Tanzania VfL Fan Club – eine wahre Geschichte | OneFootball

Tanzania VfL Fan Club – eine wahre Geschichte | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: VfL Osnabrück

VfL Osnabrück

·8. März 2026

Tanzania VfL Fan Club – eine wahre Geschichte

Artikelbild:Tanzania VfL Fan Club – eine wahre Geschichte

Wer in den vergangenen Monaten einmal in die Liste der beim VfL eingetragenen Fanclubs geschaut hat, mag über einen Namen gestolpert sein: Tanzania VfL Fan Club steht dort – und manch einer mag dies für einen Witz halten. Doch dahinter steht tatsächlich ein waschechter Fanclub, den wir heute vorstellen möchten.

Bereits im Jahr 2023 erhielt die Fanbetreuung des VfL die erste Nachricht von Calleb aus dem fast 10.000 Kilometer entfernten Arusha in Tansania (Englischen und Swahili: Tanzania). Dabei wollte Calleb erfahren, wie es möglich sei, einen Fanclub beim VfL offiziell registrieren zu lassen. Da der Fanclub-Verband zu dieser Zeit nicht mehr existierte und sich das Angebot des VfL noch in der Entwicklung befand, blieb man zunächst in einem losen Austausch mit dem Versprechen, zum richtigen Zeitpunkt die nötigen Infos auszutauschen. Bei nahezu jedem Spiel stehen Calleb und unser Fanbeauftragter David Kreutzmann seitdem via WhatsApp im Austausch. Ob Brückentag oder Auswärtsspiel, stets gibt es von David mindestens ein Bild aus dem Stadion und von Calleb aus der Ferne eine Beurteilung des Spiels. Dass insbesondere die vergangene Saison dabei durchaus eine bedrückende war, merkte man auch an dieser Stelle. Und dennoch: Im Herbst 2024, als das Fanclub-Angebot des VfL an den Start ging, war auch der Tanzania VfL Fan Club zur Stelle und ließ sich eintragen. Mitten in einer der schwierigsten sportlichen Phasen der jüngeren Vereinsgeschichte. Mit insgesamt 20 Mitgliedern, 17 aus Arusha, drei aus dem etwa 80 km entfernten Moshi, war die Mindestzahl von zehn Mitgliedern schnell erreicht.


OneFootball Videos


Etwa ein Jahr später, beim Heimspiel des VfL gegen Jahn Regensburg, hing dann eine vom Fanprojekt Osnabrück gestaltete Zaunfahne des Tanzania VfL Fanclub vor dem Affenfelsen. Nach dem 2:0-Heimsieg blieb diese jedoch nicht in Osnabrück, sondern wurde vom VfL in Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt Osnabrück, der Gemeinschaft der Fanclubs sowie der Fanszene im Zuge eines besonderen Begrüßungspakets nach Arusha geschickt. Neben der Urkunde zum Beitritt in den offiziellen Fanclubverband und dem obligatorischen Fanclub-Wimpel waren Schals, Fahnen und Aufkleber des VfL enthalten. Gern gesehen waren sicherlich auch zwei Fußbälle, die besonders den jungen Nachwuchskickern Freude bereiten. Dass die lila-weiße Familie auch über tausende Kilometer Entfernung zusammenhält, machte sich bei der Ankunft des Pakets in Tansania bemerkbar. So wurden an der Grenze unerwartet hohe Zollgebühren fällig. Die Hilfsbereitschaft der VfL-Fanclubs in Deutschland war jedoch so groß, dass der Betrag binnen weniger Minuten zusammengetragen, nach Tansania transferiert und somit das Paket von Calleb in Empfang genommen werden konnte.

Artikelbild:Tanzania VfL Fan Club – eine wahre Geschichte

Im Zuge dieser besonderen Geschichte haben wir mit Calleb, den 1. Vorsitzenden des Fanclubs, einmal selbst gesprochen.

Hallo Calleb, bitte stell Dich und Deinen Fanclub einmal vor.

Calleb: Ich bin Calleb Omollo, 44 Jahre alt. Ich bin ein enthusiastischer, selbstmotivierter, zuverlässiger Mensch und seit Kindheitstagen fußballbegeistert. Vor ein paar Jahren habe ich zusammen mit Freunden den Tanzania VfL Fan Club gegründet. Unser Club will neben der gelebten Leidenschaft für den VfL auch eine lebendige, positive und interaktive Gemeinschaft schaffen, in der sich Fans zusammenschließen und sich gegenseitig unterstützen können.

