Rund um den Brustring
·12. März 2026
Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Porto-Experte Marcos

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·12. März 2026

Heute Abend trifft der VfB im ersten von zwei Achtelfinal-Spielen in der Europa League auf den FC Porto. Um mehr über den Verein und die Mannschaft aus der portugiesischen Hafenstadt herauszufinden, haben wir mit FCP-Experte Marcos gesprochen.
Rund um den Brustring: Hallo Marcos, und vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, unsere Fragen zu beantworten. Der FC Porto steht an der Spitze der Primeira Liga und könnte zum ersten Mal seit vier Jahren den Titel gewinnen. Wie schätzt Du die Chancen auf den Gewinn der Liga ein und was macht Porto in dieser Saison anders als in den letzten drei Jahren?
Marcos: Es gibt ein Klischee im Fußball, besonders wenn man in vielen Wettbewerben spielt: von Spiel zu Spiel zu denken, ohne zu weit vorauszuschauen. Der FC Porto befindet sich derzeit in sehr guter körperlicher Verfassung. Wie Farioli auf einer Pressekonferenz sagte, zeigt die Mannschaft sehr gute physische Leistungswerte im Training. Die erste Halbzeit gegen Benfica war trotz des Ergebnisses sehr ermutigend. Obwohl das Spiel unentschieden endete, hat der Fußball, den die blau-weiße Mannschaft gespielt hat, allen Fans gefallen. Das Team ist in allen Spielphasen stark und darauf vorbereitet, diese K.-o.-Runde trotz ihrer Schwierigkeit zu bestreiten.
In der Europa League belegte Porto den fünften Platz und zog direkt ins Achtelfinale ein. Hätten sie in der Ligaphase höher abschneiden sollen oder ist das Deiner Meinung nach ungefähr die Stärke der Mannschaft in diesem Wettbewerb?
Aufgrund von Fariolis Kadermanagement war ein Platz unter den ersten acht das Hauptziel. Der FC Porto spielt grundsätzlich darum, jeden Wettbewerb zu gewinnen, daher wird der Kader in weniger schwierigen Spielen manchmal geschont. Allerdings ist Fariolis Management etwas anders, weil er sehr viel rotiert, sodass am Ende viele Spieler gewissermaßen Stammspieler sind. Häufig gibt es eine Startelf für die Europa League und eine andere mit sechs oder sieben Änderungen für die Liga.
In der Taça de Portugal hat Porto das Hinspiel des Halbfinales bei Sporting verloren. Wie stehen die Chancen des Vereins, den Pokal – oder die Europa League – zu gewinnen?
Zu Hause ist der FC Porto normalerweise sehr stark. Im Hinspiel des Pokals auswärts bei Sporting rotierte Farioli sechs Spieler, insbesondere Froholdt, um die volle Energie für das Ligaspiel gegen Benfica im Estádio da Luz zu haben. Das Rückspiel findet Ende April statt, und bis dahin kann sich viel ändern – Spieler können sich verletzen, Porto könnte sich bis dahin eine bestimmte Position in der Liga sichern, und das kann die mentale Situation der Teams beeinflussen.
Wie war die Reaktion in Porto, als klar wurde, dass es gegen Stuttgart geht? Welchen Stellenwert hat Stuttgart – falls überhaupt – in Portugal?
Um ehrlich zu sein, wollten wir nicht gegen Stuttgart spielen. Generell wissen wir, dass die Bundesliga eine Liga mit sehr hoher Intensität ist, mit hervorragenden physischen Werten, taktisch sehr gut vorbereiteten Teams und viel individuellem Talent. Speziell über Stuttgart wissen wir, dass sie eine ausgezeichnete Bundesliga-Saison spielen und ganz sicher eine sehr schwer zu schlagende Mannschaft sein werden. Es wird in vielerlei Hinsicht ein interessantes Duell. Ich hoffe, dass ich Zeit habe, den Gegner wie gewohnt zu analysieren (im Moment habe ich wegen des Kurses nicht so viel Zeit).
Ein Blick auf die Statistiken: Porto hat in 25 Spielen nur 10 Tore kassiert, Torhüter Diogo Costa hat bereits 16 Spiele ohne Gegentor. Sind die Stürmer in der Liga einfach nicht sehr gut oder ist Porto defensiv so stark?
