FC Bayern München
·9. September 2026
Steht wie eine Eins: Ena Mahmutovic im Interview

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·9. September 2026

Ena Mahmutovic debütierte mit 16 als Feldspielerin in der Bundesliga – jetzt ist sie 22 und die Nummer 1 beim FC Bayern. In der September-Ausgabe des Mitgliedermagazins „51“ erzählt sie von ihrem Weg ins Tor, Fehlern, die sie besser gemacht haben, und ihrem großen Traum.
Ena, du bist die Nummer 1 beim FC Bayern und trägst die Nummer ab dieser Saison auch auf dem Rücken. Was bedeutet dir das? Ena Mahmutovic: „Vorher hatte ich die 32, die habe ich geliebt, weil ich sie auch schon in Duisburg getragen habe. Aber die 1 bei Bayern zu bekommen – davon träumt jede Torhüterin und jeder Torhüter. Einige Mitspielerinnen kamen direkt auf mich zu und haben gesagt: ‚Wow, cool, Glückwunsch, hast du dir verdient.‘ Das war schön. Im Alltag ändert sich aber nichts für mich. Ich arbeite genauso weiter wie vorher mit der 32.“
Rückennummern im Fußball haben eine besondere Bedeutung. Wofür steht die 1 für dich? „Ganz klar für die Spielerin, die immer im Tor steht. Diese Nummer bekommt man nicht geschenkt, da stecken viel Schweiß, Fleiß und Disziplin drin. Sie bedeutet auch Verantwortung – aber die übernehme ich gerne. Ich trage die 1 mit Stolz, weil ich sie mir über zwei Jahre erarbeitet habe.“
In deinen ersten beiden Bayern-Jahren warst du die Herausforderin, hast mit Mala Grohs um das Tor konkurriert. Wie hast du diese Phase erlebt? „Auf dem Platz waren Mala und ich Konkurrentinnen, aber außerhalb haben wir uns gut verstanden und sind respektvoll miteinander umgegangen. Wie ganz normale Teamkolleginnen. Leider ist Mala dann schwer erkrankt, wodurch ich ins Tor gekommen bin. Das hat sich für mich nicht richtig angefühlt. Ich wollte mich immer sportlich durchsetzen. Aber so war es eben. Zum Glück ist sie wieder gesund geworden. Nachdem ich mich im ersten Jahr am Ende der Vorbereitung noch verletzt hatte, hatten wir in meinem zweiten Sommer in München einen offenen Konkurrenzkampf. Wir beide hatten dabei unsere Chance. Ich konnte mich durch Leistung durchsetzen, das war immer mein Ziel.“
Wie bist du mit der Erkrankung einer Teamkollegin, noch dazu einer Konkurrentin, mental umgegangen? „Es war keine einfache Situation. Ich wollte auf keinen Fall, dass der Eindruck entsteht, ich würde von einer Erkrankung profitieren oder mich gar über die Situation freuen. Das wäre total falsch. Ich denke, auch Mala würde sagen, dass der Konkurrenzkampf auf diesem hohen Level uns beide insgesamt weitergebracht hat. In welchem Team gibt es schon zwei junge Torhüterinnen auf diesem Niveau? Man trainiert miteinander, pusht sich gegenseitig, jede von uns ist dadurch besser geworden.“
Stimmt es, dass dein Papa es lieber gesehen hätte, wenn du als Feldspielerin Karriere gemacht hättest? „Ja. Ich bin beidfüßig und habe in der Jugend bei Duisburg lange auf dem rechten Flügel gespielt – bis in der U13 vor einem Pokalspiel gegen Gladbach unsere Torhüterin ausgefallen ist. Da hat mich die Trainerin gefragt, ob ich ins Tor gehen kann. Kurz vorher waren wir in einer Soccerhalle gewesen, und da hatte ich mich aus Spaß ins Tor gestellt. Ich glaube, da hat sie gesehen, wie viel Freude mir das gemacht hat. Im Pokalspiel mussten wir dann ins Elfmeterschießen, und ich habe ein paar Elfer gehalten.“
Und damit warst du im Tor? „Erst mal bin ich dual trainiert worden, sowohl im Tor als auch im Feld. Davon profitiere ich bis heute. Ich würde sogar sagen, es ist eine meiner großen Stärken, wie ich den Ball mit beiden Füßen spielen kann. Mit 15, 16 bin ich dann fest ins Tor. Mein großer Traum ist es, irgendwann als Torhüterin ein Tor zu schießen. Vielleicht ergibt sich ja mal die Gelegenheit, wer weiß?“
