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·22. Mai 2026

Schiedsrichter-Verband erstattet Anzeigen gegen Real und Pérez

Artikelbild:Schiedsrichter-Verband erstattet Anzeigen gegen Real und Pérez

Real Madrid und Florentino Pérez werden angezeigt! Wie der spanische Schiedsrichterverband (Asociación Española de Árbitros de Fútbol, kurz: AESAF) am Donnerstag in einer Pressemitteilung verkündet hat, habe man „zwei Beschwerden bei der staatlichen Kommission gegen Gewalt, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz im Sport eingereicht, die dem Obersten Sportrat (Consejo Superior de Deportes, kurz: CSD) unterstellt ist, da er der Ansicht ist, dass bestimmte Handlungen und öffentliche Äußerungen dazu beitragen können, die Schiedsrichtergruppe an den Pranger zu stellen, Feindseligkeiten zu schüren und den Druck auf sie zu erhöhen.“

Genauer richten sich die Beschwerden „gegen Herrn Pérez sowie gegen Real Madrid TV und Real Madrid“, so der Verband. Man sei der Ansicht, „dass die wiederholte Verbreitung bestimmter öffentlicher Botschaften sowie die fortgesetzte Veröffentlichung von Inhalten, die die Schiedsrichtergemeinschaft systematisch in Frage stellen oder diskreditieren, dazu beitragen, das für den ordnungsgemäßen Ablauf des Sportgeschehens notwendige Klima des Respekts zu beeinträchtigen, und Situationen von Spannung, Feindseligkeit oder Gewalt gegenüber den Schiedsrichtern begünstigen können.“


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Zwar haben in den letzten Monaten auch andere Klubs sowie deren Verantwortlichen nicht vor Kritik an einzelnen Schiedsrichtern oder generell der spanischen Schiedsrichterei gescheut, mal RCD Espanyol, mal Rayo Vallecano, mal auch der FC Barcelona – beispielsweise Hansi Flick nach dem Patzer gegen Girona, dazu gab es sowohl nach dem Copa-Aus als auch nach dem CL-Aus sowohl Kritik von Joan Laporta als auch Stellungnahmen und offizielle Beschwerden des Klubs – aber der AESAF geht es bei der Mitteilung nur um Real Madrid. Hier ist Realmadrid TV zwar schon länger dafür bekannt, die Schiedsrichter vor und nach Partien besonders in Fokus zu nehmen – aber allein ist Real Madrid mit der Kritik an spanischen Schiedsrichtern eben nicht. Dazu weist der Klub regelmäßig auf den auch nach drei Jahren noch offenen Negreira-Fall hin, bei dem der FC Barcelona jahrelang den Vizepräsidenten des spanischen Schiedsrichter-Komitees CTA geheime Zahlungen in Millionenhöhe überwiesen hat.

Das Barça-Gate

José María Enríquez Negreira war von 1993 bis 2018 Verantwortlicher und Vizepräsident des spanischen Schiedsrichterkomitees Comité Técnico de Árbitros (CTA).

Mindestens von 2001 bis 2018 gab es mehrere Zahlungen des FC Barcelona – unter vier Präsidenten, darunter auch Joan Laporta, der das Honorar an Negreira sogar vervierfachte – an den Spanier zwischen 7,5 und 8,4 Millionen Euro. Dazu kommen neben Millionenzahlungen an seine Ex-Frau auch Berichte, in denen es heißt, es hätte schon in den 90ern erste Zahlungen gegeben.

Der Vorwurf, der seit Frühjahr 2023 untersucht wird: Hat Barça das spanische Schiedsrichtersystem durch als Beratung verschleierte Zahlungen, unter anderem an Negreiras Unternehmen DASNIL 95, korrumpiert, um daraus sportliche Vorteile zu erschleichen?

Die Verbände LFP und RFEF wollen dagegen nur wenig am seit jahrelang kriselnden Schiedsrichterwesen ändern, dabei sind spanische Schiedsrichter auch im Europa-Vergleich längst abgefallen. So wurde bei den letzten beiden internationalen Turnieren – Klub-WM und EM 2024 – nur ein einziges Spiel von einem Spanier geleitet (Jesús Gil Manzano bei der EM), bei der kommenden WM ist auch nur ein Spanier abgestellt (Alejandro Hernández Hernández), dazu wurde von den letzten 21 CL-Finals nur eines von einem spanischen Schiedsrichter geleitet (2021, Mateu Lahoz). Dabei ist Real Madrid nicht nur für regelmäßige Kritik bekannt, sondern fordert auch „umfassende Reformen“, um das System „in seiner Gesamtheit zu erneuern“, wie in einem Brandbrief in 2025 erklärt: „Das spanische Schiedsrichtersystem ist völlig fehlerhaft und strukturell darauf ausgelegt, sich selbst zu schützen, mit Unterstützung der vom RFEF selbst abhängigen Disziplinarausschüsse, die sich systematisch weigern, Schiedsrichter zu bestrafen, willkürliche Sanktionen zu ändern und, kurz gesagt, ein System aufrechtzuerhalten, das bereits von der normalen Justiz selbst als betrügerisch bezeichnet wurde. Die schwerwiegenden strukturellen Probleme des spanischen Schiedsrichterwesens wurden in den letzten Jahren durch Enthüllungen deutlich, die Praktiken ans Licht brachten, die mit der Transparenz und Unparteilichkeit, die den Wettbewerb bestimmen sollten, unvereinbar sind. Trotz des Ausmaßes des Skandals und der Erosion der Glaubwürdigkeit des Systems gab es jedoch keine wirkliche Reform oder eine wirksame Reinigung der Verantwortlichkeiten.“

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So gebe es laut Real Madrid im Verband eine „Struktur, die so angelegt ist, dass sie ohne wirksame Kontrolle und außerhalb jeder Forderung nach Unparteilichkeit funktioniert. Ein System, das vom Verband selbst durch seine aufeinanderfolgenden Präsidenten aufrechterhalten und geschützt wird, durch ein Geflecht sich überschneidender Interessen, in dem das Schiedsrichterkollektiv weit davon entfernt ist, ein rein technisches Organ zu sein, das den Kriterien der Neutralität und Exzellenz unterliegt und zu einem politischen Akteur geworden ist, der ein entscheidendes Gewicht in den Wahlprozessen des Verbands hat. Wenn diejenigen, die beaufsichtigt und kontrolliert werden sollen, gleichzeitig ein entscheidender Faktor bei der Wahl derjenigen sind, die diese Aufsichtsfunktion ausüben sollen, ist das Ergebnis das, was wir gerade erleben. (…) Die Realität sieht jedoch so aus, dass die Schiedsrichter- und Disziplinarstruktur weiter unverändert funktioniert und ein System aufrechterhält, das sich als von innen heraus korrupt erwiesen hat und nur damit beschäftigt ist, Proteste gegen Schiedsrichter und alle anderen Beschwerden zu verfolgen, die die Realität des spanischen Schiedsrichtersystems aufzeigen oder den Verantwortlichen einfach nicht gefallen.“

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