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·16. Februar 2026

Strittige Szenen am 24. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Artikelbild:Strittige Szenen am 24. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Zwei abgepfiffene Angriffe von Mannheim, der nicht gegebene Treffer von Cottbus, die nicht gegebenen Elfmeter für Köln, Stuttgart II, Osnabrück, Essen und Aachen, das 2:2 von Aue, das 1:0 von Saarbücken, das 2:2 von Osnabrück, das 3:0 von Wiesbaden sowie Foulspiele von Symalla und Ocansey. Am 24. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de 13 strittige Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga- & FIFA-Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 54-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter seit März 2015 jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf arbeitet Rafati heute als Mentalcoach für Profifußballer und Manager und ist ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, unter anderem bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation. Mehr Infos unter babak-rafati.de.


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Szene 1: Felix Lohkemper (Mannheim) ist nach einem Pass von Ferati frei durch und legt sich den Ball an Energie-Keeper Marius Funk vorbei, wird dann aber von Schiedsrichter Ben Henry Uhrig wegen einer Abseitsposition zurückgepfiffen. [TV-Bilder – ab Minute 44:10]

Babak Rafati: Zum Zeitpunkt des Abspiels von Ferati auf Mitspieler Lohkemper steht dieser nicht in Abseitsposition, denn dieser ist noch in der eigenen Hälfte. Selbst einen Moment später – in der gegnerischen Hälfte – hebt der Verteidiger eine mögliche Abseitsposition auf, da dieser und der Keeper näher zur eigenen Torlinie stehen als der Angreifer. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor, diesen Angriff zu unterbinden und nicht weiterspielen zu lassen.

Szene 2: Nach einer Vorlage von Maximilian Thalhammer (Mannheim) ist Felix Lohkemper wieder freit durch und bringt den Ball im Tor unter, doch erneut wird auf Abseits entschieden. [TV-Bilder – ab Minute 50:05]

Babak Rafati: Zum Zeitpunkt des Abspiels von Thalhammer auf Mitspieler Lohkemper steht dieser näher als zwei Verteidiger (Keeper und ein Feldspieler) zur gegnerischen Torlinie, sodass diese Abseitsentscheidung richtig ist. Das kann man gut daran erkennen, dass Lohkemper näher zur nächsten Rasenmarkierung steht als Manu und Awortwie-Grant.

Szene 3: Nach einem Kopfball von Nyamekye Awortwie-Grant (Cottbus) ist der Ball womöglich hinter der Linie, Waldhof-Keeper Thijmen Nijhuis befördert das Spielgerät aber wieder aus dem Kasten. Kein Tor, entscheidet Uhrig. [TV-Bilder – ab Minute 4:30]

Babak Rafati: Eine Szene, die hüben wie drüben für heiße Diskussionen sorgen wird. Da die Kameraperspektive – weder im TV, noch auf bislang vorliegenden Fotos – nicht exakt auf der Torlinie verläuft, ist eine zu 100 Prozent sichere Aussage nicht möglich, da die Perspektive ein wenig verzerrt ist. Es gibt aber Indizien, die eher für ein Tor sprechen. Zum einen ist auf dem vorliegenden Standbild das rechte Knie des Mannheimer Spielers Thalhammer fast auf Höhe des Balles. Wenn man sich zum anderen an dem Tornetz orientiert und sich visuell hocharbeitet, scheint der Ball hinter der Torlinie zu sein. Demnach ist der Ball tendenziell eher hinter der Torlinie. Für den Assistenten wäre es besser gewesen, wenn er genau auf der Torlinie gestanden hätte, denn dann wäre es einfacher gewesen, eine mögliche Torerzielung zu erkennen.

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Szene 4: Vincent Ocansey (Aue) geht mit Risiko in einen Zweikampf mit Verthomy Boboy (Köln). Es kommt zum Kontakt, bei dem der Kölner zu Boden geht. Schiedsrichter Martin Wilke belässt es bei Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 1:30]

Babak Rafati: Ocansey kommt mit Tempo angelaufen, und es kommt zu einem Zweikampf. Boboy spielt den Ball mit dem Kopf – wobei der Kopf nicht zu tief ist. Ocansey trifft den Kopf von Boboy zwar nur mit angewinkeltem Bein und seitlich, trotzdem ist dieser Kopftreffer gesundheitsgefährdend. Man sieht auch sehr gut, wie schlagartig sich der Kopf von Boboy nach dem Zusammenstoß bewegt. Gerade bei Kopftreffern sind die Schiedsrichter angehalten, sehr sensibel damit umzugehen und die Spieler zu schützen. In dieser Szene hätte es für dieses heftige Foulspiel mit viel Risiko die rote Karte geben müssen. Eine Fehlentscheidung, nur die gelbe Karte zu zeigen.

