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·27. April 2026
Strittige Szenen am 35. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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Das 1:1 von Saarbrücken, die nicht gegebenen Elfmeter für Essen, Regensburg, Schweinfurt (2), Köln, Aue und Ingolstadt, das 3:0 von Regensburg, der Platzverweis gegen Baumann, das Handspiel von Sechelmann, Foulspiele von Röser, Steinkötter, Vukancic und Schlicke sowie die gelbe Karte gegen Lobinger. Am 35. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de 16 strittige Szenen genauer angeschaut.
Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga- & FIFA-Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 54-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter seit März 2015 jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf arbeitet Rafati heute als Mentalcoach für Profifußballer und Manager und ist ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, unter anderem bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation. Mehr Infos unter babak-rafati.de.

Szene 1: Im Mittelfeld geht Marek Janssen (Essen) gegen Tim Civeja (Saarbrücken) nach 30 Minuten zu Fall. Schiedsrichter Martin Wilke lässt weiterlaufen. Aus dem Angriff fällt das 1:1. [TV-Bilder – ab Minute 44:50]
Babak Rafati: Janssen ist im Mittelfeld vor Civeja am Ball und spielt das Spielgerät. Dabei schießt Janssen den Ball aus der Drehung mit Schwung weg. Dadurch kommt er selbst aus dem Gleichgewicht und geht dann zu Fall. Auch wenn es hierbei einen Kontakt im Oberkörperbereich mit Civeja gibt, ist dieser selbstverschuldet, sodass kein Foulspiel vorliegt. Ein Fußkontakt ist nicht erkennbar, sodass eine richtige Entscheidung vorliegt, weiterspielen zu lassen und den anschließenden Treffer anzuerkennen.
Szene 2: Einen Schuss von Kaito Mizuta (Essen) bekommt Philip Fahrner (Saarbrücken) in der 70. Minute an den Arm. Kein Elfmeter, sagt Wilke. [TV-Bilder – ab Minute 1:42:15]
Babak Rafati: Einen Schuss von Mizuta bekommt Fahrner an den Arm geschossen. Dabei dreht sich Fahrner vom Ball weg, und der Arm ist am Körper angelegt, sodass kein strafbares Handspiel vorliegt. Somit eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben.
Szene 3: Für eine Grätsche gegen Ruben Reisig (Essen) sieht Dominic Baumann (Saarbrücken) nach 82 Minuten die rote Karte. [TV-Bilder – ab Minute 3:50]
Babak Rafati: Baumann grätscht sehr unkontrolliert und mit voller Dynamik gegen Reisig und trifft ihn am Fuß. Dabei trifft er ihn nicht mit dem Bein, mit dem er zum Ball grätschen will, vielmehr mit dem Nachziehbein. Durch die Dynamik des Reinrutschens ist der Treffer hinten am Fuß sicherlich schmerzlich und natürlich gesundheitsgefährdend. Der Schiedsrichter beabsichtigt zuerst nicht eine rote Karte zu zeigen, denn das würde er sonst sofort tun. Durch die Stimmung auf dem Platz kommt er dann aber zu dem Entschluss, Baumann doch die rote Karte zu zeigen. Das ist eine vertretbare Entscheidung, denn die Dynamik ist schon sehr hoch.

Szene 4: Lucas Röser (Ulm) will in der 51. Minute eine Flanke erlaufen, trifft aber nur Torhüter Thomas Dähne (1860), der zu Fall geht. Schiedsrichter Nico Fuchs belässt es bei Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 1:26:40]
Babak Rafati: Nach einer langen Flanke will Röser den Ball erlaufen, allerdings ist Keeper Dähne früher am Ball und fängt das Spielgerät ab. Gleichzeitig springt Röser den Keeper an und trifft ihn mit angezogenem Bein am Körper. Zudem trifft er ihn durch das Anspringen voll am Kopf, und dieser kommt sehr stark auf dem Boden auf. Das ist ein brutaler Einsatz, bei dem die Gesundheitsgefährdung des Keepers billigend in Kauf genommen wird. Insbesondere der Kopftreffer ist sehr gefährlich und schwerwiegend, sodass eine rote Karte eine viel bessere Entscheidung gewesen wäre. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor, lediglich die gelbe Karte gegen Röser zu zeigen.
Szene 5: Auf dem Weg in Richtung Tor wird Justin Steinkötter (1860) nach 72 Minuten von Luca Bazzoli (Ulm) zu Fall gebracht. Auch hier belässt es Fuchs bei Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 1:47:45]
Babak Rafati: Dass ein Foulspiel von Bazzoli an Steinkötter vorliegt, ist unumstritten. Bei der Frage, ob eine Torverhinderung im Zusammenhang mit dem Foulspiel vorliegt, ist anzumerken, dass ein weiterer Verteidiger zwar etwas hinter Steinkötter postiert ist, dieser aber wahrscheinlich nicht mehr hätte eingreifen können, da der Angreifer in eine zentrale Position gekommen wäre und sich eine sehr gute Torchance erarbeitet hätte. Da aber Restzweifel bleiben und keine klare Torverhinderung vorliegt, ist die gelbe Karte vertretbar.
Szene 6: Der bereits verwarnte Nico Vukancic (Ulm) hält Sigurd Haugen (1860) in der 80. Minute am Trikot und sieht dafür Gelb-Rot. [TV-Bilder – ab Minute 3:15]
Babak Rafati: Der bereits gelb-verwarnte Vukancic hält seinen Gegenspieler Haugen am Trikot fest und verhindert, dass dieser womöglich an den Ball bzw. in den Zweikampf um den Ball kommt. Somit liegt ein taktisches Foulspiel vor, sodass der Schiedsrichter gar keine andere Wahl hat, als ihm die gelb-rote Karte zu zeigen. Somit liegt eine richtige Entscheidung vor.

