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·9. März 2026
Tedesco nach dem 3:2 emotional wie nie: Klare Ansage zu Fenerbahce, Karten-Frust und „Beerdigungs“-Stimmung

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Fenerbahce hat Samsunspor am 25. Spieltag der Trendyol Süper Lig mit 3:2 niedergerungen und bleibt mit 57 Punkten im Titelrennen. Nach dem dramatischen Heimsieg richtete sich der Blick sofort auf Domenico Tedesco, der auf der Pressekonferenz offen über defensive Schwächen, die Stimmung rund um die Mannschaft, die Diskussion um gleiche Regeln für alle und seine Zukunft sprach. Der Trainer formulierte dabei eine klare Botschaft: „Ich bin von ganzem Herzen und mit ganzem Fokus für Fenerbahce da. Mein ganzer Fokus liegt darauf, in dieser Saison mit dem Team Großes zu erreichen.“
Der Fenerbahce-Trainer sprach nach dem Spiel auffallend offen über die Gegentore und machte klar, dass ihn die Art und Weise, wie seine Mannschaft in manchen Szenen verteidigt, nicht zufriedenstellt. „Es ist einfach, gegen uns Tore zu schießen. Nur eine Flanke reicht. Wir können die Mitte nicht blockieren und wir können den Gegenspieler nicht sauber aufnehmen„, sagte Tedesco. Danach wurde er noch konkreter und sprach über Grundprinzipien, die aus seiner Sicht nicht sauber umgesetzt werden.
„Wenn der Gegner zur Flanke kommt, darfst du ihm nicht den Rücken zudrehen. Du musst kurze Schritte machen. Du darfst den Ball nicht durch die Beine lassen. In jedem Spiel schießen wir drei, vier Tore, aber wir kassieren auch viele Gegentore„, erklärte der Coach. Er fügte hinzu, dass Reden allein nicht ausreiche und die Mannschaft weiter daran arbeiten müsse. Genau dieser Punkt zeigt, woran Tedesco trotz des Sieges festhält: Drei Punkte ja, aber keine Schönfärberei bei den strukturellen Problemen.
Tedesco sprach auch über die Stimmung im Umfeld und darüber, dass die Serie der letzten Wochen aus seiner Sicht nicht zum emotionalen Klima rund um die Mannschaft passe. „Wenn Sie sich unsere letzten vier Spiele ansehen, haben wir drei Siege und ein Unentschieden. Wenn man sich jedoch die Stimmung ansiehst, wirkt es wie eine Beerdigung„, sagte er. Der Trainer wollte damit deutlich machen, dass der Blick auf die Leistungen zwar kritisch bleiben müsse, die Ergebnisse aber ebenfalls eine Rolle spielten.
Gleichzeitig forderte er mehr Wachheit von einzelnen Spielern und verteidigte die Qualität des Gegners. „Manche Spieler müssen aufwachen„, sagte Tedesco, stellte aber auch heraus, dass Samsunspor mehr Qualität habe, als oft dargestellt werde. Nach seiner Einschätzung könnten mehrere Spieler des Gegners auch bei Fenerbahce problemlos eine Rolle spielen. Der Trainer schloss diesen Themenblock mit einem Satz, der nach innen wie nach außen gerichtet war: „Wir leben noch und ich bin stolz auf den Kampf des Teams.“
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Besonders emotional wurde Tedesco, als er auf Gelbe Karten und die allgemeine Regelauslegung zu sprechen kam. Auslöser war die Verwarnung gegen Matteo Guendouzi nach dessen Torjubel. Der Fenerbahce-Coach verlangte dabei keine Sonderbehandlung, sondern Gleichbehandlung. „Wir möchten, dass für beide Teams die gleichen Regeln gelten„, sagte er und legte nach: „Fenerbahce ist das Team, das die meisten Gelben Karten sieht. Wirklich unglaublich.“
Im selben Zusammenhang verwies Tedesco auf mehrere Szenen aus anderen Spielen und erklärte, dass seine Mannschaft trotz all dieser Dinge noch im Rennen sei. „Wir sind gegen all das am Leben. Ich möchte, dass die Regeln für jedes Team gleich sind, bitte„, sagte er. Diese Passage zeigte, dass der Trainer den sportlichen Kampf inzwischen auch als psychologischen und atmosphärischen Kampf versteht.
Auch auf die zuletzt immer wieder aufkommenden Spekulationen um seine Zukunft reagierte Tedesco direkt und ohne jeden Interpretationsspielraum. „Ich habe immer eine hohe Motivation. Ich bin froh, bei Fenerbahce zu sein. Es ist ein Privileg, zur Fenerbahce-Familie zu gehören„, sagte der Italiener. Besonders wichtig war dann sein klarster Satz des Abends: „Ich habe die Dinge, die allgemein erwähnt werden, nicht gelesen und lese sie auch nicht. Ich bin von ganzem Herzen und mit ganzem Fokus für Fenerbahce da.“
Für das Umfeld ist diese Aussage bedeutsam, weil sie mitten in einer Phase kommt, in der jedes Ergebnis und jede Emotion sofort in größere Deutungen verwandelt wird. Tedesco entschied sich bewusst für einen einfachen, klaren Fokus: nicht über Nebenkriegsschauplätze reden, sondern die Saison maximal erfolgreich beenden.
