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·30. November 2025
Tedesco spricht über größte Krise seiner Karriere und Meisterschaftsdruck bei Fenerbahce

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Domenico Tedesco steht mit Fenerbahce mitten im Titelrennen der Trendyol Süper Lig – und gleichzeitig im Zentrum eines gewaltigen Erwartungssturms. Im Vorfeld des brisanten Derbys gegen Galatasaray sprach der Italiener ausführlich über den Meisterschaftsdruck am Bosporus, die turbulente Wahlperiode beim Klubstart und blickte auf die wohl größte Krise seiner bisherigen Trainerlaufbahn zurück: den öffentlichen Konflikt mit Star-Torwart Thibaut Courtois in seiner Zeit als belgischer Nationaltrainer.
Im Gespräch mit The Athletic machte Tedesco deutlich, wie intensiv der Alltag bei einem Klub wie Fenerbahce ist, der seit elf Jahren auf den Meistertitel wartet. Wörtlich beschrieb er die Stimmung mit den Worten: „Wenn Sie in einem großen Verein wie Fenerbahce arbeiten, eine große Fangemeinde haben und elf Jahre lang nicht die Meisterschaft erreichen können, sind alle wirklich hungrig nach dem Meistertitel. Man spürt es im Alltag, denn überall, wo man hingeht, gibt es Fans von Fenerbahce. Auf dem Weg zum Stadion spürt man diesen Strom in jedem Spiel, das wir in unserem Haus spielen.“ Der Trainer macht damit klar, dass der Druck nicht nur an Spieltagen präsent ist, sondern den gesamten Klub und die Stadt Tag für Tag begleitet.
Rückblickend auf seine ersten Wochen am Bosporus zeichnete Tedesco das Bild eines Vereins im Ausnahmezustand. „Das Umfeld war wirklich negativ. Der Trainer hat sich nicht geändert. Es gab auch eine Wahl, also machten sich alle Sorgen darüber“, erklärte der Italiener. Die parallele Präsidentschaftswahl habe sich seiner Meinung nach spürbar auf Kader, Stimmung und Konzentration ausgewirkt, weil niemand wusste, wie es strategisch weitergeht. Besonders heikel: Der Wahltag fiel gleichzeitig auf einen Spieltag, was die ohnehin angespannte Lage nochmals verschärfte. Trotzdem zieht Tedesco inzwischen ein deutlich positiveres Fazit: „Aber jetzt ist alles in Ordnung, wir haben ein gutes Team und wir haben unseren Rhythmus gefunden.“
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Bevor Tedesco bei Fenerbahce anheuerte, war er Cheftrainer der belgischen Nationalmannschaft. Dort erlebte er eine völlig andere Form von Arbeit – mit intensiven Phasen im Turniermodus und langen Pausen dazwischen. „Ich vermisste die tägliche Arbeit“, gibt er offen zu. Besonders die Wochen während der Europameisterschaft hebt er hervor: „Während der Europameisterschaft waren wir vier, fünf, sechs Wochen mit dem Team zusammen. Es war meine beste Zeit dort, als wir mit dem Team zusammen waren. Die Qualifikationsspiele waren großartig, aber die Mannschaft fünf, sechs Tage später zu verlassen und Spieler zu ihrem Verein zurückzuschicken, war immer ein schlechtes Gefühl.“ Der Kontrast zur täglichen Arbeit im Klub ist für den Trainer deutlich – auch emotional.
Ein zentrales Kapitel seiner Belgien-Zeit bleibt die öffentlich geführte Auseinandersetzung mit Torhüter Thibaut Courtois. Nachdem es zwischen beiden zum Bruch gekommen war, kündigte der Keeper an, nicht mehr in die Nationalmannschaft zurückzukehren. Erst nach dem Abschied von Tedesco rückte Courtois wieder ins Blickfeld der Auswahl. Der Fenerbahce-Coach wird auf dieses Thema angesprochen und macht deutlich, dass aus seiner Sicht alles gesagt sei: „Ich denke, solche Situationen können immer passieren. Es war ein großes Thema, aber um ehrlich zu sein, wurde alles darüber gesagt.“ Mehr wolle er dazu nicht hinzufügen. Die knappe, aber klare Antwort zeigt, dass Tedesco den Konflikt als abgeschlossen betrachtet, ohne nachzutreten oder alte Wunden erneut aufzureißen.
Gerade vor dem Derby gegen Galatasaray wird deutlich, wie sehr Domenico Tedesco aus den Erfahrungen seiner Karriere gelernt hat. Ob Krisensituation mit einem Weltklassetorhüter im Nationalteam oder Wahlkampf und Negativstimmung beim Amtsantritt in Istanbul – der Italiener versucht, den Fokus seiner Mannschaft konsequent auf das Sportliche zu lenken. Der Meisterschaftshunger bei Fenerbahce ist riesig, doch Tedesco setzt auf Struktur, tägliche Arbeit und darauf, dass die Mannschaft ihren gefundenen Rhythmus beibehält. Die Botschaft des Trainers ist klar: Die Vergangenheit ist aufgearbeitet, der Blick richtet sich voll auf das Titelrennen – und auf das Derby, das über die Stimmung der kommenden Wochen entscheiden kann.









