Szene 5: Im Strafraum geht Benjamin Zank (Köln) gegen Aue-Keeper Martin Männel zu Fall, das Spiel läuft weiter. [TV-Bilder – ab Minute 3:25]

Babak Rafati: Beim Zweikampf im Strafraum ist Zank zuerst am Ball. Keeper Männel kommt einen Moment zu spät und trifft beim Versuch, den Ball spielen zu wollen, Zank am Fuß und bringt ihn dadurch zu Fall. Das ist ein Foulspiel, für das es einen Elfmeter hätte geben müssen. Zudem hätte Männel Gelb sehen müssen. Rot nicht, da der Zweikampf von Männel ballorientiert ist. Eine Fehlentscheidung aber, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben.

Szene 6: Vor dem Strafraum der Viktoria geht Jonah Fabisch (Aue) im Duell mit Münst (Köln) zu Boden, Wilke gibt Freistoß für Aue, aus dem das 2:2 fällt. [TV-Bilder – ab Minute 3:45]

Babak Rafati: Münst ist bei diesem Zweikampf schneller am Ball und spielt klar das Spielgerät. Ein Foulspiel von ihm liegt nicht vor. Stattdessen kommt Gegenspieler Julian Günter-Schmidt etwas spät und foult den Verteidiger, sodass ein Stürmerfoul vorliegt und nicht andersherum. Eine Fehlentscheidung, keinen Freistoß für Münst zu pfeifen und stattdessen auf Foulspiel für Aue zu entscheiden. Womöglich steht der Schiedsrichter zu nah am Spielgeschehen, sodass er keine angemessene Distanz hat, um richtig zu bewerten.

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Szene 7: Beim Schuss von Rodney Elongo-Yombo, der zum 1:0 für Saarbrücken trifft, reklamiert VfB-Keeper Florian Hellstern, dass Kai Brünker im Abseits stehend ihm die Sicht behindert. Schiedsrichter Nico Fuchs gibt den Treffer. [TV-Bilder – ab Minute 1:30]

Babak Rafati: Zum Zeitpunkt des Torschusses von Elongo-Yombo steht Brünker nicht in der Sichtlinie von Keeper Hellstern. Früher war das Sichtfeld relevant, mittlerweile ist nur noch die Sichtlinie entscheidend, und hier ist alles regelgerecht. Kurz vor dem Torschuss läuft Brünker zwar in die Sichtlinie, aber es zählt nur der Augenblick des Torschusses und nicht die Sekunden zuvor. Somit liegt eine richtige Entscheidung vor, den Treffer anzuerkennen.

Szene 8: Im Strafraum geht Mansour Ouro-Tagba (Stuttgart II) bei einem Duell mit Nico Bretschneider (Saarbrücken) zu Fall. Kein Elfmeter, entscheidet Fuchs. [TV-Bilder – ab Minute 3:25]

Babak Rafati: Bretschneider will im Zweikampf sicherlich den Ball spielen, aber er trifft Ouro-Tagba am Fuß und bringt ihn zu Fall. Auch wenn bei diesem Fußtreffer kein klares „Stempeln“ vorliegt, also der Fuß komplett auf den anderen Fuß aufgesetzt ist, handelt es sich dennoch um ein Foulspiel, da der Fuß von Ouro-Tagba trotzdem getroffen wird. Somit hätte es einen Elfmeter geben müssen, sodass eine Fehlentscheidung vorliegt, weiterspielen zu lassen.

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Szene 9: Einen Schuss von Fridolin Wagner (Osnabrück) bekommt Marco Schuster (Rostock) im Strafraum den Arm. Gehahndet wird die Szene von Schiedsrichter Assad Nouhoum nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:47:20]

Babak Rafati: Bei einem Schuss von Wagner geht Schuster aktiv mit dem Arm zum Ball und hat diesen nicht am Körper angelegt. Damit wird der Ball absichtlich aufgehalten, sodass ein strafbares Handspiel vorliegt. Somit hätte es einen Elfmeter geben müssen, sodass eine Fehlentscheidung vorliegt.