Szene 7: Im Duell mit Gaudino (Aachen) spielt Ben Schlicke (Duisburg) den Ball, trifft aber auch den Gegner und sieht von Schiedsrichter Lukas Benen nach 29 Minuten Gelb. Bei der anschließenden Rudelbildung wird auch Lex Tyger Lobinger verwarnt. [TV-Bilder – ab Minute 0:45]
Babak Rafati: Beim Zweikampf zwischen Schlicke und Gaudino grätscht Schlicke dynamisch zum Ball und spielt klar das Spielgerät. Nachdem er den Ball gespielt hat, räumt er aber auch – durch den Vorgang des Grätschens zum Ball – Gaudino ab, sodass ein Foulspiel vorliegt, auch wenn kurz zuvor der Ball klar gespielt wurde. Für dieses Foulspiel zudem die gelbe Karte zu zeigen, ist ebenso richtig, weil ein rücksichtsloses Foulspiel vorliegt, bei dem eine gelbe Karte zwingend vorgeschrieben ist. Anschließend kommt es zu einer Rudelbildung, bei der Aachens Yarbrough angelaufen kommt und Schlicke mit dem Körper angeht. Daraufhin kommt ein Duisburger Spieler und bringt diesen sehr fair aus der Spielertraube heraus, um zu beruhigen. Dann kommt Lobinger hinzu und schubst Yarbrough. Beide sehen anschließend für ihre jeweilige Aktion die gelbe Karte. Alle drei gelben Karten sind situationsgerecht und vollkommen richtig, sodass das Gespann sehr gut die Übersicht behält. Prima!
Szene 8: Petros Bagkalianis (Aachen) bringt den Ball nach 45 Minuten im eigenen Tor unter, der Schiedsrichter entscheidet aber auf Stürmerfoul von Dominik Kother (Duisburg) an Bagkalianis, sodass der Treffer nicht zählt. [TV-Bilder – ab Minute 1:18:05]
Babak Rafati: In einer etwas undurchsichtigen Situation muss man dem Schiedsrichter ein gutes Auge bescheinigen. Bagkalianis wird beim Klärungsversuch von Kother hinten am Fuß getroffen und zu Fall gebracht, sodass er die Balance verliert und den Ball Richtung eigenes Tor bringt. Somit liegt ein Stürmerfoul vor. Daher eine richtige Entscheidung, auf Foulspiel zu entscheiden und das anschließende Tor abzuerkennen.

Szene 9: Im Mittelfeld wird Victor Bergh (Rostock) in der fünften Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit von Benedikt Saller (Regensburg) am Kopf getroffen und bleibt liegen. Schiedsrichter Lennart Kernchen lässt weiterlaufen. Aus dem Angriff fällt das 3:0. [TV-Bilder – ab Minute 1:45]
Babak Rafati: Für mich ist die Spielweise beider Spieler in Bezug auf den Kopf von Bergh nicht zu tief und das Bein von Saller nicht zu hoch korrekt, sodass es bis hierhin nichts zu beanstanden gibt. Allerdings kommt es dann beim Kopftreffer zu einem Foulspiel, sodass es einen Freistoß für Rostock hätte geben müssen. Eine Karte wäre hierbei aber nicht vorgeschrieben. Trotzdem liegt eine Fehlentscheidung vor, dieses Foulspiel nicht zu ahnden und den anschließenden Treffer anzuerkennen.
Szene 10: Nick Seidel (Regensburg) geht im Strafraum nach 78 Minuten gegen Marco Schuster (Rostock) zu Fall. Kein Elfmeter, sagt Kernchen. [TV-Bilder – ab Minute 1:55:50]
Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf klemmt Schuster das Bein von Gegenspieler Seidel im Strafraum ein und bringt ihn entscheidend zu Fall. Der Ball wird, wenn überhaupt, nur minimal gespielt. Das ist ein Foulspiel, sodass es einen Elfmeter und die gelbe Karte gegen Schuster hätte geben müssen. Eine rote Karte kommt wegen einer möglichen Torverhinderung deshalb erst gar nicht in Betracht, weil die Aktion ballorientiert und nicht gegnerorientiert ist. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen und das Vergehen nicht entsprechend zu ahnden.

