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·13. März 2026

Schwerer als gedacht

Artikelbild:Schwerer als gedacht

Den FC St. Pauli erreicht am Freitag eine Hiobsbotschaft: James Sands fällt für den Rest der Saison aus. Ein Verlust, den der FCSP kaum kompensieren kann.(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Das mit dem Pokerface hat Alexander Blessin nicht so richtig drauf, davon konnte man sich am Mittwoch auf der Pressekonferenz des FC St. Pauli erneut überzeugen. In dem Moment nämlich, als er darüber sprach, dass man im Falle der Verletzung von James Sands noch abwarten müsse, wie sich die kommenden Tage entwickeln, war an der Miene des FCSP-Chefcoaches bereits klar zu erkennen, dass eine lange Ausfallzeit des defensiven Mittelfeldspielers zu befürchten ist.


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James Sands muss operiert werden

So ist es nun, zwei Tage später, auch kommuniziert worden: James Sands muss aufgrund einer Verletzung am linken Sprunggelenk operiert werden. Die Verletzung hatte er sich im Spiel gegen Eintracht Frankfurt zugezogen, als er von Ritsu Dōan rüde von der Seite gefoult wurde (dafür sah dieser die Gelbe Karte). Sands wird laut der Meldung des FC St. Pauli bis Saisonende ausfallen. Das dürfte auch beinhalten, dass er nicht an der Weltmeisterschaft teilnehmen wird. Und es könnte auch bedeuten, dass er nie wieder für den FCSP aufläuft. Die Situation in zwei Worten zusammengefasst: Richtig scheiße.

Wie wichtig Sands für den FC St. Pauli ist, lässt sich bereits an der Spielzeit ablesen: Unter allen Feldspielern stand nur Joel Fujita in dieser Saison länger für den FCSP auf dem Platz als der 25-jährige. Sands ist eine extrem wichtige Konstante im Spiel des FC St. Pauli (gewesen), kam in 28 von 29 Pflichtspielen zum Einsatz. Nur eines verpasste er aufgrund einer Gehirnerschütterung. Abgesehen von der Partie gegen Werder Bremen (Blessin erklärte damals, dass Sands im Vorfeld müde gewirkt habe), stand der 25-jährige in allen anderen Pflichtspielen in dieser Saison in der Startelf. Einzig Fujita kommt auf die gleiche Anzahl an Startelfeinsätzen. Das zeigt: James Sands ist für den FC St. Pauli in dieser Saison unverzichtbar.

Wichtige Konstante für „Drecksarbeit“

Warum er so viel Einsatzzeit hatte, zeigt ein Blick in die Statistiken: Kein Spieler des FC St. Pauli hat auf der Position im zentralen Mittelfeld pro 90 Minuten mehr erfolgreiche Defensivaktionen. Keiner führt mehr Defensivzweikämpfe. Keiner hat eine höhere Erfolgsquote bei diesen (hier liegt Sands in den Top 5 der Liga). Gleiches gilt für die Kopfballduelle. Zudem hat kein FCSP-Spieler auf seiner Position mehr Pässe pro Partie abgefangen. Der Grund, warum er von mir unter anderem „second-ball Jimmy“ genannt wird (den anderen Spitznamen, „one-touch Jimmy“, fand er nicht so toll) ist in dieser Statistik noch nicht einmal berücksichtigt. Und dann hat auch kein FCSP-Spieler, egal auf welcher Position, mehr Fouls gezogen als James Sands. In dieser Hinsicht ist es besonders bitter, dass er sich ausgerechnet bei einer seiner Kernkompetenzen verletzt hat.

