„Viel Potenzial bleibt ungenutzt“: Lahm rechnet mit deutscher Talentförderung ab | OneFootball

„Viel Potenzial bleibt ungenutzt“: Lahm rechnet mit deutscher Talentförderung ab | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: FCBinside.de

FCBinside.de

·3. März 2026

„Viel Potenzial bleibt ungenutzt“: Lahm rechnet mit deutscher Talentförderung ab

Artikelbild:„Viel Potenzial bleibt ungenutzt“: Lahm rechnet mit deutscher Talentförderung ab

Philipp Lahm war selbst das Paradebeispiel einer gelungenen Nachwuchsausbildung. Acht Jahre am Campus des FC Bayern, eine prägende Leihe zum VfB Stuttgart – am Ende wurde er Weltmeister, Champions-League-Sieger und Kapitän beim FCB wie beim DFB. Nun blickt der 2014er-Weltmeister kritisch auf den Zustand der Talentförderung in Deutschland.

In seiner Kolumne für The Athletic übt Lahm deutliche Kritik an den Strukturen. Zwar hob er den Durchbruch von Bayern-Youngster Lennart Karl als positives Beispiel hervor und bezeichnete ihn als „Supertalent“. Gleichzeitig stellte er die zentrale Frage: „Warum passiert das im deutschen Fußball angesichts der Vorteile, die das Land hat und bietet, nicht häufiger?“


OneFootball Videos


Deutschland verfüge über eine hervorragende Infrastruktur, starke Ligen, zahlreiche Trainer und moderne Leistungszentren. Doch der Durchbruch besonderer Spieler bleibe die Ausnahme. „Viel geht verloren, besonders im Übergang vom Jugend- in den Profifußball“, schrieb Lahm. Klubs investierten Millionen in Akademien, gäben Talenten aber kaum Spielzeit. Der Weg nach oben werde nicht professionell begleitet.

Fehlender klarer Ansatz

Ein Kernproblem sieht Lahm im fehlenden Ausbildungskonzept. „Eine entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Wofür bilden wir aus? Was ist unser Ansatz?“ Während etwa in Spanien über Jahre hinweg in einem einheitlichen System gearbeitet werde, springe man in Deutschland von Trend zu Trend. Das Ergebnis: Spieler könnten vieles ein bisschen, aber nur wenige etwas wirklich herausragend gut.

„Ein Fußballer muss nicht alles können. Er muss etwas sehr gut können“, betont Lahm. Besonders die Kunst des Verteidigens werde kaum noch im Detail vermittelt.

Lahms Reformvorschläge

Artikelbild:„Viel Potenzial bleibt ungenutzt“: Lahm rechnet mit deutscher Talentförderung ab

Foto: IMAGO/DeFodi Images

Der ehemalige Bayern-Kapitän bleibt jedoch nicht bei Kritik stehen. Er fordert ein verbindliches Ausbildungskonzept, das unabhängig von Trainerwechseln Bestand hat. Eine gemeinsame Spielphilosophie auf Verbandsebene solle technische und taktische Anforderungen klar definieren.

Seine Vision: wieder echte Spezialisten. Einen Sechser, der das Zentrum beherrscht. Einen Innenverteidiger, der kaum zu überwinden ist. Einen Stürmer, der im Strafraum eiskalt bleibt.

Zudem fordert Lahm konkrete Maßnahmen im Profibereich. Jeder Bundesligist solle Zielvorgaben für Einsatzzeiten eigener Talente festlegen. Ein Profikader dürfe nicht größer als 23 Spieler sein, mindestens drei Plätze müssten für Eigengewächse reserviert werden. „Talent entwickelt sich im Wettbewerb“, mahnt Lahm.

Sein eigener Werdegang beim FC Bayern sei geprägt gewesen von Kontinuität und klarer Förderung. Genau diese Prinzipien vermisst er heute vielerorts.

Lahms Abrechnung ist deutlich – und sie richtet sich nicht nur an einzelne Vereine, sondern an das gesamte System. Seine Botschaft: Die Voraussetzungen sind da. Doch ohne klare Linie und Mut zur Förderung droht weiterhin wertvolles Potenzial verloren zu gehen.

Impressum des Publishers ansehen