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·17. April 2026

Union-Kapitänin Lisa Heiseler: "Ein großer Schlüssel ist Vertrauen"

Artikelbild: Union-Kapitänin Lisa Heiseler: "Ein großer Schlüssel ist Vertrauen"

Der 1. FC Union Berlin spielt eine starke Premierensaison in der Google Pixel Frauen-Bundesliga. Angeführt wird das Team der "Eisernen" von Kapitänin und Rekordspielerin Lisa Heiseler. Im DFB.de-Interview spricht die 27-Jährige mit Mitarbeiter Ralf Debat über die rasante Entwicklung und das Duell mit Ligaprimus FC Bayern München am Mittwoch, 22. April (ab 18 Uhr, live bei MagentaSport und DAZN).

DFB.de: Vier Spieltage vor dem Saisonende belegt der 1. FC Union Berlin mit 27 Punkten den neunten Tabellenplatz und hat den Klassenverbleib bereits sicher. Hätten Sie das vor dem Beginn der Spielzeit so unterschrieben, Frau Heiseler?


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Lisa Heiseler: Auf jeden Fall hätte ich es so genommen. Wir hatten uns vor der Saison eine Punktzahl vorgenommen und wollten möglichst frühzeitig den Klassenverbleib perfekt machen. Wir sind also voll im Soll.

DFB.de: Wie zufrieden sind Sie bislang mit der ersten Bundesligasaison von Union?

Heiseler: Ich denke, wir können sehr zufrieden sein. Klar, wir haben einige Punkte liegen gelassen. Unter dem Strich haben wir uns aber als Neuling in der Bundesliga gut etabliert.

DFB.de: Während der Hinserie gab es durch eine erhebliche Verletzungsmisere eine sehr schwierige Phase. Wie hat das Team diese Herausforderung gemeistert?

Heiseler: Wir sind noch enger zusammengerückt, hatten damals so viele Teammeetings und gemeinsame Aktivitäten wie noch nie. Die Spielerinnen, die nicht eingesetzt werden konnten, haben das Team von außen sehr gut unterstützt.

DFB.de: In welchen Bereichen besteht noch Luft nach oben?

Heiseler: Vor allem im Bereich Effektivität und Chancenverwertung haben wir definitiv noch eine Menge Potenzial, obwohl ich sagen muss, dass wir auch in diesem Bereich im Laufe der Saison große Fortschritte gemacht haben. Die Entwicklung ist insgesamt sehr positiv.

DFB.de: Viele gegnerische Spielerinnen äußern sich sehr wertschätzend über die Arbeit bei Union und vor allem auch die Atmosphäre im Stadion. Wie kommt das bei Ihnen an?

Heiseler: Dass wir als Verein und als Team viel Lob bekommen, bedeutet uns sehr viel. Daran haben unsere Fans einen wesentlichen Anteil. Auch die Medien honorieren, was Union für den Frauenfußball leistet. In dieser Hinsicht eine Vorbildfunktion zu übernehmen und ein Aushängeschild zu sein, macht uns schon stolz.

DFB.de: Gemeinsam mit dem Verein hatten Sie viele Jahre dafür gearbeitet, in die höchste Spielklasse zu gelangen. Leben Sie jetzt Ihren Traum?

Heiseler: Ja, absolut. Wenn Sie mich vor drei oder vielleicht sogar noch vor zwei Jahren gefragt hätten, wo wir kurz vor dem Ende der Saison 2025/2026 stehen, hätte ich das nicht für möglich gehalten. Umso schöner ist es, dabei zu sein.

DFB.de: Sie sind Rekordspielerin, Rekordtorschützin, Kapitänin und Identifikationsfigur. Was bedeutet Ihnen das?

Heiseler: Jeder, der mich kennt, weiß ganz genau, wieviel mir Union bedeutet. Ich habe dem Verein nahezu meine gesamte Karriere zu verdanken. Es ist etwas Besonderes für mich, das Trikot zu tragen und den Verein zu repräsentieren.

DFB.de: Sie haben es angedeutet: Noch vor zwei Jahren waren Sie mit Union in der Regionalliga Nordost am Ball. Auch in dieser Saison standen Sie in allen 22 Saisonspielen in der Startelf. Wie haben Sie es geschafft, sich so schnell an das neue Niveau zu gewöhnen?

