heim aus­füll­te und auch beim VfB aus­fül­len wird, auch in die Cham­pi­ons League über­tra­gen kann. Natür­lich sind die Erwar­tun­gen an den VfB in der Königs­klas­se gerin­ger als ver­gan­ge­ne Sai­son im UEFA-Cup. Gleich­zei­tig wäre ein erneu­tes Schei­tern in der Liga­pha­se wohl schon eine Ent­täu­schung, zumal man beim letz­ten Mal das Wei­ter­kom­men gera­de gegen Mann­schaf­ten wie Prag oder Roter Stern ver­spiel­te, die dem VfB kei­nes­wegs sport­lich über­le­gen waren. 

Soll­te in die­sem Som­mer nichts ganz Ver­rück­tes pas­sie­ren, bleibt der gro­ße Umbruch die­ses Jahr aus und wird sich erst nach der kom­men­den Sai­son voll­zie­hen, wenn vie­le Leis­tungs­trä­ger der ver­gan­ge­nen drei Jah­re einer­seits vor ihrem letz­ten Ver­trags­jahr und ande­rer­seits kurz vor dem 30. Geburts­tag ste­hen. Mit Prö­mel erfüllt der VfB in die­sem Som­mer sei­nem Trai­ner erst­mal den Wunsch nach der Wei­ter­ent­wick­lung des Kaders in punk­to Erfah­rung. Klar ist, dass auch ein Gri­scha Prö­mel allei­ne sol­che Span­nungs­ab­fäl­le wie bei­spiels­wei­se gegen St. Pau­li nicht wird ver­hin­dern kön­nen. Auch der Rest der Mann­schaft wird, unter sei­ner Betei­li­gung wei­ter dazu ler­nen müs­sen. Gleich­zei­tig könn­te die Ver­pflich­tung des Mit­tel­feld­spie­lers das Ende der Zeit von Ata­kan Kara­zor beim VfB ein­lei­ten, der bei allem Ein­satz­wil­len zum Trotz gegen Geg­ner einer gewis­sen Qua­li­tät an sei­ne Leis­tungs­gren­ze kommt. Natür­lich wird man auch um Prö­mel her­um kei­ne Mann­schaft der Zukunft auf­bau­en — gleich­zei­tig kann er dem VfB aber hel­fen, sich wei­ter dort zu eta­blie­ren, wo wir nach dem Durch­hän­ger 2025 wie­der ange­kom­men sind.

Titel­bild: © Stuart Franklin/Getty Images

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