Arusha in Tansania, wo Du lebst, ist etwa 9.700 km von Osnabrück entfernt. Wie bist Du in so weiter Ferne auf den VfL Osnabrück aufmerksam geworden?

Kurz gesagt, bin ich seit meiner Kindheit ein Fan des deutschen Fußballs. Schon vor der deutschen Wiedervereinigung haben wir deutsche Fußballspiele in der damaligen Sendung „Football made in West Germany“ geschaut. 2021 habe ich dann Martina kennengelernt. Sie arbeitete in Arusha als Freiwillige in einer Schule ganz in der Nähe. Sie erzählte mir, dass sie aus Osnabrück kommt und dementsprechend auch ein großer Fan des VfL Osnabrück sei. Daraufhin verfolgten wir die Spiele gemeinsam. Und so entstand auch meine Leidenschaft für den VfL.

Wie drückt ihr eure Fanliebe aus?

Unsere Fanliebe ist uns in einer Gesellschaft, in der die englische Premier League dominiert, sehr wichtig. Einzigartig zu sein, ist etwas Gutes für uns. Natürlich treffen wir uns und schauen die Spiele zusammen. Wir haben eine Stammkneipe, das Nditoz Delight, die vor Ort auch Bundesliga-Kneipe genannt wird, wo wir die Spiele verfolgen.

Trefft ihr euch auch zu anderen Aktivitäten?

Unser Fanclub definiert sich keinesfalls nur durch das reine Fußballschauen. Wir engagieren uns auch über den Sport hinweg und treffen uns für gemeinsame Aktivitäten wie das Müllsammeln oder das Pflanzen von Bäumen.

Tansania geriet Ende des vergangenen Jahres nach der Präsidentschaftswahl aufgrund von Protesten und Gewalt auch in Deutschland in die Schlagzeilen. Kannst Du uns dazu etwas sagen?

Die Bevölkerung, insbesondere die sogenannte Generation Z, brachte ihren Unmut durch Demonstrationen und Proteste auf der Straße zum Ausdruck. Grund dafür waren der Wahlausschluss und die Inhaftierung einiger wichtiger Oppositioneller. Die Demonstrationen eskalierten zu Gewalt und Plünderungen. Zahlreiche Gebäude von Politikern und Regierungsbeamten wurden in Brand gesetzt. Demonstranten wurden von der Polizei erschossen. Es gab viele Tote. Die genaue Zahl der Opfer wurde von der Regierung bzw. den Sicherheitskräften jedoch noch nicht bestätigt.

Wie wirkt sich die derzeitige Situation und die Auswirkungen dieser Ereignisse auf Euren Alltag aus?

Die Gewalt hat das ganze Land betroffen, Menschenleben gekostet und Eigentum im Wert von Millionen Dollar zerstört. Viele Menschen wurden arbeitslos. Während der Unruhen galt fünf Tage lang eine Ausgangssperre. Dies hat die Menschen psychisch belastet und dem Ansehen des Landes geschadet. Der Fußball und der VfL Osnabrück ist für uns also auch eine willkommene Abwechslung vom Alltag.

Habt Ihr Wünsche für den Verein, die Mannschaft oder die VfL-Fangemeinde?

Natürlich wünschen wir uns, dass der Verein in der nächsten Saison in der 2. Bundesliga spielen wird. Darüber hinaus würden wir uns auch freuen, wenn unsere Jugendfußballmannschaft als internationales Sozialprojekt unterstützt wird, damit der Jugendfußball gefördert und weiterentwickelt wird und so auch und die lila-weiße Fangemeinde weltweit, insbesondere in Afrika, wächst.

Welche Botschaft möchtet Ihr als Fanclub den VfL-Fans in Deutschland mitgeben?

Unsere Botschaft an die VfL-Fans in Deutschland ist, dass wir Kontakte knüpfen und Brücken bauen sollten, um Freundschaften zwischen tansanischen und deutschen Fans zum Wohle des VfL Osnabrück zu fördern.

Auch in Zukunft möchte der VfL die Verbindung in das von einer angespannten Sicherheitslage betroffene Land aufrechterhalten, stärken und sich gemeinsam mit seinen Fans und Fanclubs engagieren. Wann immer Fans Kontakte knüpfen und gemeinsam mit dem Tanzania VfL Fan Club Brücken bauen möchten, kann sich bei unseren Fanbeauftragten David Kreutzmann oder Merle Dickopp gemeldet werden.

Artikelbild:Tanzania VfL Fan Club – eine wahre Geschichte

Text: David Kreutzmann & Jendrik Greiwe Fotos: Privat

Impressum des Publishers ansehen