MillernTon
·20. Februar 2026
Vollkrise an der Weser

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Am Sonntag empfängt der FC St. Pauli mit Werder Bremen einen Club, der sich in einer tiefen sportlichen Krise befindet. Eine kurze Suche nach den Ursachen.(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Es ist doch in jeder Bundesligasaison das gleiche Dilemma für jene Clubs, die sich vermeintlich im „Mittelfeld“ der Tabelle wähnen: Irgendwann gibt es eine Phase, in der mindestens einer dieser Clubs feststellt: „Oh, das wird aber ganz schön eng für uns!“ Bereits nach 22 Spieltagen ist klar, dass der SV Werder Bremen einer dieser Clubs ist. Er ist damit ein direkter Konkurrent des FC St. Pauli im Abstiegskampf.
Werder Bremen hatte nach zehn Spieltagen bereits 15 Zähler auf dem Konto, lag in der Bundesliga auf Rang acht, der Puffer nach unten betrug bereits acht Punkte. Seit diesem Spieltag sind aber nur noch vier Zähler hinzugekommen. Die sportliche Talfahrt weckt schmerzhafte Erinnerungen an der Weser: In der Saison 20/21 war der SVW auf bestem Wege, den Status der „Grauen Maus“ zu erreichen. Nach 24 Spieltagen lag das Team mit 30 Zählern auf Platz zwölf, der Abstand auf die Abstiegszone betrug vermeintlich entspannte elf Punkte. Aus den folgenden zehn Spielen holte Werder dann aber nur noch einen einzigen Punkt und stieg am Saisonende ab. Nun ist die Sieglos-Serie bereits wesentlich früher in der Saison gestartet, was Fluch, aber auch Segen sein kann. Sicher ist aber: Bereits zu diesem Zeitpunkt der Saison geht es für den SV Werder Bremen einzig um den Klassenerhalt in der Bundesliga.
Rückblickend steht da ein großes „Eigentlich“ im Raum. Denn eigentlich war diese Entwicklung absehbar. Eigentlich war bereits vor der Saison zu erahnen, dass es für den SVW schwieriger werden könnte. Eigentlich hätten die Aussagen von Ole Werner rund um seinen Abgang kurz nach Ende der Vorsaison dazu führen können, dass man Werder zu den Abstiegskandidaten zählt. Spätestens nachdem das Team im Sommer von einer bemerkenswerten Verletzungsmisere heimgesucht wurde, hätten die Alarmglocken wohl schrillen müssen. Eigentlich.
Doch der Saisonstart von Werder Bremen lief überraschend gut, wie bereits erwähnt hatte das Team nach zehn Spielen gute 15 Punkte auf dem Konto. Und mit Horst Steffen gab es in Bremen einen Trainer, der von Außen betrachtet mit seiner Art extrem gut an die Weser passte. Nur passten die Vorstellungen von Steffen nicht so richtig zum Kader des SVW, wie Basti vom Weserfunk sehr passend im „Vor dem Spiel“-Gespräch dargestellt hat. Was unweigerlich ein Schlaglicht auf die sportliche Führung in Bremen wirft.
Denn dem Geschäftsführer Clemens Fritz und dem sportlichen Leiter Peter Niedermeyer ist mindestens eine Mitschuld an der sportlichen Krise anzulasten. Der Kader wurde im Sommer nicht gut genug verstärkt – für die Spielidee von Steffen sogar nur unzureichend. Der Abgang von Stürmer Marvin Ducksch sollte mit dem verletzungsanfälligen Victor Boniface und dem Erstliga-unerfahrenen Keke Topp kompensiert werden. Neben Samuel Mbangula wurden nur Leihspieler verpflichtet, ein echter Kaderaufbau sieht sicher anders aus.
Und dann gab es rund um Weihnachten noch die bemerkenswerte Peinlichkeit, dass die Werder-Verantwortlichen von Außen darauf aufmerksam gemacht werden mussten, dass sie mehr als sechs Leihspieler in ihren Reihen haben dürfen, woraufhin mit Jovan Milosevic im Winter noch ein weiterer Leihspieler den Weg an die Weser fand. Kann passieren, mag man sagen. Aber würde man einem/r Elektriker*in erklären müssen, wie man eine Leitung verlegt und hätte diese/r bis dahin sowieso schon eher mäßigen Erfolg gebracht, wie würde diese/r dann bewertet werden? Die Kritik am Duo Fritz/Niemeyer ist ohrenbetäubend, auch ohne diese Posse. Denn ihnen ist es nicht gelungen, einen Kader zusammenzustellen, der ins Bundesligamittelfeld gehört.

Horst Steffen hatte es in Bremen wahrlich nicht leicht – und wurde ob der sportlichen Talfahrt des SVW vor wenigen Wochen entlassen.
// (c) Stefan Groenveld
Diese gesamte Gemengelage ergibt Folgendes: Seit November wartet der SV Werder Bremen auf einen Sieg in der Bundesliga. Horst Steffen wurde in der Zwischenzeit entlassen, Daniel Thioune (zuvor in Düsseldorf entlassen, bisher ohne Bundesligaerfahrung) hat den Cheftrainerposten übernommen. Der SV Werder Bremen schleppt sich durch die Saison und ein Trend hin zur Verbesserung ist bisher auch nach dem Trainwechsel noch nicht zu erkennen. Werder Bremen hat auch weiterhin große Probleme vor allem in der Offensive, erzielte in nur zwei der letzten neun Ligaspiele überhaupt einen eigenen Treffer (und fing sich in nur einem dieser Spiele keinen Gegentreffer). In der Formtabelle der Bundesliga seit dem 11. Spieltag ist Werder mit gehörigem Abstand Letzter.
Der SV Werder Bremen steckt also in ernsthaften Abstiegsnöten. Ob diese auch dazu führen werden, dass das Team erneut den Gang in die zweite Liga antreten muss, dürfte maßgeblich von den kommenden Wochen abhängen. Werder Bremen trifft nun der Reihe nach auf direkte Konkurrenten: Nach dem Spiel auf St. Pauli kommt der 1. FC Heidenheim an die Weser. Bis zur Länderspielpause folgen Partien gegen Union, Mainz und Wolfsburg. Nur wenn es Werder Bremen in diesen Spielen schafft, endlich wieder richtig zu punkten, dürfte man die Länderspielpause Ende März nicht auf einem direktem Abstiegsplatz verbringen. Dass der SVW bis zum Saisonende zittern muss, dürfte aber so oder so der Fall sein. Somit ist bereits jetzt klar: Werder Bremen ist einer dieser Clubs aus dem Mittelfeld der Bundesliga, der in dieser Saison in den Topf mit Scheiße gegriffen hat.// Tim
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