James Sands ist für den FC St. Pauli also ein Spieler, der nicht mal eben so ersetzt werden kann. Er ist in dieser Saison eine der ganz wenigen Konstanten im Kader gewesen. Jemand, der leistungsmäßig selten herausragte (was aber auch an seinem unauffälligen Spielstil liegt – und sowieso: Ausnahmen bestätigen die Regel), aber eben ganz sicher jemand, der dem Team im zentralen Mittelfeld Gleichgewicht gab. Sands ist jemand, der für die Drecksarbeit verantwortlich zeichnet. Er schließt Lücken, führt direkte Duelle, geht dahin, wo es wehtut. Ein Ersatz für so einen Spieler gibt es im Kader des FC St. Pauli nur bedingt. Womit wir bei der Frage angekommen wären, wie der FCSP den Ausfall von Sands kompensieren kann.

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Nicht nur der FC St. Pauli wird, zumindest für den Rest der Saison, auf die „Drecksarbeit“ von James Sands verzichten müssen. Der 25-jährige wird womöglich auch die Weltmeisterschaft verpassen. // (c) Stefan Groenveld

Kein echter Ersatz im Kader des FC St. Pauli

Denn der logische Ersatz für James Sands, ein Spieler mit ähnlichen Fähigkeiten, steht eigentlich immer zusammen mit ihm auf dem Platz: Jackson Irvine erfüllt das Anforderungsprofil „Drecksarbeit“ ebenso wie Sands. Er ist aber jemand, der öfter in offensiverer Rolle agierte, während Sands das Auge primär auf die Rückverteidigung hatte. Damit könnte nun Schluss sein. Denn alle anderen Spieler, die für die Sands-Position infrage kommen haben entweder ein deutlich offensiveres Profil (Joel Fujita, Connor Metcalfe) oder haben ihre Stärken eher im Spielaufbau als in der Drecksarbeit (Eric Smith). Die Verletzung von James Sands ist also deutlich anders einzuordnen, als wenn Spieler ausfallen, die mehr oder weniger direkt ersetzt werden können. Dieser Ausfall dürfte viel grundlegender in das Spiel des FC St. Pauli eingreifen. Entsprechend wiegt er sicher schwerer, als viele vielleicht denken mögen.

Vermutlich keine WM – und nie wieder FC St. Pauli?

Fernab von den Auswirkungen, die der Ausfall von James Sands für den FC St. Pauli haben wird, ist diese Verletzungen ziemlich bitter für ihn selbst. Denn im Sommer findet die Fußball-Weltmeisterschaft unter anderem in seinem Heimatland statt. (Ja, man kann Kritik am Austragungsort völlig berechtigt finden und teilen und zeitgleich Anteilnehmen am persönlichen Schicksal eines US-Nationalspielers). Aus der Meldung des FC St. Pauli geht es zwar nicht explizit hervor, aber die Wahrscheinlichkeit ist extrem hoch, dass dieses Turnier nun für Sands gelaufen ist. Denn um nominiert zu werden, hätte er sich wohl Ende März erst noch einmal empfehlen müssen. Das fällt nun flach und somit sind die Chancen auf eine Nominierung ziemlich gering, selbst wenn James Sands rechtzeitig zu Turnierbeginn wieder spielfit sein sollte (was vermutlich eh unwahrscheinlich ist),.

James Sands ist offiziell bis Ende der Saison vom New York City FC an den FC St. Pauli ausgeliehen. Entsprechend muss man sich auch nun wieder (wie auch letzte Saison, als Sands mit einer schweren Verletzung bis Saisonende ausfiel) die Frage stellen, ob er überhaupt jemals wieder das Trikot des FCSP tragen wird. In dieser Hinsicht hält man sich natürlich an jedem Strohhalm fest und da wecken die Worte (aus der Vereinsmeldung): „Der FC St. Pauli muss in den kommenden Monaten auf James Sands verzichten.“ natürlich die Hoffnung, dass der FCSP nach den „kommenden Monaten“ eben nicht mehr auf die Dienste von Sands verzichten muss, er also auch kommende Saison Spieler des FC St. Pauli sein wird.

Das ist aber alles erst einmal egal. Vorerst geht es nur darum, dass James Sands schnellst- und vor allem bestmöglich genesen wird.Get well soon, Jimmy!// Tim

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