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Wenn du ein Spiel hast, in dem fast nichts auf dein Tor kommt – was macht das mit deinem Papa auf der Tribüne? „Er wird unruhig (grinst). Er ist ja kein normaler Zuschauer, der sich einfach über das Spiel freut – er will mich in Aktion sehen. Wenn ich nur Bälle verteile und kaum etwas zu halten bekomme, findet er das langweilig und hofft regelrecht, dass endlich mal ein Ball auf mein Tor kommt. Ich weiß, dass er sehr stolz darauf ist, wie ich mich als Torhüterin entwickelt habe – auch wenn er mich früher lieber als Feldspielerin gesehen hätte.“
Du hast auch dein Bundesliga-Debüt für Duisburg als Feldspielerin gemacht. „Das war der Corona-Situation geschuldet. Wir hatten nur noch 14 Spielerinnen, und der Trainer hat mich in der Nachspielzeit als Feldspielerin gebracht. Da haben wir gegen Leverkusen schon 2:0 geführt, es konnte also nichts mehr schiefgehen.“
Deine Trainer loben gerne deine Ruhe am Ball. Woher kommt diese Abgeklärtheit? „Druck hat mir noch nie etwas ausgemacht. Möglichst kein Gegentor zu kassieren, im Champions League-Halbfinale auf den Punkt da zu sein – was gibt es Schöneres? Im Training ist es anders: Da ist es gut, ohne Druck arbeiten zu können. Wenn der Torwarttrainer zehn Bälle mit voller Kraft aufs Tor schießt, geht auch mal einer rein – und nur so kann man sich weiterentwickeln. Es ist entscheidend, immer selbstkritisch zu bleiben, immer zu schauen, an welchen Stellschrauben man noch drehen kann. Das ist entscheidend, um vor allem in der Champions League den nächsten Schritt machen zu können.“
Wie hilfreich ist deine Erfahrung als Feldspielerin, wenn es darum geht, sich in die gegnerische Stürmerin hineinzuversetzen? Weißt du manchmal, in welche Ecke sie schießen wird? „Das ist auf jeden Fall hilfreich. Aber vor allem profitiere ich davon, ein gewisses Spielverständnis zu haben, zu erkennen, welcher Ball unserer Mannschaft in einer Situation am meisten hilft. Spiele ich einen Chipball auf die Außenverteidigerin, die vielleicht Druck bekommt? Oder gibt es eine Lücke in der Mitte, sodass ich unsere Sechs anspielen kann, die sich dann frei aufdrehen kann? Ich muss das erkennen und auch unter Druck Lösungen finden.“
Welche Rolle spielt Talent, wie viel kann man sich antrainieren, um zum Beispiel dieses Spielverständnis zu entwickeln? „Ohne Talent geht es nicht – aber nur mit Talent geht es auch nicht. Das Training ist ein entscheidender Faktor. Ich weiß noch, wie ich mit 15, 16 in Duisburg mit meinem Torwarttrainer ständig Chipbälle geübt habe, auch nach dem Training oder an freien Tagen. Ich habe Tausende Bälle auf ihn gespielt. Durch diese Wiederholungen entsteht ein Automatismus – je früher man damit anfängt, desto besser. Und wenn ich heute im Spiel sehe, dass ich einen schönen Chipball auf eine unserer Außenverteidigerinnen spielen kann, löst das Glücksgefühle in meinem Kopf aus – und wenn es klappt, wow, wird sogar noch mehr Dopamin ausgeschüttet.“
Du hast mal erzählt, dass du am liebsten gleich wieder trainieren gehst, wenn dir mal ein Fehler passiert. Ist das deine Art, mit Rückschlägen umzugehen? „Ja. Ich will dann sofort wieder auf den Platz, um es besser zu machen. Bei meinem Länderspieldebüt gegen Italien habe ich gepatzt. Da war ich echt sauer auf mich, auch weil ich wusste: Jetzt muss ich vermutlich erst einmal warten, bis ich wieder eine Chance bekomme. Es hat dann eineinhalb Jahre gedauert, bis ich gegen Slowenien wieder spielen durfte. Zum Glück haben wir 2:0 gewonnen, und ich konnte das Italien-Spiel endlich abhaken.“
