Totaler Wahnsinn oder doch logisch? Was hinter der Ouédraogo-Nominierung stecken kann | OneFootball

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·6. Juni 2026

Totaler Wahnsinn oder doch logisch? Was hinter der Ouédraogo-Nominierung stecken kann

Artikelbild:Totaler Wahnsinn oder doch logisch? Was hinter der Ouédraogo-Nominierung stecken kann

Das verletzungsbedingte WM-Aus von Lennart Karl ist ein schwerer Schlag für das DFB-Team. Der 18-Jährige schien eigentlich drauf und dran gewesen zu sein, einen Startelfplatz zu erobern, hat sich im Training jedoch einen Muskelbündelriss zugezogen. Julian Nagelsmann hat auf den Ausfall schnell reagiert und Assan Ouédraogo nachnominiert. Ein für viele überraschender Zug des Bundestrainers.

Deutsche Nationalmannschaft: Das verändert sich durch den Karl-Ausfall

Lennart Karl hat zwar erst drei Länderspiele auf dem Konto, konnte sich in diesen aber schon ins Rampenlicht spielen. Das Bayern-Juwel hätte gute Chancen auf den Startelfplatz auf dem rechten Flügel gehabt. Mit seiner Unbekümmertheit und seiner Dribbelstärke hätte er Komponenten mitgebracht, die es im DFB-Team nicht so oft gibt. Karl galt nicht umsonst als potenzieller Shootingstar der WM.


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Nun wird es auf der rechten Außenbahn auf einen Zweikampf zwischen Leroy Sané und Jamie Leweling hinauslaufen. Ersterer hat eine schwache Saison hinter sich, bekam aber zuletzt Lob von Nagelsmann. Inzwischen deutet sich an, dass Sané doch nicht mehr wie zunächst von Nagelsmann angekündigt in der Herausforderer-Rolle steckt, sondern die erste Option darstellt.

Jamie Leweling hat eine bessere Saison gespielt und es Nagelsmann ebenfalls angetan, die ganz große individuelle Klasse hat der Stuttgarter aber nicht. Trotz seiner Schnelligkeit und einem guten Gesamtpaket tritt er eher selten als Spielentscheider auf.

Deutsche Nationalmannschaft: Was kann Ouédraogo dem Team geben

Assan Ouédraogo ist ein herausragendes Talent, welches ohne die vielen Verletzungen wohl ohne Diskussionen im WM-Kader gelandet wäre. Der 20-Jährige ist ein Mittelfeld-Allrounder, der am besten als offensiver Achter oder Zehner funktioniert. Rein von den Fähigkeiten bringt der Youngster eine enorme Vielseitigkeit mit. Ouédraogo ist 1,91 Meter groß und trotzdem sehr geschmeidig, beweglich und technisch stark.

Zudem bringt er eine starke Athletik und einen Top-Speed von mehr als 35 km/h mit. Damit dürfte er neben Leroy Sané und Maximilian Beier zu den schnellsten deutschen Spielern zählen.

Auch in Sachen Torgefahr hat Ouédraogo für einen Mittelfeldspieler einiges zu bieten. Nagelsmann kann auf den Leipziger bauen, wenn er einen Spieler sucht, der Dynamik und eine starke Technik mitbringt und somit auch weite Strecken mit Ball im Mittelfeld überwinden kann.

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Im Nationalteam traf Ouedraogo direkt bei seinem Debüt | Markus Gilliar - GES Sportfoto/GettyImages

Deutsche Nationalmannschaft: Das Problem mit Ouédraogo

Zwar klingen die Skills von Ouédraogo natürlich spannend, jedoch darf man nicht vergessen, dass dieser noch enorm wenig Erfahrung hat. Genau genommen sprechen wir von 22 Bundesligaspielen und einem Länderspiel. Diese geringe Anzahl an Spielen resultiert auch daraus, dass der Mittelfeldspieler enorm viele Verletzungen hinter sich hat. Auch in der abgelaufenen Saison fehlte Ouédraogo viele Monate und kam in der Rückrunde erst ganz spät wieder besser in Fahrt. So wirklich im Spielrhythmus ist er daher nicht. Es ist schon risikoreich, einen solchen Spieler in großen Spielen auf einer zentralen Position einzusetzen.

