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·5. März 2026
Unglückliche Krise oder berechtigte Realität? Darum ist der Tabellenkeller für den 1. FC Köln statistisch leistungsgerecht

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Hendrik Broschart
5 März, 2026
Im Saisonverlauf betonte FC-Coach Lukas Kwasniok immer wieder, dass der Abstiegskampf für einen Aufsteiger völlig normal sei. Gleichzeitig habe es viele Punkte gegeben, die die Geißböcke hätten eintüten müssen. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Der FC steckt zu recht im Tabellenkeller.

Nach der Niederlage in Augsburg schrumpft der Abstand des 1. FC Köln zu den Abstiegsplätzen weiter zusammen. (Foto: Sebastian Widmann/Getty Images)
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Nach dem blutleeren Auftritt des 1. FC Köln beim 2:0 gegen den FC Augsburg am Freitagabend ist man am Geißbockheim nun endgültig in den Krisenmodus geschlittert. Einen Punkt von möglichen zwölf holte die Mannschaft von Trainer Lukas Kwasniok in den vergangenen vier Spielen, obendrein gelangen den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf unerwartete Punktgewinne. Somit stehen die Geißböcke nach 24 Spieltagen auf Rang 13 mit nur zwei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz.
“Wir haben immer das Gefühl, ein Spiel gewinnen zu können. Aus den letzten vier Spielen haben wir, glaube ich, einen Punkt geholt. Das ist einfach zu wenig, wenn du dich unten absetzen willst”, urteilte Kwasniok nach der Schlappe am Freitag. Im Vorfeld des Auftrittes seiner Kölner gegen die TSG Hoffenheim teilte der Trainer offenherzig mit: “Ich habe mich darauf eingestellt, dass das bis zum 34. Spieltag gehen muss. Und um ehrlich zu sein, war mein Ziel, wenn wir das schaffen, nach 33 Spielen das Ziel zu erreichen, dann haben wir einen guten Job gemacht”. Die Frage ist, ob dieser Realismus auch Leistung garantiert. Die Daten hinter den Ergebnissen zeigen, wie es wirklich steht. Das Zahlenwerk hilft dabei, das Gefühl, ein Spiel gewinnen zu können, in harte Tatsachen zu überführen und auch über die Tabellenplatzierung hinaus zu bewerten, inwiefern die Geißböcke unter Kwasniok einen guten Job machen – oder eben nicht.
Das xPoints-Modell ist dabei ein statistisches Werkzeug, um Aussagen darüber zu treffen, wie viele Punkte eine Mannschaft auf Basis ihrer Leistung schätzungsweise verdient hätte. Anstatt nur die reale Tabelle zu betrachten, beantwortet xPoints die zentrale Frage: „Wie oft würde dieses Spiel bei denselben Chancenverhältnissen 3, 1 oder 0 Punkte bringen?” Dazu greift das Modell auf die Werte Expected Goals (xG) und Expected Goals Against (xGA) zurück: xG berechnet die erwarteten eigenen Tore aus allen Abschlusssituationen und xGA die zugelassenen Gegenchancen. Mithilfe der Poisson-Verteilung, die berechnet, wie oft ein unabhängiges Ereignis innerhalb eines festgelegten Zeitraums oder Raums eintritt, wenn die durchschnittliche Häufigkeit bekannt ist, werden aus diesen Werten tausende mögliche Spielausgänge simuliert und die Wahrscheinlichkeiten für Sieg (3 Punkte), Unentschieden (1 Punkt) oder Niederlage (0 Punkte) gewichtet.
So entsteht eine „verdiente” Punktzahl, die den Zufall weitgehend herausfiltert. xPoints zeigt konkret, dass Teams, die deutlich mehr xPoints als echte Punkte haben, zwar tolle Chancen herausgespielt, diese aber nicht genutzt haben – sie sind klassische Pechvögel, die für einen Aufschwung reif sind. Umgekehrt punkten Glückskinder mit wenigen Chancen überproportional und riskieren einen Absturz. Bei der angewandten Analyse besteht die Gefahr, xPoints absolut auszulegen („Tabelle, wie sie sein müsste“), obwohl Unsicherheiten und Modellfehler oft nicht transparent kommuniziert werden. Sinnvoller ist es, xPoints als Indikator für Tendenzen und mögliche Über-/Unterperformance zu nutzen und diese Information stets weiterführend durch beispielsweise taktische Analysen und andere Kennzahlen zu ergänzen.
Für den 1. FC Köln ergibt sich eine spannende Beobachtung: Laut FootyStats steht der FC mit Platz 14 nach 24 Spieltagen genau dort, wo ihn das xPoints-Modell ansiedelt, eine tabellengetreue Leistung ohne große Glücks- oder Pechfaktoren. In dieser alternativen Tabelle zeigen sich jedoch weitere faszinierende Tendenzen: Werder Bremen thront auf Platz 7 nach erwarteten Punkten, grüßt real aber von Rang 16 und hat satte 14 Punkte liegen lassen. Die Überraschungsmannschaft TSG Hoffenheim übertrifft ihr xPoints-Ergebnis um acht Punkte (46 real), Borussia Dortmund sogar um neun (52 real). Wichtig bleibt die Einschränkung: Eine xPoints-Tabelle zeigt, wie die Reihenfolge aussehen könnte, wenn nur Chancenqualität zählte und Zufall geglättet wäre. Sie ist kein endgültiges Urteil über „verdient“ oder „gerecht“. Modelle enthalten Fehler und Vereinfachungen, und Glück sowie Zufall bleiben ein frustrierender, aber unvermeidbarer Teil des Fußballs.
In diesem Zusammenhang lassen sich die Leistungen der Kölner im ersten Saisondrittel wie folgt darstellen. Mit Daten des Anbieters Understat lässt sich nachvollziehen, dass der 1. FC Köln von Spieltag eins bis inklusive der 3:1-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach im Schnitt fast zwei Punkte mehr einfuhr, als zu erwarten waren. Die Geißböcke haben zu Saisonbeginn überperformt. Das zweite Saisondrittel liefert mittels der xPoints dann Argumente dafür, dass die Mannschaft von Kwasniok tatsächlich mehr aus ihren Auftritten hätte herausholen müssen. Die Domstädter ließen annähernd vier Punkte liegen, die sie den Berechnungen zufolge sicher hätten einfahren müssen.
Den Geißböcken bleiben zehn Spiele, die darüber entscheiden, ob der 1. FC Köln auch über den Sommer hinaus in der ersten Liga spielen darf oder bereits nach nur einer Saison wieder in die zweite Liga absteigt. Fest steht, dass die Kölner mit Blick auf die nackten Zahlen genau dort stehen, wo sie aller Wahrscheinlichkeit nach zum jetzigen Zeitpunkt der Saison stehen sollten. Es bleibt abzuwarten, wie die Kwansiok-Elf das nächste Kapitel im Abstiegskampf schreibt, wenn es am Samstagabend gegen Borussia Dortmund geht (Anstoß 18:30 Uhr, Liveticker auf Come-on-fc.com).
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