Was ist damals gegen Italien genau passiert? „Ich habe eine Finte gemacht und die Gegenspielerin ins Leere laufen lassen – aber leider war da noch eine zweite, die ich nicht gesehen hatte. Die musste den Ball dann nur noch ins Tor schieben. In der ersten Halbzeit hatte ich einen ähnlichen Haken geschlagen, da war es noch gut gegangen. Mein Torwarttrainer in der Nationalmannschaft, Michael Fuchs, hat mir danach gesagt: ‚Merke dir für deine Karriere: So was funktioniert immer nur einmal.‘ Weil die Stürmerinnen beim nächsten Mal darauf lauern. Seitdem ist mir so ein Fehler nicht mehr passiert.“
Ist es für dich als Torhüterin besser, ein gutes Gedächtnis zu haben – oder Dinge schnell vergessen zu können? „Letzteres. Wenn wir morgen gegen Barcelona spielen, denke ich jedenfalls vorher nicht mehr an meinen Fehler gegen Italien. Dann dreht sich in meinem Kopf alles nur darum, bestmöglich zu performen und gewinnen zu wollen.“
Bei deinem Bundesliga-Debüt warst du 16. Hätte die junge Ena damals geglaubt, dass sie ein paar Jahre später im Tor von Bayern und der Nationalmannschaft steht? „Mein Traum war damals, immer für Duisburg zu spielen. Aber sportlich ging es für das Frauenteam leider bergab. Ich bin reifer geworden und wollte das Beste aus mir rausholen. Wenn man dann ein Angebot vom FC Bayern bekommt, überlegt man nicht lange – auch wenn mir der Schritt nach zehn Jahren in Duisburg nicht leichtgefallen ist.“
Fühlst du dich inzwischen als Bayerin? „Wenn ich nach Hause in den Ruhrpott komme, ist es manchmal komisch: Ich sage „Servus“, das habe ich mir total angewöhnt. Und das Leben in München gefällt mir sehr. Überall Natur, Seen, die Berge – ich bin superglücklich hier.“
Privat gehst du gern auf Reisen, fliegst auch weit weg. Suchst du ganz bewusst Abstand zum Fußballalltag? „Wahrscheinlich schon. Ich liebe es zu reisen. Es gibt so viele schöne Länder und Orte, und ich will sie alle sehen. Im Sommer war ich in Französisch-Polynesien – wunderschön! Auch Japan hat mich begeistert, nicht nur bei unserer ‚Allianz Women’s Tour‘, ich war privat schon ein halbes Jahr vorher dort. Ich genieße das total, kann da richtig abschalten, und wenn ich zurückkomme, bin ich voller Energie.“
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Auch eine Saison ist eine Reise. Wo führt sie diesmal hin? „Letztes Jahr haben wir eine historisch erfolgreiche Saison gespielt. Und natürlich wollen wir das Double verteidigen. Aber wir schielen schon auch auf einen anderen Wettbewerb, wollen mit unserer Qualität und Erfahrung in der Champions League den nächsten Schritt machen.“
Und wenn dann nächsten Sommer der Bundestrainer sagt, dass du als Nummer 1 mit zur WM nach Brasilien fährst … „Die Rollen in der Nationalmannschaft sind aktuell klar verteilt. Ann-Katrin Berger ist die beste Torhüterin, mit der ich jemals trainiert habe. Ich habe großen Respekt vor ihr. Ich kann so viel von ihr lernen, und darüber bin ich sehr froh. Natürlich ist es mein Ziel, in Brasilien dabei zu sein – es wäre unangebracht, wenn ich als Torhüterin des FC Bayern diesen Anspruch nicht hätte. Aber die Nationalmannschaft ist für mich noch eine Art Bonus. Meine Brötchen muss ich bei Bayern backen, darauf konzentriere ich mich, so kann ich mich empfehlen. Wenn mich der Bundestrainer dann einlädt, ist das eine Bestätigung dafür, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“
So erlebten Oberdorf und Gwinn ihre Comebacks:







































