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·22. September 2026
Unterschiedliche Vorzeichen vor XXL-Pause: Gladbach nutzt die Chance „Neuanfang“, der FC setzt auf Geduld

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Elias Schnaubelt
22 September, 2026
Mit Ach und Krach schleppten sich die Fohlen in die lange Länderspielpause. Auch das vierte Spiel der noch jungen Saison ging verloren. Somit steht die Borussia als einzige Mannschaft der Liga noch ohne einen einzigen Punkt da. Stattdessen fing sich das Tabellen-Schlusslicht bereits 16 Gegentore ein, im Schnitt also vier pro Partie. Und das drei Wochen vor dem Derby. Grund genug, um die Reißleine mit dem schon angeschlagen in die Saison gestarteten Eugen Polanski zu ziehen. Der neue Trainer hört auf den Namen Alexander Blessin. Dieser ist in der Bundesliga kein Unbekannter. In den letzten beiden Spielzeiten stand der 53-Jährige beim FC St. Pauli an der Seitenlinie. Doch wofür steht der neue Gladbacher Coach, was zeichnet ihn aus und wie könnte er dem 1. FC Köln gefährlich werden? Und warum sollte der FC nicht schon wieder der Aufbaugegner sein?
René Wagner und Alexander Belssin (Foto: Herbert Bucco und Ronny Hartmann / Getty Images)
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Der Aufstieg der Kiezkicker in der Saison 2023/24 wurde von einem Abgang begleitet. Erfolgstrainer Fabian Hürzeler breitete seine Flügel aus und flog zu Brighton & Hove Albion auf die Insel. Der Trainer, der im Norden für einen attraktiven und offensivfreudigen Spielstil gestanden hatte, war nun also fort. Das denkbar schwierige Erbe trat eben Alexander Blessin an – und er stellte die Mannschaft radikal um. Aus der einstigen Offensivmacht in der zweiten Bundesliga wurde ein defensives Bollwerk, das es jeder Bundesliga-Mannschaft schwer machen sollte. Im Nachhinein lässt sich guten Gewissens behaupten, dass St. Pauli mit dem Spielstil von Fabian Hürzeler schlechtere Chancen auf den Klassenerhalt gehabt hätte.
Blessin hielt seine Mannschaft nicht nur irgendwie in der Liga, nein. Die St. Paulianer stellten mit 41 Gegentoren hinter den Bayern die zweitbeste Defensive. Zudem waren sie unangefochtener Tabellenführer in der Zahl der gelaufenen Kilometer. Der Coach schweißte eine Mannschaft zusammen, die als Gesamtkonstrukt mehr als die Summe ihrer Teile leisten konnte. Durch defensive Disziplin und harte Arbeit.
Defensive Disziplin ist genau das, was die Borussia im Moment dringend benötigt. Dabei bringt die Länderspielpause dem neuen Trainer auf der einen Seite zwar viel Zeit, auf der anderen Seite beraubt sie ihn aber auch derer Spieler, mit denen er am meisten Arbeiten müsste. Mit Ko Itakura (Japan), Kevin Diks (Indonesien), Lukas Ullrich (Deutschland U21), Fabio Chiarodia (Italien U21) und Jan Leszczynski (Polen U20) fehlen Blessin gleich fünf Abwehrspieler. Nicht die besten Voraussetzungen, um an der defensiven Stabilität zu operieren.
Mehr zum Thema:>> Kommentar zur Niederlage gegen den HSV>> Kritik an Wagner wächst
Die Vorbereitungen auf das Rheinderby beinhalten aber auch Aspekte, die über das Sportliche hinausgehen. Blessin schaffte es bis zuletzt bei St. Pauli, alle im Verein hinter seiner Idee zu vereinen. Der Coach ging stets voller Leidenschaft voran und übertrug dieses Feuer auch auf seine Spieler. An dieser Flamme könnte sich der FC durchaus verbrennen. Denn wo der Kontrahent die günstige Gelegenheit des Trainerwechsels ergriffen hat, halten die Domstädter weiter an ihrem Coach fest. Von allen Seiten wird stets Geduld gefordert. Vielleicht wäre die Unruhe um René Wagner nicht so groß, wenn am Horizont nicht das Rheinderby anstehen würde. Einen ausbaufähigen Saisonstart können die Fans noch verzeihen, eine Niederlage gegen den verhassten Rivalen jedoch nicht. Und dass die Geißböcke durchaus als Aufbaugegner hinhalten können, zeigte das 1:2 gegen die bis dahin ebenfalls punktlosen Hamburger.
Es gab zu Saisonbeginn durchaus Parallelen zwischen den Trainern beider Mannschaften. Beide trugen Rucksäcke aus der Vorsaison mit in die neue Spielzeit. Die Kölner legten jedoch einen Saisonstart hin, der ein Festhalten an René Wagner rechtfertigen lässt. Es darf aber die Frage erlaubt sein, ob man damit nicht den idealen Zeitpunkt für eine Kursänderung verpasst.
Schon allein der psychologische Effekt des Trainerwechsels kann eine Menge freisetzen. Er ist eine Botschaft im Tenor „so geht es nicht mehr weiter“. Blessin war bei St. Pauli bereits ein Meister der Wagenburgmentalität. Wir gegen den Rest. Wir beweisen es Allen. Jetzt erst recht. Viel mehr braucht es manchmal nicht, zumal die Fans in Gladbach bereit für einen Kurswechsel sind. Und um seine Mannschaft vor dem Spiel der Spiele zusammenzuschweißen und vorzubereiten, sind drei Wochen mehr als ausreichend.
Auf der Gegenseite ist die Stimmung in Köln gedämpft. Dort geht es eben erstmal so weiter, aber reicht das? Es ist alles andere als undenkbar, dass eine Niederlage gegen Gladbach den Druck auf René Wagner erheblich erhöhen würden. Die Verantwortlichen glauben weiterhin an den gemeinsamen Weg. Vielleicht steuert man aber auch unmittelbar auf eine Sackgasse zu.