Szene 10: Ismail Badjie (Osnabrück) bringt den Ball per Einwurf zurück ins Spiel, steht dabei aber kurzzeitig mit dem Fuß im Feld. Das Spiel läuft weiter, und aus dem Angriff fällt das 2:2. [TV-Bilder – ab Minute 3:15]

Babak Rafati: Badije hat zwar kurzzeitig den Fuß auf dem Feld, aber das ist erlaubt. Entscheidend ist, dass zum Zeitpunkt der Einwurf-Ausführung (!) der Fuß nicht mehr auf dem Feld steht. Somit liegt eine korrekte Spielfortsetzung vor. Die Entscheidung ist richtig, den Einwurf laufen zu lassen und den anschließenden Treffer anzuerkennen.

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Szene 11: Im Anschluss an einen Eckball geht Jan-Simon Symalla (Duisburg) mit Risiko in einen Zweikampf gegen Niklas May (Wiesbaden) und tritt diesen. Geahndet wird die Szene nicht. [TV-Bilder – ab Minute 44:00]

Babak Rafati: Im Strafraum ist alles noch sauber. Im Anschluss legt sich May den Ball vor. Symalla kommt angelaufen und grätscht von der Seite in den Zweikampf. Dabei verpasst er den Ball und trifft stattdessen May, der im vollen Lauf ist, klar am Fuß und bringt ihn dadurch zu Fall. Das ist ein klares Foulspiel, und aufgrund der Dynamik ist diese Spielweise rücksichtslos, sodass es neben dem Freistoß auch eine gelbe Karte gegen Symalla hätte geben müssen. Eine Fehlentscheidung, dieses Vergehen ungeahndet zu lassen.

Szene 12: Bei einem Zweikampf am eigenen Strafrauf geht Jan-Simon Symalla (Duisburg) gegen Justin Janitzek (Wiesbaden) zu Fall und bleibt liegen, Schiedsrichter Timon Schulz. Aus dem Angriff fällt das 3:0. [TV-Bilder – ab Minute 1:00:25]

Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf will Symalla zum Ball, wird dabei aber von Janitzek am Arm festgehalten und daran gehindert, an den Ball zu kommen. Janitzek hakt sich bei Symalla ein und reißt ihn dann zu Boden. Das ist ein Foulspiel, und es hätte somit einen Freistoß geben müssen. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen und den anschließenden Treffer anzuerkennen.

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Szene 13: Im Strafraum geht Ali Loune (Aachen) gegen Jonathan Meier (Ulm) zu Fall. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Felix Wagner. [TV-Bilder – ab Minute 2:00]

Babak Rafati: Loune will seinen Gegenspieler Meier an der Strafraumgrenze ausspielen. Dieser macht das linke Bein lang und lässt Loune über dieses Bein zu Fall kommen. Das ist ein klares Foulspiel, sodass ein Pfiff hätte erfolgen muss. Das Vergehen ist auf der Strafraumlinie, sodass es einen Elfmeter hätte geben müssen. Eine Fehlentscheidung, dieses Foulspiel nicht zu ahnden und keinen Elfmeter zu geben, zumal der Schiedsrichter eine gute Position und freie Sicht auf das Vergehen hat.

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Szene 14: Auf dem Weg in Richtung Tor kommt Ramien Safi (Essen) gegen Oscar Schönfelder (Regensburg) im Strafraum zu Fall. Kein Elfmeter, entscheidet Schiedsrichter Felix Prigan. [TV-Bilder – ab Minute 1:05]

Babak Rafati: Safi spielt Schönfelder im Strafraum aus, und dieser kann den Angreifer nur noch durch ein Foulspiel aufhalten. Der Arm des Verteidigers geht heraus, und Safi wird klar aufgehalten, am Weiterlaufen gehindert und zu Fall gebracht. Das ist ein klares Foulspiel, das der Schiedsrichter aus einer guten Position eigentlich erkennen hätte müssen. Folglich hätte es einen Elfmeter geben müssen. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen und den fälligen Elfmeter nicht zu geben. Zudem hätte es die gelbe Karte gegen Schönfelder geben müssen.

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