Spannend war auch seine Einordnung zum eigenen Spielstil. Tedesco sagte offen, dass er natürlich auch dominieren wolle, dass am Ende aber das Gewinnen über allem stehe. „Ich will auch dominieren. Wenn wir stark spielen, setze ich neun Angreifer. Ich möchte mehr Spiele gewinnen als dominieren„, erklärte er. In dieser Aussage steckt viel über seine aktuelle Priorität: In der jetzigen Phase zählt für ihn vor allem das Resultat.
Dazu ordnete er die Personalsituation ein und nannte mehrere Ausfälle beziehungsweise fehlende Optionen, um den Kontext der Leistung zu schärfen. Seine Botschaft war dabei klar: Die Mannschaft müsse realistisch betrachtet werden. Gerade deshalb sei es wichtig, einen Sieg wie gegen Samsunspor nicht kleinzureden, auch wenn die Leistung nicht durchgehend überzeugend war.
Ein weiterer aufschlussreicher Teil der Pressekonferenz betraf die Stimmung in Kadiköy. Tedesco sagte, ihm gefalle das Bild seiner Mannschaft zwischen den einzelnen Halbzeiten oft nicht. „Meine Botschaft ist, dass mir das Bild meiner Mannschaft zwischen den Spielhälften nicht gefällt„, sagte er. Danach wurde er noch drastischer: „Alle wirkten wie Leichen.“
Trotz dieser scharfen Wortwahl versuchte der Trainer auch ein Bild des Widerstands zu zeichnen. „Meiner Meinung nach sind wir wie vierköpfige Monster. Wenn Sie einen Kopf abschneiden, bleiben noch drei Köpfe„, sagte er. Dahinter steckt seine Idee, dass Rückschläge, Ausfälle oder negative Stimmung die Mannschaft nicht endgültig brechen dürfen. Entscheidender sei, dass alle im Klub wirklich an den Weg glaubten. „Wenn ich der Einzige mit Glauben bin, hat das keinen Sinn, jeder muss daran glauben„, erklärte Tedesco.
Auch taktisch wurde der Coach konkret. Er erklärte, warum Fenerbahce in dieser Partie wieder mit einer Viererkette spielte und welche Überlegungen dahinterstanden. „Wir haben bereits 31 Spiele mit der Viererabwehr gespielt. Wegen fehlender Spieler waren wir gezwungen, manchmal mit drei zu spielen„, sagte er. Gegen Nottingham Forest und Gaziantep habe das gut funktioniert, doch gegen Samsunspor sei im zweiten Abschnitt die Umstellung erfolgt – und die Partie habe sich danach in eine günstigere Richtung entwickelt.
Besonders hob Tedesco den Charakter von Matteo Guendouzi hervor, dazu die Beiträge von Ismail Yüksek, Yigit Efe Demir. „Wir wandten uns der Viererkette zu und alles lief gut. Mit den Spielern, die wir haben, ist unser System die Viererabwehr„, sagte der Trainer. Damit lieferte er auch eine klare Antwort für die nächsten Wochen.
Nicht nur Tedesco sprach nach dem Spiel, auch mehrere Spieler betonten die Bedeutung des Sieges. Matteo Guendouzi, der selbst traf, sagte: „Ich kann sagen, dass es ein großartiger Sieg für uns ist. Wir haben eine großartige Mentalität gezeigt. Wir kennen unsere Qualität. Ich bin sicher, dass dieser Sieg einer unserer wichtigsten Siege sein wird, wenn das Saisonende kommt.“
Jayden Oosterwolde, der sein 100. Spiel für Fenerbahce absolvierte, sagte: „Ich freue mich sehr, hier 100 Spiele bestritten zu haben. Es war spät, aber wir haben die drei Punkte bekommen, die wir wollten. Wir sind ein Team, das Meister werden will.“ Auch Marco Asensio stellte die Bedeutung des Publikums und seinen eigenen Weg zurück in Form heraus. „Die Fans waren schon immer ein großer Faktor. Und heute auch. Es war keine einfache Woche für mich. Ich möchte körperlich in Bestform sein, aber ich habe mich in diesem Spiel gut gefühlt und zum Sieg beigetragen„, sagte der Spanier.
Das 3:2 gegen Samsunspor war damit weit mehr als nur ein spätes Erfolgserlebnis. Es war ein Spiel, in dem Fenerbahce seine Offensivkraft zeigte, gleichzeitig aber auch seine offenen Wunden offenlegte. Tedesco nutzte den Abend, um genau diese Mischung anzusprechen: Kritik an der Defensive, Mahnung an die Mentalität, Forderung nach fairen Maßstäben und ein klares Bekenntnis zum Klub. Unter dem Strich steht für Fenerbahce ein Sieg, der tabellarisch wichtig ist – und rhetorisch vieles über den inneren Zustand dieser Mannschaft verrät.









