Heiseler: Ein großer Schlüssel dafür ist Vertrauen. Ich habe während der gesamten Zeit viel Unterstützung von meinen Mitspielerinnen und vom Trainerteam erhalten. Dazu habe ich intensiv an mir gearbeitet, auch in individuellen Trainingseinheiten.

DFB.de: Gemeinsam mit Eileen Campbell sind Sie mit sieben Treffern auch in der Bundesliga die erfolgreichste Torschützin des Klubs. Zufrieden mit der Ausbeute?

Heiseler: Um ehrlich zu sein, schaue ich nicht so gerne auf persönliche Statistiken, sondern lieber auf die Tabelle, da immer das Team im Vordergrund steht. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass auch ich die eine oder andere große Chance ausgelassen habe.

DFB.de: Was nehmen Sie sich für die verbleibenden vier Ligaspiele vor?

Heiseler: Auch wenn wir unser ursprüngliches Saisonziel schon erreicht haben, werden wir nicht nachlassen, sondern wollen noch einige Punkte sammeln.

DFB.de: Unmittelbar nach der Länderspielpause kommt allerdings der FC Bayern München nach Berlin-Köpenick. Bei einem Sieg wäre der erneute Titelgewinn für den Spitzenreiter perfekt. Kann Union das verhindern?

Heiseler: Klar, warum nicht? Wir spielen zu Hause, das gibt uns allen immer noch eine extra Portion Motivation. Auf jeden Fall wollen wir dafür sorgen, dass es für die Bayern kein Selbstläufer wird. Vielleicht schaffen wir ja ein Wunder und bringen dem Spitzenreiter die erste Niederlage bei. Wenn nicht, dann bietet das Stadion An der Alten Försterei für die Münchnerinnen sicherlich auch einen würdigen Rahmen für eine spontane Meisterfeier.

DFB.de: Das Hinspiel in München endete 4:0 für den Ligaprimus. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Heiseler: Die Partie fiel in eine Phase, in der wir personell arg gebeutelt waren. Ich kann mich noch erinnern, dass wir sogar mit einigen U 23-Spielerinnen angereist waren. Durch ein frühes Gegentor sind wir dann schnell auf die Verliererstraße geraten. Kurz nach der Pause stand es dann schon 4:0. Insgesamt haben wir uns in der zweiten Halbzeit sehr gut geschlagen. Das wollen wir nun auch über 90 Minuten auf den Platz bringen.

DFB.de: Worauf wird es ankommen, um eine Überraschung zu schaffen?

Heiseler: Klar ist, dass wir einen sehr guten Tag benötigen, um überhaupt eine Chance zu haben. Wir müssen kompakt verteidigen und von der ersten Minute an voll da sein.

DFB.de: Wie konnten Sie die Länderspielpause nutzen?

Heiseler: Wir hatten einige Tage trainingsfrei, um die Köpfe freizubekommen und die Akkus noch einmal aufzuladen. Einige Spielerinnen haben das für einen Kurzurlaub genutzt. Nach Ostern sind wir aber wieder voll eingestiegen und bereiten uns auf das Bayern-Spiel vor.

DFB.de: Nach vier erfolgreichen Jahren kehrt Cheftrainerin Ailien Poese zum Saisonende in den Nachwuchsbereich zurück. Welchen Anteil hat sie an der positiven Entwicklung?

Heiseler: Sie hat einen sehr großen, wenn nicht sogar den entscheidenden Anteil an der Entwicklung. Sie hat den gesamten Weg von der Regionalliga bis zur Etablierung in der Bundesliga mitgestaltet und war als Trainerin sehr erfolgreich. Der Verein hat ihr definitiv viel zu verdanken.

DFB.de: Ihre bereits feststehende Nachfolgerin Marie-Louise Eta springt bis zum Saisonende als Interimstrainer bei den Männern ein. Wie verfolgen Sie das?

Heiseler: Natürlich sehr intensiv, auch selbst im Stadion. Ich freue mich extrem für Loui, weil ich weiß, dass für sie damit ein Traum in Erfüllung geht. Wir alle drücken ihr die Daumen und wünschen ihr nur das Beste. Auch in diesem Fall ist Union wieder einmal ein Vorbild.

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