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·26. Februar 2026

Neutraler Oberbürgermeister und privat Aufsichtsrat beim FC Bayern?

Artikelbild:Neutraler Oberbürgermeister und privat Aufsichtsrat beim FC Bayern?

Es ist einer der Sachen, die München im Fußball ausmachen. Ob prominente Schauspieler oder Politiker. Man spricht oft offen aus, ob man im Fußball zu den Löwen oder den Roten tendiert. Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter. Allerdings ist er nun auch Aufsichtsrat beim FCB geworden. Und er sieht keinen Interessenskonflikt.

Die zweifelhafte Rolle von Politikern in Aufsichtsräten ist immer wieder Thema in Deutschland. Viele Bundestagsabgeordnete sitzen in Aufsichtsräten. Und die Tätigkeiten müssen öffentlich dargestellt werden. Allerdings muss man sich dabei mühsam durch die Biografien klicken. „Die veröffentlichungspflichtigen Angaben der Abgeordneten werden im Internet jeweils mit den Abgeordneten-Biografien veröffentlicht und laufend aktualisiert“, heißt es auf der offiziellen Homepage des Bundestages.


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Aktuell ist Oberbürgermeister Dieter Reiter ein Thema. Als Oberbürgermeister verdient er monatlich 14.785,12 Euro Grundgehalt. Hinzu kommen noch Dienstaufwandsentschädigungen. Doch damit nicht genug. Reiter ist Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke München, der Münchner Verkehrsgesellschaft, der städtischen Wohnbaugesellschaft Münchner Wohnen und der München Klinik gGmbH. Als Aufsichtsrat ist er zudem bei der Flughafen München GmbH und der Messe München GmbH. Sein Gehalt dürfte er sich mit solchen Sitzen ordentlich aufhübschen. Nun lockte ein weiterer Aufsichtsratsposten für den gewählten Politiker.

„Der FC Bayern wird für immer der Verein meines Herzens sein“, meint Oberbürgermeister Dieter Reiter. Viele Löwen wissen das, weil er keinen Hehl daraus macht. Er soll nun Aufsichtsrat der FC Bayern München AG werden. Inklusive natürlich einer guten Aufwandsentschädigung. Das Problem: anders als zum Beispiel bei der Stadtwerke München, die zu 100 Prozent der Landeshauptstadt München gehört, hat der FC Bayern ganz eigene Interessen. Und im Hinblick auf die Konkurrenz in der Stadt muss man schon einen Interessenskonflikt vermuten. Sportlich natürlich nicht – die Löwen sind weit weg vom FC Bayern. Doch was die Interessen im Hinblick zum Beispiel auf das Stadion angeht, sehr wohl.

Am Montag war Reiter erstmals mittendrin. Gemeinsam mit Herbert Hainer, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Er nehme die Funktion als Privatperson wahr, erklärt Reiter auf Anfrage der Presse.

„Böses Foul? Wie privat ist der OB beim FC Bayern?“, titeltt nun eine offizielle Anfrage an den Oberbürgermeister. Die Frage nach der Privatperson Dieter Reiter im Aufsichtsrat der Roten wirft auch bei Politikern Fragen auf. „Der FC Bayern ist ein milliardenschweres Wirtschaftsunternehmen mit erheblichem Einfluss, engen Berührungspunkten zur Stadt und regelmäßigem Kontakt zu Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Wenn der FCB schnippt, fahren trotz Streik sogar U-Bahnen. Wenn ausgerechnet der amtierende Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München dort eine Spitzenfunktion übernimmt, kann nicht ernsthaft so getan werden, als geschehe dies losgelöst von seinem Amt“, heißt es seitens der München Liste. Die Behauptung Reiter würde rein privat tätig wirke lebensfremd. „Diese Mandate wären doch niemals einem beliebigen Münchner Bürger ohne politische Funktion angetragen worden. Die öffentliche Autorität und Präsenz, das Netzwerk und die Stellung des Oberbürgermeisters dürften vielmehr entscheidend gewesen sein.“

Es gehe nicht um Fußballbegeisterung, sondern um politische Integrität. „Wenn wirtschaftlich bedeutende Akteure und das höchste kommunale Amt personell so eng verknüpft sind, ist Transparenz oberste Pflicht.“ Deshalb wird der Oberbürgermeister mit folgenden Fragen konfrontiert, die er offiziell nun beantworten muss:

  • Gelten die Nebenbeschäftigungs- und Antikorruptionsregeln der Stadt München auch für den Oberbürgermeister?
  • Wurde vor Übernahme der Mandate eine rechtliche Prüfung durch das Direktorium oder das Personalreferat vorgenommen?o Wenn ja: Wann und mit welchem Ergebnis?o Wenn nein: Warum nicht?
  • Hat der Oberbürgermeister die Mandate offiziell angezeigt oder genehmigen lassen?o Falls nein: Aus welchem Grund war das aus seiner Sicht nicht erforderlich?
  • Ist der Oberbürgermeister der Meinung, dass er diese Mandate auch ohne sein Amt als Oberbürgermeister angeboten bekommen hätte? Wenn ja, warum?
  • Von welchen Akteuren des FCB wurde der Oberbürgermeister angefragt und wann?
  • Wurde die Mandatsübernahme im Vorfeld mit der SPD-Partei- oder Fraktionsspitze oder im Ältestenrat besprochen?
  • An welche Adresse wurden Einladungen und Unterlagen geschickt (an das Rathaus oder an seine Privatadresse?)o Falls an das Rathaus: Wurden sie dort von Mitarbeitenden bearbeitet?o Wurde veranlasst, dass Unterlagen künftig ausschließlich privat zugestellt werden?
  • Wurden Terminabstimmungen über das OB-Büro koordiniert oder hat der Oberbürgermeister dies als Privatperson selbst erledigt?
  • Hat der Oberbürgermeister Unterlagen zu diesen Mandaten während seiner regulären Dienstzeit gelesen oder bearbeitet?
  • Wie ist er zu den Sitzungen gereist?o Wurde ein Dienstwagen genutzt?
  • Welche jährliche Aufwandsentschädigung erhält er für die beiden Mandate?
  • Wie viel Zeit haben die Mandate bislang insgesamt in Anspruch genommen?

Bis zum 8. April 2026 sind die Antworten zu liefern.

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