Auch wenn es einen Niveauunterschied zwischen den ersten vier Teams und dem Rest gibt, sind die Mannschaften in Portugal trotz der niedrigen Budgets der meisten Vereine sehr gut trainiert. Der FC Porto ist eine äußerst wettbewerbsfähige und physische Mannschaft, die in allen Spielphasen engagiert ist. Das Geheimnis dafür, dass wir so wenige Tore kassieren, ist, dass wir neben einer polnischen „Abwehrmauer“, die viel Sicherheit gibt (Bednarek und Kiwior), und einem Torhüter von Weltklasseformat (Diogo Costa) ein Spielmodell haben, das von allen elf Spielern sehr viel Defensivarbeit verlangt. Das beginnt bereits bei den vordersten drei Spielern, die sehr intensiv pressen und viele defensive Aufgaben haben – sowohl beim hohen Pressing als auch beim kompakten Verteidigen in einem mitteltiefen bis tiefen Block. Meiner Meinung nach ist das das Geheimnis des defensiven Erfolgs des FC Porto.
Wie würdest Du die Primeira Liga im Vergleich zur Bundesliga in Bezug auf die Stärke einschätzen?
Viele Menschen unterschätzen die Primeira Liga, aber die Wahrheit ist, dass viele Spieler in die Premier League wechseln und dort erfolgreich sind (manche mehr, manche weniger). Generell ist das Niveau im Scouting extrem hoch, das Analyse-Niveau gehört zu den besten, und die Qualität portugiesischer Trainer ist weltweit anerkannt – von der Jugendarbeit bis zum höchsten Niveau. Was die beiden Ligen hauptsächlich unterscheidet, ist die finanzielle Ausstattung der deutschen Vereine – sie ist so viel größer, dass sie deutlich mehr Geld investieren und erwirtschaften können, ganz zu schweigen von der Fußballkultur, bei der fast alle Stadien voll sind. In Portugal unterstützen die Menschen meist nur fünf Vereine – FC Porto, SC Braga, Vitória SC, Sporting CP und Benfica – und das mindert die Attraktivität vieler Ligaspiele, wenn die Stadien nicht voll sind. Mit Eurer finanziellen Struktur könnten wir ohne Zweifel noch viel weiter kommen.
Samu, der in 20 Ligaspielen 13 Tore erzielt hat, fällt wegen eines Kreuzbandrisses aus – wie sehr schadet das der Mannschaft und auf wen sollte man sonst noch achten?
Wie ich bereits gesagt habe, ist der FC Porto eine sehr ausgeglichene Mannschaft in allen Spielphasen: stark im offensiven Umschaltspiel, stark darin, das Spiel zu bestimmen, um Kombinationen im Zentrum zu erzeugen – besonders wenn man hoch gepresst wird – und häufig wird das Prinzip des „dritten Mannes“ angewendet, um Varela zu finden.
Abgesehen von der offensichtlichen defensiven Stärke: Was sind die Stärken und Schwächen dieser Porto-Mannschaft?
Sie überraschen die Innenverteidiger mit unterstützenden Bewegungen von Denis, ziehen die Verteidiger heraus und nutzen dann den Raum mit einem Tiefenlauf eines der zentralen Mittelfeldspieler. Auch bei Standardsituationen sind sie sehr kompetent und haben in dieser Saison viele Tore daraus erzielt. Auch ihre Anstöße können wirkungsvoll sein, egal ob kurz oder lang. Die größte Schwäche ist ohne Zweifel die Entscheidungsfindung, meist im letzten Drittel des Spielfelds.
Stuttgart hat noch nie gegen Porto gespielt. Was sollten die mitreisenden VfB-Fans nächste Woche in der Stadt sehen oder tun – kannst du etwas empfehlen?
Ich kann sagen, dass ihr unbedingt Francesinha und Bifana probieren solltet und, wenn ihr Fisch mögt, ein gutes Bacalhau-Gericht. Trinkt viel Super Bock, und wenn ihr alle mit Respekt behandelt, werdet ihr sicher ebenfalls gut behandelt. Ein Besuch der Ribeira und der Livraria Lello ist ebenfalls Pflicht. Die Atmosphäre wird unglaublich sein – ich denke, die Tickets werden bereits ausverkauft sein.
Wer wird neben Samu das Spiel am Donnerstag verpassen?
Samu, Luuk de Jong und Nehuén Pérez.
Vielen Dank!
Titelbild: © Jose Manuel Alvarez Rey/Getty Images









