Das viel größere Problem ist allerdings nicht Ouédraogo selbst, sondern die enorme Unausgewogenheit im Kader. Mit Leroy Sané und Jamie Leweling stehen nur noch zwei klassische Flügelspieler zur Verfügung, wenngleich die Flügelposition links von Wirtz oder Musiala übernommen wird und Beier wohl auch als Außenstürmer eingeplant wird. Unter dem Strich muss man dennoch festhalten, dass mit Felix Nmecha, Aleksandar Pavlovic, Leon Goretzka, Angelo Stiller, Nadiem Amiri, Pascal Groß und nun auch Ouédraogo unfassbar viele Zentrumspieler zur Verfügung stehen.

Eine solche Unausgewogenheit ist nur schwer nachvollziehbar. Immerhin gilt ja auch, dass normalerweise gerade auf dem Flügel gerne gewechselt wird. Hier fehlt es schlichtweg an Optionen. Daher wäre der schnelle und dribbelstarke Said El Mala auch die naheliegende Lösung gewesen. Auch Chris Führich, Karim Adeyemi und Kevin Schade hätten vom Profil gepasst. Insbesondere in Spielen gegen große Gegner, bei denen es auch mal darum geht, Konter zu fahren, würde ein solcher Außenstürmer gut tun.

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Said El Mala blieb erneut außen vor | DeFodi Images/GettyImages

Deutsche Nationalmannschaft: Was kann hinter der Nagelsmann-Entscheidung stecken?

Bereits in der Vergangenheit haben WM-Kader immer wieder mal für Verwunderung gesorgt. Eine besonders denkwürdige Nachnominierung war jene vor der WM 2014 als Shkodran Mustafi für den verletzten Reus ins Team rückte. Ganz Deutschland wunderte sich, was Joachim Löw denn mit all den Innenverteidigern wolle, ehe man in der Vorrunde die Antwort bekam. Tatsächlich baute der Bundestrainer zunächst auf vier Innenverteidiger in der Startelf, ehe er Philipp Lahm doch zurück nach rechts hinten beorderte.

Die vielen zentralen Mittelfeldspieler im Kader lassen den Verdacht aufkommen, dass Nagelsmann womöglich auch ein 4-3-3-System als Option betrachtet. Insbesondere auf der Acht gibt es mit Spielern wie Nmecha, Goretzka, Amiri, Groß und nun auch Ouédraogo praktisch jeden Spielertypen. Ouédraogo ist von diesen Namen mit der offensivstärkste und dynamischste. Vor dem Dreier-Mittelfeld würden dann nur noch Jamal Musiala und Florian Wirtz halbrechts und halblinks offensiv spielen sowie Kai Havertz den Mittelstürmer geben.

Generell zeigt die Entscheidung für Ouédraogo und gegen El Mala, Adeyemi und Co., dass Nagelsmann nicht so auf Konter zu setzen scheint, sondern eher Akteure bevorzugt, die im Spiel mit viel Ballbesitz überzeugen können. Zudem scheint er es auf einen eher zentrumslastigen Spielstil abgesehen zu haben. Flanken sind eigentlich nur von Spielern wie Joshua Kimmich, David Raum und Jamie Leweling zu erwarten. Interessant wird in diesem Zusammenhang auch die Rolle von Kimmich. Der Kapitän fühlt sich ja wohler, wenn er die rechte Abwehrseite etwas zentraler interpretieren kann. Irgendein Spieler muss aber auch auf rechts die Breite geben. Dies kann vom offensiven Personal aber lediglich Leweling und mit Abstrichen Sané.

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