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·26. August 2026

Verls Fehlstart-Phänomen: Warum der SCV die Ruhe bewahren kann

Artikelbild:Verls Fehlstart-Phänomen: Warum der SCV die Ruhe bewahren kann

Null Punkte, 3:11 Tore, drei Niederlagen in Liga und DFB-Pokal: Ein guter Saisonstart hat so ziemlich überhaupt nichts mit dem gemeinsam, was der SC Verl in den ersten Wochen präsentiert hat – zumindest mit Blick auf die Anzeigetafel. Warum in Ostwestfalen dennoch keine Unruhe entsteht und vielleicht sogar genau jetzt die Basis für eine weitere sorgenfreie Spielzeit gelegt wird.

Verl übertrifft den Bundesligisten in vielen Statistiken

Zumindest die Statistiken waren ein neuerliche Statement – die nicht ganz unwichtige, die sich um die erzielten Tore dreht, mal ausgeklammert: Zwar hatte der SC Verl am Montagabend das Pokalspiel gegen den Hamburger SV mit 0:3 verloren, doch auf dem Spielfeld und im Stadion hatte sich dies längst nicht nach einer so klaren Angelegenheit angefühlt. 13:10 Torschüsse sprachen im Vergleich zwischen Dritt- und Erstligist für die Mannschaft vom neuen Trainer Orest Shala, 57:43 Prozent Ballbesitz ebenfalls. 87 Prozent seiner Zuspiele brachten Verler zum Mitspieler, dies dürfte der Bestwert eines unterklassigen Klubs in der ersten DFB-Pokalrunde gewesen sein. Der Hamburger SV kam "nur" auf 82 Prozent.


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Kaufen konnten die Gastgeber von der Poststraße sich davon nichts, im Gegenteil: Sie bezahlten Lehrgeld, und das nicht zu knapp. Das 0:1, das sich über weite Strecken der ersten Halbzeit überhaupt nicht angedeutet hatte, fiel nach einem Stockfehler im Spielaufbau von Innenverteidiger Felix Vogler (41.). Das zweite und dritte Gegentor folgte – mal wieder – kurz nach dem Seitenwechsel, dort hatte Verl schon im Ligabetrieb in Aachen das Momentum verloren und daheim gegen Duisburg mit dem Platzverweis von Verteidiger Paul Lehmann den MSV entscheidend gestärkt.

Zumindest dem 0:3 war wieder ein vermeidbarer Ballverlust vorgeeilt, der HSV wusste wenige Schwächen im Ballbesitzspiel des Sportclubs recht eiskalt auszunutzen. Dass Hamburgs Coach seinem Gegenüber später ein aufmunterndes "Bleibt eurem Spielstil treu!“ zuwarf, war zumindest an diesem Abend nur ein schwacher Trost.

"Müssen die positive Stimmung mit in die Liga nehmen"

Doch Shala hatte selbst viele Aspekte des Spiels gesehen, die ihn positiv stimmten. "Ich hatte richtig Freude daran, meine Mannschaft spielen zu sehen", sagte der 34-Jährige nach dem Spiel und sah sich bestätigt, "gegen einen Bundesligisten unsere Prinzipien und unsere DNA zeigen zu können, mit viel Dynamik und Ballbesitz". Dazu war ihm eine kleine Weiterentwicklung nicht entgangen. "Wir brechen nach einem Misserfolg oft ein bisschen auseinander", stellte Shala fest. Dies habe man zwar auch gegen Hamburg nicht vollends geschafft zu verhindern, doch die Reaktion in der letzten halben Stunde sei eine gute gewesen. "Wir können sehr stolz auf uns sein und müssen die positive Stimmung nun mit in den Ligabetrieb nehmen", ergänzte Kapitän Niko Kijewski bei "Sky".

War das Pokalspiel vielleicht genau die Abwechslung, die dem SC Verl nun gut tut? Im Drittliga-Klassement steht neben Platz 19 noch die Null bei der Punkteausbeute. Doch während bei den direkten Tabellennachbarn Fortuna Düsseldorf und dem SV Wehen Wiesbaden eine veritable Krise in Anmarsch ist, genießt man in der Kleinstadt auch in der Krise die Vorzüge eines beschaulichen, ruhigen Umfelds. Dazu ist der SCV, nicht zuletzt weil er regelmäßig in der Sommerpause personell einen ziemlich löchrigen Teppich zu flicken hat, ein notorischer Spätstarter:

In der Saison 2025/26 dauerte es bis zum 5. Spieltag, ehe der erste Saisonsieg bejubelt wurde. Ein Jahr zuvor belegten die Schwarz-Weißen auch nach zehn Punktspielen noch den vorletzten Platz, in der Endabrechnung wurde es Rang sieben. 2023/24 startete Verl mit drei Niederlagen, 2022/23 mit einem Punkt aus den ersten fünf Spielen. In langfristige Abstiegsgefahr gerieten die Westfalen in keinem einzigen der genannten Jahre.

Die Nachfolger der einstigen Schlüsselspieler müssen sich erst finden

Ruhe bewahren kann die Shala-Elf unterdessen auch, weil sie auf gutem Wege ist, sich personell zu finden und sich dem Vorjahresniveau Stück für Stück anzunähern. Ob es je erreicht wird oder ein Übergangsjahr in niedrigen Tabellenregionen ansteht? Für Verl ist diese Frage nicht entscheidend. Allen Verantwortlichen ist bewusst, Spieler wie Berkan Taz, Oualid Mhamdi und Fynn Otto – die allesamt zu Zweitliga-Stammspielern in ihren neuen Klubs gereift sind – nicht kurzfristig ersetzen zu können.

Vielmehr geht es darum, ihre Nachfolger behutsam aufzubauen. Bilal Yalcinkaya (20), gekommen vom Hamburger SV II, macht etwa als feiner Techniker im offensiven Mittelfeld auf sich aufmerksam. André Leipold (24) erzielte bereits ein höchst anspruchsvolles Traumtor gegen den MSV, Timo Schlieck (20) erweist sich als genau der spielstarke Torhüter, den der Sportclub für sein präzise getaktetes Kurzpassspiel benötigt.

Vier Aufsteiger-Duelle zeigen, wo Verl wirklich steht

Nach dem extrem anspruchsvollen Auftaktprogramm mit den von Euphorie schier überladenen Aachenern und Duisburgern warten nun die aussagekräftigen Härtetests: Am kommenden Wochenende gastiert Aufsteiger Fortuna Köln in der Sportclub-Arena – erstmals geht Verl als leichter Favorit in die Begegnung und hat den eigenen Anspruch, ein standesgemäßes Ergebnis einzuholen. Neben einem Gastspiel in Mannheim folgen bis zur Länderspielpause Ende September noch die drei weiteren Liganeulinge Meppen, Großaspach und Würzburg. Erst wenn diese Standortbestimmungen mehrheitlich zu Lehrstunden werden, kann man beginnen, sich um diesen SC Verl Sorgen zu machen.

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