Szene 11: Im Strafraum bekommt Samuel Abifade (Mannheim) den Ball im Duell mit Leonard Langhans (Schweinfurt) nach 15 Minuten an den Arm, Schiedsrichter Michael Näther pfeift nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:00]
Babak Rafati: Bei einem Zweikampf nimmt Langhans den Ball zunächst im Strafraum regelgerecht an. Danach kommt Abifade hinzu, führt den Arm klar und absichtlich zum Ball und spielt das Spielgerät, sodass ein strafbares Handspiel vorliegt. Somit hätte es einen Elfmeter geben müssen. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen und das Handspiel ungeahndet zu lassen.
Szene 12: Als letzter Mann bekommt Tim Sechelmann (Mannheim) den Ball im Mittelfeld in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit an den Arm, Näther belässt es bei Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 1:30]
Babak Rafati: Dass ein Handspiel von Sechelmann vorliegt, ist unumstritten. Dadurch, dass kein weiterer Verteidiger hätte entscheidend eingreifen können, liegt eine klare Torchance vor, sodass es neben dem Freistoß die rote Karte gegen Sechelmann hätte geben müssen. Eine Fehlentscheidung, nur die gelbe Karte zu zeigen.
Szene 13: Joshua Endres (Schweinfurt) geht in der Nachspielzeit im Strafraum gegen zwei Mannheimer zu Fall, das Spiel läuft weiter. [TV-Bilder – ab Minute 2:19:55]
Babak Rafati: Endres legt sich den Ball im Strafraum vor und will zwischen zwei Mannheimer Spielern weiterlaufen. Dabei kommt es zu einem Kontakt mit einem Mannheimer, wobei der Verteidiger sogar zurückzieht. Dass der Angreifer schließlich zu Fall kommt, ist nicht das Verschulden des Verteidigers, denn dieser kann sich nicht in Luft auflösen. Daher liegt eine richtige Entscheidung vor, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben.

Szene 14: David Otto (Köln) kommt im Strafraum nach 52 Minuten gegen King Manu (Cottbus) zu Fall. Einen Strafstoß gibt Schiedsrichter Leonidas Exuzidis nicht. [TV-Bilder – ab Minute 2:19:55]
Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf kommt es zwar zu einem Fußkontakt zwischen Otto und Manu, es liegt aber keine regelwidrige Spielweise vor. Vielmehr wird dieser Kontakt von Otto initiiert und schließlich dankend angenommen und zum Anlass genommen, zu Fall zu kommen. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben.

Szene 15: Einen Querpass von Moritz Seiffert (Aue) bekommt Jordy Gillekens (Wiesbaden) nach 64 Minuten im Strafraum an den Arm. Kein Elfmeter, entscheidet Schiedsrichterin Davina Lutz. [TV-Bilder – ab Minute 1:37:35]
Babak Rafati: Bei diesem Abwehrversuch von Gillekens rutscht dieser zum Ball und bekommt den Ball an den Arm, wobei die Berührung nicht absichtlich ist, vielmehr in einem normalen Bewegungsablauf zum Ball zustande kommt. Somit liegt eine richtige Entscheidung vor, dieses Handspiel als nicht absichtlich auszulegen.

Szene 16: Im Strafraum geht Deniz Zeitler (Hoffenheim II) in der dritten Minute der Nachspielzeit gegen Jonas Scholz (Ingolstadt) zu Fall, die Pfeife von Schiedsrichter Felix Grund bleibt stumm. [TV-Bilder – ab Minute 4:20]
Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf im Strafraum spielt Scholz klar den Ball, was man sehr gut an der Flugbahn des Balles erkennt. Dass es danach auch zu einem Kontakt gekommen sein könnte, ist dem normalen Bewegungsablauf beider Spieler zum Ball geschuldet, sodass ein korrekter Zweikampf und somit kein Foulspiel vorliegt. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben.
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