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·15. Juli 2026

Von Maradona bis zu den Falklandinseln: Ein WM-Halbfinale mit bewegter Geschichte

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Ein Platz im WM-Finale ist noch zu vergeben. Thomas Tuchel muss dafür am Mittwochabend mit England Messis Argentinier schlagen.

60 Jahre ist es mittlerweile her, dass England im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft stand. 1966 gewann das Mutterland des Fußballs im Finale gegen Deutschland durch das legendäre Wembley-Tor den ersten und einzigen WM-Titel seiner Geschichte. Beim Turnier in den USA, Mexiko und Kanada ist es ausgerechnet ein deutscher Trainer, der diese Flaute beenden soll.


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Thomas Tuchel hat aus dem Star-Ensemble ein funktionierendes Team geformt und sich vor dem Turnier getraut, Stars wie Trent Alexander-Arnold und Cole Palmer nicht zu berücksichtigen. Der Deutsche sollte mit seinen unpopulären Entscheidungen recht behalten. England zerlegt die gegnerischen Abwehrreihen nicht wie Frankreich, England kontrolliert die Spiele auch nicht so wie Spanien. Dafür sind die Three Lions widerstandsfähig, bärenstark im Gegenpressing und können sich auf ihre Achse aus Declan Rice, Jude Bellingham und Harry Kane verlassen.

Superstars tragen Argentinien und England durch die WM

Besonders die beiden letztgenannten Top-Stars spielen eine herausragende WM und haben bisher zwölf der 13 Treffer Englands erzielt. Die Erleichterung beim Abpfiff im Viertelfinale gegen Norwegen war riesig, weil vor der Runde der letzten Vier die gelben Karten gelöscht wurden und Bellingham nun keine Sperre mehr droht.

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Foto: Getty Images

Mit dem Real-Akteur und Kane geht England sogar leicht favorisiert ins Halbfinale gegen Argentinien. Der Titelverteidiger wird bisher vor allem vom nimmermüden Altmeister Lionel Messi durch das Turnier getragen. Acht Tore hat der 39-Jährige bei seiner sechsten Weltmeisterschaft bereits auf dem Konto und kaschierte damit so manche Schwäche, die seine Mitspieler um ihn herum zeigten. Auf der vermeintlich leichteren Seite des Turnierbaums drohte sowohl gegen Kap Verde (3:2 n.V.) und Ägypten (3:2) als auch gegen die Schweiz (3:1 n.V.) das Aus.

Gegen England darf sich das Team von Trainer Lionel Scaloni nicht nur auf Messis Geniestreiche verlassen, sondern muss vor allem in der Defensive sattelfester agieren. Mit Ball am Fuß haben die Verteidiger der Albiceleste Probleme und gegen die Three Lions werden Ballverluste im Spielaufbau umgehend bestraft. Offensiv hat Argentinien derweil jederzeit die Qualität, jede Nation der Welt vor Probleme zu stellen. Nicht nur dank Lionel Messi, sondern auch mit Spieler wie Lautaro Martinez und Julian Alvarez, die nach schwachem Start allmählich doch noch ins Turnier finden.

Ein deutscher Schiedsrichter mittendrin: Die Geburtsstunde der Rivalität

Doch das Halbfinale in Atlanta lebt nicht nur von der zu erwartenden Spannung. Beide Länder verbindet eine bewegte gemeinsame Geschichte – auf und neben dem Fußballplatz.

Da wären zum einen zwei denkwürdige Duelle in der WM-Historie. Auf dem Weg zum angesprochenen Titel im eigenen Land 1966 musste England auch die Hürde Argentinien überwinden und galt vor dem Viertelfinale gegen die Albiceleste als klarer Favorit. Die Südamerikaner kämpften sich jedoch mit allen Mitteln in die Partie, der erst vor vier Tagen verstorbene Antonio Rattin geriet mehrmals mit dem deutschen Schiedsrichter Rudolf Kreitlein aneinander, sodass dieser ihn vom Feld schickte.

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Der Kapitän weigerte sich jedoch, den Platz zu verlassen und sorgte für eine zehnminütige Unterbrechung. Zwei Polizisten mussten ihn schließlich vom Feld begleiten – die fußballerische Rivalität zwischen beiden Ländern war geboren. Die Three Lions taten sich trotz der Überzahl weiter schwer, erst in der Schlussphase gelang – selbstverständlich – Geoff Hurst der erlösende Siegtreffer (79.). Im Finale gegen Deutschland wurde der heute 84-Jährige mit seinen drei Toren endgültig zum Held der Insel.

