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·21. April 2026

VfL Wolfsburg feiert Alex Popp - und hat noch keinen Plan für die Zeit danach

Artikelbild:VfL Wolfsburg feiert Alex Popp - und hat noch keinen Plan für die Zeit danach

Popp wechselt zu Borussia Dortmund, Direktor Kellermann folgt ihr. Wolfsburg verliert seine wichtigsten Köpfe – und steht 13 Punkte hinter Bayern.

Alexandra Popp hat in dieser Saison zwölf Tore geschossen, vier Vorlagen gegeben – und plant ihren Abgang trotzdem so minutiös, als wäre das Ergebnis längst Nebensache. Erst das Pokalfinale am 14. Mai in Köln gegen Bayern München, dann drei Tage später das Abschiedsspiel in der großen Arena in Wolfsburg gegen Nürnberg, am besten „mit Pokal in der Hand", wie sie selbst sagt. Danach zurück ins Heimatdorf Silschede, zu Freunden und Familie. Es klingt nach einem Drehbuch, das kein Regisseur besser schreiben könnte. Genau das ist das Problem.


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Denn hinter der schönen Choreografie steht ein Verein, der gerade seine wichtigsten Köpfe verliert – und keinen sichtbaren Plan hat, was danach kommt. Ralf Kellermann, seit 2023 Direktor Frauenfußball, verlässt den VfL zum 30. Juni auf eigenen Wunsch. Sein nächster Arbeitgeber: Borussia Dortmund, also derselbe Klub, zu dem auch Popp wechselt. Die Architektin auf dem Platz und der Stratege im Büro gehen denselben Weg – nur eben weg von Wolfsburg.

13 DFB-Pokalsiege hat Popp mit dem VfL geholt, eine Zahl, die sich wie ein Monument liest. Aber Monumente verdecken manchmal den Verfall dahinter. In der Liga trennen Wolfsburg nach dem 22. Spieltag 13 Punkte von Bayern München. Im direkten Duell am 19. Spieltag gewann Bayern 4:1, Wolfsburg lag nach der Führung durch Bussy in der 16. Minute am Ende unter einem Ergebnis, das keine Deutung braucht. Die Meisterschaft hat seit 2023 immer der FC Bayern gewonnen. In der vergangenen Saison blieb der VfL erstmals seit 2012 komplett titellos. Das 3:3 gegen Union Berlin Ende März passt ins Bild eines Teams, das schwankt, wo es früher dominierte.

Popp selbst fehlt verletzt, die Reha laufe „sehr gut", sie sei „sehr zuversichtlich". Wer will ihr das Pokalfinale nicht gönnen? 14 Jahre im Verein, dreimal Deutschlands Fußballerin des Jahres, drittbeste Torschützin der DFB-Geschichte – ihr Abschied verdient eine große Bühne. Dass der VfL die Arena öffnet, ist mehr als eine nette Geste. Es ist ein Eingeständnis: Die Marke Wolfsburg im Frauenfußball war zuletzt vor allem die Marke Popp.

Und genau hier wird die Sentimentalität zur Falle. Mit Stephan Lerch steht zwar seit Sommer ein neuer Cheftrainer an der Linie, der den Verein aus seiner früheren Zeit kennt. Aber Lerch allein ersetzt weder Popps Tore noch Kellermanns Netzwerk noch die Aura einer Mannschaft, die jahrelang das Maß aller Dinge war. Bayern hat mit José Barcala einen Trainer, der ins Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona führt. Wolfsburg hat ein Abschiedsspiel.

Das Pokalfinale gegen Bayern kann vieles werden: ein letzter Triumph, ein würdiger Abschluss, vielleicht sogar eine Überraschung. Im Vorjahr scheiterte Wolfsburg im Viertelfinale an Hoffenheim – der Weg zum Happy End war schon kürzer und führte trotzdem ins Nichts. Ob Popp überhaupt fit wird, ist offen. Das perfekte Drehbuch hat eine Schwachstelle: Die Hauptdarstellerin entscheidet nicht über die Besetzung.

Wolfsburg darf Popp feiern, laut und lange. Aber wenn am 18. Mai die Konfettikanonen schweigen, steht ein Verein ohne seine Ikone, ohne seinen Sportdirektor und mit 13 Punkten Rückstand auf Bayern vor einer Frage, die kein Abschiedsspiel beantwortet: Wer soll hier eigentlich noch für Wolfsburg stehen – außer der Erinnerung an das, was war?

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