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·21. September 2026
Union nach dem 0:7 – Lustrinelli wackelt, Heldt müsste es auch

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·21. September 2026

Null zu sieben in München, 17 Gegentore nach vier Spielen, ein einziger Punkt: Union Berlin ist so schlecht in eine Bundesliga-Saison gestartet wie nie zuvor. In Köpenick fragen sie jetzt nach dem Trainer. Die unbequemere Frage führt eine Etage höher.
18 Minuten hielt das Bollwerk am Freitagabend, dann traf Jamal Musiala aus der Distanz. Zur Pause stand es 0:3, nach Harry Kanes Kopfball zum 4:0 war jede Gegenwehr erloschen, zwischen der 70. und 76. Minute fielen drei weitere Tore. Im 242. Bundesligaspiel der Vereinsgeschichte kassierte Union die höchste Niederlage – der alte Negativwert, ein 0:6 in Dortmund unter Steffen Baumgart, war gerade 19 Monate alt. Das Resultat ist zu hoch geworden, sagte Mauro Lustrinelli. Das ist eine Möglichkeit, es auszudrücken.
Gegen die Bayern kann man untergehen, erst recht gegen diese. Entlarvend ist der Rest der Bilanz. Drei Gegentore gegen Frankfurt, vier in Leverkusen, drei zu Hause gegen Aufsteiger Schalke. Union, über Jahre die unangenehmste Defensive der Liga, hat in vier Ligaspielen nie weniger als drei Gegentore kassiert – und schon in der Vorbereitung stand kein einziges Mal die Null.
Unions Saisonstart: 4:17 Tore, 1 Punkt
Gegentore pro Spiel
3:3 Frankfurt (H)
3
0:4 Leverkusen (A)
4
1:3 Schalke (H)
3
0:7 Bayern (A)
7
Nach der Länderspielpause
5. Spieltag, 9.–11. Oktober
Union – Elversberg
Der Aufsteiger, der Leverkusen und Gladbach geschlagen hat
6. Spieltag, 16.–18. Oktober
Union – Dortmund
Zweites Heimspiel in Folge
Lustrinelli ist im Sommer mit dem Auftrag gekommen, aus der Mauertruppe eine Mannschaft zu machen, die auch mit dem Ball etwas anzufangen weiß. Drei Co-Trainer durfte er mitbringen, das Vertrauen war groß. Geliefert hat er bislang vor allem Varianten. Erst baute er die Viererkette um, dann die Staffelung der Offensive, in München schließlich das komplette System – zurück zum tiefen Block, den er eigentlich überwinden sollte. Auch der hielt nicht.
Der Schweizer wirbt um Geduld, und seine Vita gibt ihm ein Argument: Auch beim FC Thun brauchte er Anlauf, ehe er im zweiten Jahr sensationell Meister wurde. Nur hat Rani Khedira das Gegenargument schon vor Tagen formuliert – Zeit sei das Einzige, was es in der Bundesliga eigentlich nicht gibt.
Wer über Lustrinelli spricht, darf über Horst Heldt nicht schweigen. Der Geschäftsführer Sport hat Ilyas Ansah verkauft und keinen Ersatz verpflichtet. Seit Andrej Ilić verletzt fehlt, steht im Kader kein robuster, kopfballstarker Zielspieler mehr – ausgerechnet jener Spielertyp, an dem sich Union in Drucksituationen jahrelang aus der eigenen Hälfte befreit hat. Ein Trainer, der ein neues Ballbesitzspiel einführen soll und dabei nicht einmal den langen Ball als Notausgang hat: Das ist eine Kaderplanung mit eingebautem Risiko.
Heldt hat also den Trainer ausgesucht und ihm das Werkzeug vorenthalten. In der Logik des Geschäfts schützt ihn das trotzdem, zumindest vorerst. Präsident Dirk Zingler und Heldt wollen Lustrinelli nach übereinstimmenden Berichten mehr Zeit geben. Vier freie Tage gab es zum Start der Länderspielpause, am Donnerstag wird wieder trainiert, am Samstag reist die Mannschaft zum Abschiedsspiel von Damir Kreilach nach Rijeka. Danach bleiben knapp zwei Wochen für etwas, das einer zweiten Vorbereitung gleichkommt.
Wer wackelt zuerst? Der Trainer, immer der Trainer – so funktioniert die Branche. Verliert Union an der Alten Försterei gegen Elversberg, wird es für Lustrinelli vor dem Dortmund-Spiel ungemütlich. Gewinnt Union, ist die Debatte für zwei Wochen vertagt und keine der Ursachen behoben.
Gerecht wäre eine Trainerdiskussion ohne Managerdiskussion jedenfalls nicht. Wer einen Umbruch bestellt und am Material spart, bekommt beides: den Umbruch und die Rechnung.