Geniestreich und „Hand Gottes“: Maradona wird endgültig zur Ikone

Zwanzig Jahre später nahm Argentinien Rache für die Niederlage. In einem Viertelfinale, das zu einem der ikonischsten WM-Spiele aller Zeiten werden sollte, bezwangen die Südamerikaner England 1986 mit 2:1. Superstar Diego Maradona erzielte beide Tore für Argentinien, England kam durch Gary Lineker nur noch zum späten Anschlusstreffer.

Beide Treffer des legendären Maradona sind noch heute allgegenwärtig. Bei seinem zweiten Tor in der 55. Minute stellte der Dribbler eindrucksvoll unter Beweis, wieso er noch heute in einem Atemzug mit Lionel Messi und Pele genannt wird. Maradona lief mit Ball am Fuß über das halbe Feld, umkurvte dabei sechs Engländer samt Torhüter Peter Shilton und schob ins leere Tor ein. Der Treffer wurde 2002 in einer Internet-Abstimmung der FIFA zum WM-Tor des Jahrhunderts gewählt.

Noch berühmter ist jedoch das zwischenzeitliche 1:1 nur vier Minuten zuvor. Das erzielte der Ausnahmekünstler regelwidrig mit der Hand. Schiedsrichter Ali Bin Nasser hatte jedoch Maradonas Kopf am Ball vermutet und gab das Tor. Nach der Partie zeigte der Doppeltorschütze keine Reue. „Es war ein bisschen Maradonas Kopf und ein bisschen die Hand Gottes“, sagte Maradona und erschuf damit einen geflügelten Begriff im Fußball. Mit seinen Argentiniern zog er schließlich ins Finale ein und setzte sich gegen Deutschland im Azetekenstadion die WM-Krone auf.

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1998 trafen beide bis heute zum letzten Mal in einem K.O.-Spiel einer Weltmeisterschaft aufeinander, Argentinien hatte nach Elfmeterschießen das bessere Ende für sich. Vier Jahre später setzte sich England in der Gruppenphase mit 1:0 durch, insgesamt spricht die Bilanz bei vier Siegen in sechs Partien für die Three Lions.

1982 brach sogar Krieg aus: Streit um die Falklandinseln schwelt noch heute

Argentinien und England verbindet jedoch nicht nur die ereignisreiche gemeinsame WM-Historie. Geopolitisch kam es in den 1980er-Jahren zu einem militärischen Konflikt zwischen den Ländern. Auslöser waren die Falklandinseln, ein britisches Überseegebiet vor der argentinischen Küste, das seit 1833 von den Südamerikanern beansprucht wird.

1982 besetzte Argentinien die „Malvinas“, wie die Inseln dort genannt werden. In einem zehn Wochen andauernden nicht-erklärten Krieg eroberte Großbritannien das Gebiet zurück, insgesamt kamen rund 900 Menschen ums Leben. Die Niederlage im Falklandkrieg führte zum Ende der Militärdiktatur und leitete den Übergang Argentiniens zur Demokratie ein. Noch heute ist das Überseegebiet ein Streitobjekt, da Argentinien die Falklandinseln nach wie vor als Staatsgebiet ansieht. „Die Malvinas waren, sind und werden weiterhin Teil Argentiniens sein“, sagte etwa Ex-Präsident Alberto Ángel Fernández noch 2023.

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Auch bei der Albiceleste ist das Thema noch immer präsent. 2014 präsentierte die Nationalmannschaft ein Banner mit der Aufschrift „Los Malvinas son argentinos“. Auch im Vereinsfußball kommt es immer wieder zu Protestaktionen. Bei der laufenden WM singen die Spieler in der Kabine regelmäßig „Ich bin Argentinier von der Wiege bis zur Bahre – für die Malvinas, für Diego und für Leos letztes Kapitel.“

Trainer Lionel Scaloni möchte den Fokus lieber aufs Sportliche lenken. „Das ist ein Fußballspiel. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, so der 48-Jährige vor dem Halbfinale. Wer weiß, vielleicht wird die kuriose WM-Geschichte zwischen Argentinien und England am Mittwochabend um ein Kapitel reicher.

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